Nach Insolvenz Abellio stellt Zugbetrieb in Teilen Sachsen-Anhalts offenbar früher als geplant ein

Wegen hoher Defizite will der Bahnbetreiber Abellio in Teilen Sachsen-Anhalts seinen Betrieb einstellen. Das Unternehmen verhandelt derzeit mit dem Land über einen vorzeitigen Ausstieg aus dem entsprechenden Vertrag. Aktuell laufen Gespräche, wie der öffentliche Personennahverkehr dennoch aufrechterhalten werden kann.

Ein Regionalexpress steht an einem Bahnhof.
Abellio wird den Zugbetrieb in Sachsen-Anhalt offenbar früher als bisher geplant einstellen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

Der insolvente Zugbetreiber Abellio wird in Teilen Sachsen-Anhalts offenbar früher als geplant den Betrieb einstellen. Wie die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa) bestätigte, laufen seit Donnerstagmorgen Konferenzen der Geschäftsführung, wie im Notfall der öffentliche Personennahverkehr aufrechterhalten werden kann, den das Land bei Abellio bestellt hat.

Börde, Harz, Salzland und Anhalt betroffen

Es geht um Millionendefizite im Diesel-Netz von Abellio, also um die Strecken in der Börde, im Harz, im Salzlandkreis sowie der Region Anhalt. Hier ist Abellio nach einer Ausschreibung seit Ende 2018 unterwegs und sollte dies eigentlich 14 Jahre lang sein. Doch das ist finanziell für das angeschlagene Unternehmen nicht zu stemmen.

Mutterkonzern gleicht Defizite nicht mehr aus

Grund sind Kostensteigerungen, die nicht vorhersehbar waren, wie Abellio MDR SACHSEN-ANHALT in der Vergangenheit bestätigte. Bisher ist der Mutterkonzern – die niederländische Staatsbahn – für die Defizite aufgekommen. Damit ist nun Schluss. Abellio verhandelt deswegen mit dem Land über einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag.

Ein silberfarbener Zug an einem offenen Bahnsteig. 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 14.06.2021 19:00Uhr 01:33 min

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Laut "Mitteldeutscher Zeitung" soll dies nun schon vor Ende 2024 geschehen. Damit wäre eine neue Ausschreibung nötig. Fahrgäste müssen aber nicht befürchten, stehengelassen zu werden. Das Land Sachsen-Anhalt muss den Weiterbetrieb sicherstellen, notfalls mit Bussen und auf eigene Kosten.

Konkurrenten der Deutschen Bahn machen alle Verluste

Abellio gehört mit Keolis, einer Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, und der Transdev-Tochter Nordwestbahn zu den Konkurrenten der Deutschen Bahn, die allesamt unter Druck stehen und Verluste machen. Die Unternehmen monieren Kostensteigerungen, die sie nach eigener Darstellung nicht verschuldet haben. Deutlich mehr Baustellen führten zu Verspätungen und Zugausfällen, für die Strafzahlungen fällig würden. Auch Schienenersatzverkehr komme sie teuer zu stehen. Zudem sei der Personalbedarf deutlich gestiegen. All das sei beim Abschluss der langfristigen Verträge nicht absehbar gewesen.

Konzernbetriebsrat fordert Erhaltung der Arbeitsplätze

In einem Offenen Brief des Konzernbetriebsrates von Abellio heißt es, man brauche jetzt eine Lösung, wie die Arbeitsplätze der Beschäftigten gesichert werden könnten. Der Betriebsrat schreibt weiter: "Wir, die rund 3.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Abellio in Deutschland, appellieren eindringlich, zeitnah eine Einigung zum wirtschaftlichen Weiterbetrieb der einzelnen Verkehrsnetze zu erzielen und somit den Beschäftigten der Abellio-Unternehmen in den Regionen eine Perspektive zu ermöglichen."

MDR/André Plaul, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 26. August 2021 | 12:30 Uhr

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