Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Interview Grimm-Benne: Hygiene und Testungen in Altenheimen trotz Corona-Impfung wichtig

In Altenheimen müssen sich Besucher und Mitarbeitende auf Corona testen lassen. Für Testungen kann Amtshilfe von der Bundeswehr beantragt werden. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) über die aktuelle Lage in Pflegeheimen.

Petra Grimm-Benne, Sozialministerin Sachsen-Anhalt
Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) machen Corona-Ausbrüche in Altenheimen Sorgen. Sie plädiert für Hygienemaßnahmen und Testungen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

MDR SACHSEN-ANHALT: Das Thema Amtshilfe der Bundeswehr in Pflegeheimen hat in einigen Landkreisen Kritik ausgelöst. Welche Neuigkeiten gibt es dazu?

Petra Grimm-Benne: Ich habe gestern Abend mit den Liga-Vertretern, die Altenheim-Träger sind, und den privaten Trägern eine Videokonferenz gehalten, um nochmal dafür zu werben, dass man die Bundeswehr auch einsetzen kann in den Pflegeeinrichtungen, insbesondere bei Testungen.

Bei einzelnen Landkreisen scheint es Unklarheiten zu geben, wie das mit den Kosten für die Hilfe der Bundeswehr geregelt ist.

Es müssen ja im Augenblick nur die Kosten übernommen werden für Verpflegung und Unterkunft [der Bundeswehr-Kräfte, Anm. d. Red.]. Alle anderen Leistungen, das hat die Verteidigungsministerin gestern gesagt, werden von der Bundeswehr selbst übernommen, werden vom Bund übernommen.

Ein Bewohner wird im Elisabeth-Roock-Haus von einem Soldaten durch den Flur zu seinem Zimmer gebracht.
Die Bundeswehr kann in Altenheimen Amtshilfe leisten, beispielsweise Corona-Testungen übernehmen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Testverordnung des Bundes sieht vor, dass jeder Bewohner in den Alteneinrichtungen einen Anspruch hat auf 20 Testungen. Diese Testungen werden bezahlt. Sowohl in Sachkosten, also dass die Tests vom Bund übernommen werden, als auch, dass man mit der Krankenkasse neun Euro abrechnen kann für das Durchführen. Also pro Testung bekommt man neun Euro. Und das können die Altenpflegenheime schon beantragen nach Testverordnung – und damit können sie auch Kost und Logis der Bundeswehrsoldaten bezahlen. Das haben wir gestern nochmal eindrücklich gesagt, dass das so funktionieren kann. Und ich glaube, das ist eine gute Unterstützung.

Neun Euro pro Testung: Wenn man an einem Tag zehn Testungen macht, dann ist man schon an einem Betrag, dass man Unterbringung wirklich finanzieren kann. Und das machen die Landkreise schon die ganze Zeit: Denn wenn sie die Bundeswehr zum Beispiel als helfende Hände einsetzen, dann sind sie auch für Kost und Logis verantwortlich.

Nun wird in Sachsen-Anhalts Altenheimen fleißig geimpft. Trotzdem bricht hin und wieder noch Corona dort aus. Wie ist denn die aktuelle Lage in Alten- und Pflegeheimen?

Wir haben bisher geschafft, 60 Prozent aller stationären Einrichtungen ein erstes Impfangebot zu unterbreiten. 60 Prozent sind das erste Mal geimpft, jetzt laufen die Zweitimpfungen. Der richtige Schutz besteht erst nach der zweiten Impfung. Dann sagt man, noch eine Woche, bis der Vollschutz erreicht ist. Deswegen macht es uns auch Sorge, dass es noch Ausbrüche gibt zwischen der ersten und zweiten Impfung. Deswegen sage ich auch, wir müssen auch weiter Hygiene einhalten. Und deswegen ist die Testung auch so wichtig.

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Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf der Impfungen in Sachsen-Anhalt? War es Ihnen zu langsam?

Anfang Januar war ich sehr froh darüber, dass wir Impfstoff anbieten konnten. Mittlerweile ist man sehr realistisch, dass die Lieferungen, die immer angekündigt waren, dann doch gekürzt bei uns angekommen sind. Ich würde mir sehr wünschen, es würde jetzt noch einmal einen Ruck beim Bund und bei der EU geben, dass wir wirklich verlässliche Impfmengen bekommen, damit wir tatsächlich jetzt auch schnell impfen können. Denn das scheint ja der aussichtsreichste Weg zu sein, auch die Pandemie zu bekämpfen.

Vor allem macht es uns auch Sorge, dass überall jetzt zu hören ist, dass es Mutationen vom Virus gibt, dass es möglicherweise noch länger dauern könnte, dass wir im Lockdown verbleiben. Von daher ist es dringend notwendig, dass wir so mit Impfstoff versorgt werden, dass wir sehr schnell impfen können.

Wie viele Impfungen gegen das Coronavirus in Sachsen-Anhalt bereits durchgeführt worden sind, erfahren Sie hier:

Die Fragen stellte Marc Burgemeister.

Recherche/Redaktion: MDR/Marc Burgemeister/Maria Hendrischke

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. Januar 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

scholul vor 38 Wochen

Guten Morgen, neben der Bundeswehr gibt es auch auf dem Portal der Bundesagentur für Arbeit eine Rubrik, wo man den Bedarf an freiwilligen Helfern anmelden kann. Viele Bundesländer und Landkreise sind hier bereits vertreten. Sachsen-Anhalt leider nicht. Also gibt es ja offensichtlich keinen Bedarf oder!? In meiner Wohnortnähe gibt es insgesamt 4 Pflegeheime. Ich würde hier gern freiwillig helfen, aber wo kein Bedarf ist, kann man ja auch nicht helfen. Schade!

Micky Maus vor 38 Wochen

mal zur Person Grimm-Benne (SPD):
seit 2006 Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO) des Landes Sachsen-Anhalt


und dann lese man mal das
https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/awo-sachsen-anhalt-pruefung-landesrechnungshof-zukunft-gemeinnuetzigkeit-100.html

jackblack vor 38 Wochen

Ich will nicht wissen, was alles NICHT klappt, ich will WISSEN, WIE und vor allem OB und WANN es weitergeht.

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