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Erst gab es zu wenig Corona-Impfstoff, jetzt muss er teilweise entsorgt werden. Bildrechte: dpa

Corona-PandemieBislang knapp 230.000 Impfdosen im Land vernichtet oder zurückgegeben

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 20. April 2022, 12:53 Uhr

Sachsen-Anhalt hat bisher knapp 230.000 Corona-Impfdosen verworfen beziehungsweise an den Bund zurückgegeben. Das teilte das Gesundheitsministerium mit. Politiker mehrerer Fraktionen übten Kritik an dem Vorgehen. Aktuell hat das Land noch etwa 100.000 Impfdosen auf Lager.

In Sachsen-Anhalt sind bislang knapp 110.000 Impfdosen verworfen worden. Das teilte das Gesundheitsministerium in Magdeburg mit. Die Gründe dafür seien die Unterbrechungen in der Kühlkette sowie abgelaufener Impfstoff.

Spende der Impfdosen nicht möglich

Aktuell hat das Land noch etwa 100.000 Impfdosen auf Lager. Überschüssiger Impfstoff kann laut Ministerium seitens des Landes nicht einfach gespendet werden, da er durch den Bund zur Verfügung gestellt wird. Er müsse also zunächst zurück an den Bund gehen.

Bis Ende 2021 sind deswegen weitere rund 63.700 Vektor-Impfdosen und 55.500 Dosen der mRNA-Impfstoffe an den Bund zurückgegeben worden. Aktuellere Zahlen konnte das Ministerium zunächst nicht nennen. Damit ließ das Land bisher insgesamt knapp 230.000 Impfdosen ungenutzt.

Wenn Haltbarkeitsverlängerungen durch die Hersteller in Aussicht gestellt werden und die Impfstoffe noch tiefgekühlt sind, werden sie bis zu einer Entscheidung aufbewahrt.

Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalt

Landtagsfraktionen kritisieren Umgang mit Impfstoffen

  • Statt die Impfdosen wegzuwerfen, hätten sich die Grünen, die Linken und die CDU gewünscht, dass die Vakzine rechtzeitig an Drittländer abgegeben worden wären.
  • FDP-Gesundheitspolitiker Konstantin Pott forderte in diesem Zusammenhang die rechtlichen Voraussetzungen, dass der nicht benötigte Impfstoff für ärmere Länder gespendet werden könne.
  • Aus Sicht der Linken-Fraktionsvorsitzenden Eva von Angern war anhand der Erfahrungswerte der letzten Monate in der Pandemie absehbar, "dass diese enorme Menge an Impfstoff nicht genutzt wird".
  • AfD-Politiker Ulrich Siegmund zeigte sich unzufrieden darüber, dass "ohne eine konkrete Bedarfsermittlung so viel Impfstoff bestellt wurde".

Novavax im Land ein Ladenhüter

Zuletzt war bekannt geworden, dass die Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff der Firma Novavax in Sachsen-Anhalt deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das Land habe am 24. Februar 39.000 Impfdosen des Totimpfstoffs vom Bund erhalten. Allerdings sei das Interesse am Impfstoff von Novavax sehr verhalten gewesen. Man habe lediglich rund 2.300 Dosen davon verbrauchen können.

Totimpfstoff nur bis Ende Juli haltbar

Die Absicht bestand laut der Ministerin darin, vor allem ungeimpftem medizinischen Personal mit dem Novavax-Impfstoff eine Alternative zu den bisherigen Impfstoffen anzubieten. Aber auch von diesem Personenkreis sei die Nachfrage gering gewesen. Da der gelieferte Impfstoff nur bis zum 31. Juli haltbar ist, habe man die nicht nachgefragten Impfdosen bereits wieder an den Bund abgegeben. Grimm-Benne: "Der finanzielle Schaden ist allerdings noch nicht zu beziffern."

Deutschlandweit immer weniger Impfungen

Die Nachfrage nach Impfungen ist bundesweit in den letzten Wochen immer weiter zurückgegangen. Nach Angaben des Impfdashboards des Bundesgesundheitsministeriums wurden vor den Osterfeiertagen nur noch einige Zehntausend Dosen pro Tag verabreicht. Im vergangenen Dezember waren es teilweise täglich mehr als eine Million Impfungen pro Tag. Etwa 94.000 Corona-Impfdosen wurden Sachsen vernichtet, deutlich weniger waren es in Thüringen.

Sachsen-Anhalt hinkt bei Impfquoten hinterher

Bei den Impfquoten liegt Sachsen-Anhalt bundesweit an viertletzter Stelle. Das betrifft sowohl die mindestens einmal Geimpften als auch die Grundimmunisierten mit zwei Impfungen und die Geboosterten mit mindestens drei Impfungen.

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Bis einschließlich Montag haben in Sachsen-Anhalt laut Gesundheitsministerium rund 1,57 Millionen Menschen (72 Prozent) die Erstimpfung erhalten. Knapp 1,6 Millionen Personen (73,3 Prozent) sind grundimmunisiert und 1,19 Millionen Menschen (54,7 Prozent) haben eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Die Zahlen von Erst- und Zweitimpfung können voneinander abweichen, da als grundimmunisiert auch Personen zählen, die eine Impfung nach ihrer Genesung erhalten haben.

dpa, MDR (Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. April 2022 | 08:00 Uhr

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