Interview "Der Begriff 'Fake News' ist gefährlich"

Vor allem durch das soziale Netzwerk Facebook ist der Begriff "Fake News" in den deutschen Wortschatz eingezogen. Doch was ist damit eigentlich genau gemeint? Für Social-Media-Redakteur Marc Biskup von MDR SACHSEN-ANHALT ist die Formulierung und Verwendung nicht trennscharf genug.

Jugendlicher sitzt am Computer und schaut auf seinen Bildschirm mit Twitter und Facebook Emblemen
Bildrechte: IMAGO

Gibt es in Sachsen-Anhalt ein Problem mit "Fake News"?

Der Aufhänger für die Debatte in dieser Woche ist der Prozess eines Flüchtlings, der Facebook verklagt, weil im sozialen Netzwerk ein Bild von ihm mit Kanzlerin Merkel missbraucht wurde. Nehmen wir also an, dass mit "Fake News" bewusste Falschmeldungen gemeint sind, dann gab es in Sachsen-Anhalt tatsächlich einige Fälle. Diese sind vor allem im Rahmen der Flüchtlingsbewegungen entstanden und maßgeblich über Facebook und Twitter verteilt worden. Ihr Ziel war immer, Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Deswegen haben wir auch ziemlich schnell nach Bekanntwerden der ersten Falschmeldungen einen Faktencheck geschrieben und diverse Behauptungen widerlegt.

Es wird immer dann zum Problem, wenn man diese Meldungen nicht mehr einfangen kann. Deswegen ist es wichtig, nicht nur die Behauptung zu widerlegen, sondern auch den Menschen beizubringen, wie sie selbstständig Lügen entlarven können.

Herrscht also gerade eine gewisse Hysterie um "Fake News"?

Ich verstehe nicht so richtig, wieso der Begriff gerade jetzt in aller Munde ist. Das, was er zu beschreiben versucht, hat es auch vor der Benennung "Fake News" gegeben.

Stefan Niggemeier hat in einem Beitrag in seinem Medien-Watchblog diverse Beispiele dafür gebracht, dass diese Art der Berichterstattung und Verbreitung von falschen oder falsch interpretierten Meldungen schon seit einigen Jahren stattgefunden hat.

Dass die Beispiele bei MDR SACHSEN-ANHALT teilweise schon über ein Jahre alt sind, zeigt auch, dass es kein Phänomen seit Ende 2016 ist. Vor zwei Jahren gab es Gerüchte, der Weihnachtsmarkt in Magdeburg solle in Wintermarkt umbenannt werden. Diese konnte man damals sehr leicht entkräften. Es ist gut, dass man über Lügen im Internet redet. Man muss aber genau differenzieren, was wirklich "fake" ist und was nur so bezeichnet wird.

Du hast Probleme mit dem Begriff "Fake News"?

Der Begriff "Fake News" ist einfach zu schwammig, er kann nicht sauber abgegrenzt werden. Darunter können bewusste und unbewusste Falschmeldungen, Propaganda, Gerüchte und noch viel mehr fallen. Aber man kann so auch Satire wie vom Postillon als "Fake News" verstehen.

Als diverse Medien vorschnell vom NPD-Verbotsverfahren (falsch) twitterten, hieß es von vielen Nutzern, das seien "Fake News" gewesen. Spätestens seit US-Präsident Donald Trump Berichte der CNN als "Fake News" bezeichnet hat, ist eine weitere Interpretation möglich: Zutreffende Nachrichten und Meldungen, welche nicht ins eigene Weltbild passen, werden plötzlich "Fake News" genannt.

Dass es so unterschiedliche Bedeutungen des Begriffes gibt, macht die Verwendung von "Fake News" gefährlich. Denn es ist einfach nicht klar, was gemeint ist.

Umso wichtiger ist es, dass die Medien falsche Meldungen entlarven, Behauptungen aufklären und Lügen widerlegen. Deswegen muss nicht extra der "Kampf gegen Fake News" ausgerufen werden. Diese Aufgabe gehört seit jeher zu den Kernbereichen des Journalismus. Dazu zählt auch Klarheit. Und deswegen sollte man den Begriff "Fake News" immer kritisch hinterfragen und lieber genau benennen, worum es sich handelt. Ist es Propaganda? Dann sollte man es Propaganda nennen. Ist es ein Gerücht? Dann sollte man es ein Gerücht nennen. Ich persönlich verwende daher den Begriff "Fake News" nicht.


Fragen zum Thema? Marc Biskup bei Twitter

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07.02.2017 | 19:00 Uhr

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