Jahresrückblick Das sind die Geschichten des Jahres 2021 aus Sachsen-Anhalt

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Das Jahr 2021 ist fast vorbei. Endlich, sagen viele. Denn während viele gehofft hatten, dass die Pandemie vorbei ist, wenn genügend Menschen geimpft sind, zeigte der Herbst das glatte Gegenteil – wohl auch, weil die Impfquote noch immer zu niedrig ist. Wenig überraschend also, dass sich unsere Geschichten des Jahres immer wieder auch um Corona drehen. Doch das Jahr darauf zu reduzieren, wäre falsch. Hier kommen die Geschichten von MDR SACHSEN-ANHALT, die Sie 2021 besonders interessiert haben.

Collage aus verschiedenen Bildern.
Ein bewegtes Jahr geht zu Ende: Hier zeigen wir Ihnen die erfolgreichsten Geschichten des Jahres von MDR SACHSEN-ANHALT. Bildrechte: dpa, MDR/Daniel George, Tino Plunert

Januar 2021: Der Zeit voraus

Was im Januar 2021 in Dessau-Roßlau passiert, liest sich ein wenig wie eine Vorschau auf den Spätherbst desselben Jahres. Denn ein Pflegedienst in der Bauhausstadt ist seiner Zeit weit voraus, als er im Januar angekündigt, dass fortan nur noch Mitarbeiterinnen mit Corona-Impfung für ihn arbeiten dürfen. Die Konsequenz: Fünf Beschäftigten wird gekündigt. Sie waren zunächst zögerlich, wollten sich nicht unmittelbar impfen lassen. Als MDR SACHSEN-ANHALT darüber berichtet, ist das Interesse groß.

Erst viele Monate danach wird die Politik beschließen, dass Mitarbeiterinnen wie die fünf genannten künftig einer Impfpflicht unterliegen sollen. Im Januar ist davon noch keine Rede. Die Landesregierung lässt seinerzeit ausrichten, man plane keine Impfpflicht.

Februar 2021: Impfen nach eigenen Regeln

Auch der Februar steht im Zeichen des Impfens – und der Empörung. Denn im zweiten Monat des noch jungen Jahres wird nicht nur bekannt, dass sich Halles Oberbürgermeister Wiegand beim Impfen vorgedrängelt hat; aus dem Landkreis Stendal kommen Meldungen, nach denen 320 Beamtinnen und Beamte der Polizei schon geimpft worden sind.

Ein Arzt füllt im Impfzentrum der Landeshauptstadt, das sich in einer Halle der Messe Magdeburg im Elbauenpark befindet, mit einem Senior einen Fragebogen aus, bevor eine Impfung gegen das Coronavirus verabreicht wird.
Im Landkreis Stendal wurden 320 Polizisten gegen Corona geimpt obwohl sie laut Impfplan erst später hätten geimpt werden sollen. Bildrechte: dpa

Warum die Aufregung, fragen Sie sich? Die Antwort: Der Impfstoff ist seinerzeit noch knapp. Erst sollen in Deutschland die Hochbetagten, Schwerstkranken und das medizinische Personal geimpft werden. Entspannung beim Impfen wird erst der Mai bringen.

März 2021: Gar nicht so ungefährliche Kinderschuhe

Der März ist erst wenige Tage alt, als Bund und Länder beschließen: Der Lockdown in Deutschland wird verlängert. Bei den Userinnen und Usern von MDR SACHSEN-ANHALT sorgen Meldungen wie diese das ganze Jahr über für besonders großes Interesse. In diesem Rückblick aber sollen die Geschichten im Mittelpunkt stehen.

Eine davon hat mit Kinderschuhen zu tun. Sie finden sich im Frühjahr 2021 auch vor Rathäusern in Sachsen-Anhalt – als Protest von Eltern, die gegen Schnelltests und Maskenpflicht an den Schulen sind. MDR-Recherchen zeigen schnell: Die Ideengeber hinter der Aktion sind nicht ungefährlich. Einige sind Teil der Querdenker-Szene.

Auch Geschichten wie diese gehören im Corona-Jahr 2021 zur Realität.

April 2021: Stadtrat bremst "Supermann" aus

34 aus 48: Was klingen mag wie eine neue Glücksspiel-Reihe, ist in Wahrheit ein Kräfteverhältnis, das vor allem ein Mann so schnell nicht vergessen dürfte: Bernd Wiegand, 64 Jahre alt und seit 2012 Oberbürgermeister von Halle, wird suspendiert. Mit dem Stimmen von 34 Stadträten. Wiegand hatte sich ganz zu Beginn des Jahres vorzeitig gegen Corona impfen lassen, obwohl er noch nicht an der Reihe war. Was folgte, war ein erbitterter Streit zwischen Stadtrat und Oberbürgermeister – an dessen Ende Wiegands Suspendierung im April stand.

Was bleibt, ist ein Makel – für das Image der Stadt Halle. Deren Verwaltung gab bei der Aufarbeitung der Affäre kein gutes Bild ab. Mal pampten Wiegand und seine Amtsärztin Pressevertreter für deren kritische Fragen an, dann beantworteten sie plötzlich gar keine mehr. Wiegand selbst ist bis heute suspendiert. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft – nicht nur wegen seiner vorzeitigen Impfung. Ein Ende des Streits? Nicht in Sicht.

Mai 2021: Der schwierige Traum vom Eigenheim

Der Traum vom Eigenheim? Für viele junge Menschen in den deutschen Metropolen ist er schon lange ausgeträumt. In Sachsen-Anhalt scheint die Welt noch in Ordnung. Die Mieten in Magdeburg oder Halle sind weitaus niedriger als in München oder Berlin – und doch beginnt der Kampf ums Eigenheim auch hier. Besser: Er hat längst begonnen. Es ist Mai, als MDR SACHSEN-ANHALT über die Geschichte von Caro Bruns und Daniel Lindner berichtet. Das Paar hatte sich eigentlich innerhalb Magdeburgs vergrößern wollen. Aber bezahlbar war das nicht. Also suchten Bruns und Lindner im Umland – und wurden in der Börde fündig.

Die Geschichte des Paares ist kein Einzelfall. Im Gegenteil. Auch daran liegt es ganz sicher, dass das Interesse an ihrer Geschichte bei MDR SACHSEN-ANHALT groß ist.

Juni 2021: Haseloffs Triumph

Wahltag in Sachsen-Anhalt: Anfang Juni sind die Menschen aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Vor allem in der bundesweiten Presse ist oft von einem Stimmungstest zu lesen – für die Bundestagswahl wenige Monate darauf. Heute wissen wir: Stimmt nicht. Denn während die CDU bei der Bundestagswahl im Herbst krachend scheitert und in die Opposition geschickt wird, ist sie in Sachsen-Anhalt so stark wie nie. Mehr als 37 Prozent holen Amtsinhaber Reiner Haseloff und seine Partei. Das prognostizierte Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und AfD entpuppt sich am Wahltag als völlige Fehldiagnose.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl steht dann auch die neue Landesregierung in Sachsen-Anhalt. Das Land wird, so der Plan, bis 2026 von CDU, SPD und FDP regiert. An der Spitze bleibt ein alter Bekannter: Reiner Haseloff. Kein Wunder, nach diesem Erfolg.

Hände in den Farben von CDU, SPD, FDP und Grüne 60 min
Bildrechte: MDR/pixabay, Max Schörm

Juli 2021: Stechende Quälgeister

Es summt in Halle. Wobei: Summen ist gar kein Ausdruck. Denn in einigen Stadtteilen an der Saale sind im Hochsommer so viele Mücken unterwegs, dass nur ein Begriff es trifft: Plage. Es gibt sogar Tage, an denen in Halle das Mückenspray in mehreren Läden ausverkauft ist, so sehr nerven die kleinen, fiepsenden Quälgeister die Menschen. Woher die Mücken kommen? Ein Insektenforscher sagt im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT: Das Problem ist hausgemacht. Denn um die Plage zu verstärken, reichen nach seinen Worten kleinste Mengen von stehendem Wasser.

Was also tun? Nun ja: Ein Moskitonetz fürs Bett könnte helfen. Oder ein Ventilator. Einmal neben das Bett gestellt, wird das zur mückenfreien Zone. Denn eines hassen die Blutsauger ganz besonders: Wind.

Wie der Jahresrückblick zustande gekommen ist

Dieser Jahresrückblick enthält zum einen Geschichten, die Sie, liebe Userinnen und User, in diesem Jahr besonders stark nachgefragt haben. Angereichert wurde der Rückblick mit Geschichten, die die Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT besonders beschäftigt haben.

August 2021: Das Afghanistan-Debakel

Es ist Spätsommer und viele Menschen diskutieren über das Versagen des deutschen Staates beim Abzug aus Afghanistan. Einer, der sich auskennt in dem Land, ist Gerald Stöter. Polizist Stöter, lange im Dienst des Landes Sachsen-Anhalt, war in Afghanistan zeitweise für den Aufbau der Polizei zuständig. Im August erzählt er MDR SACHSEN-ANHALT von seinen Erinnerungen an diese Zeit – und übt Kritik an der Militärmission westlicher Staaten.

September 2021: Fehlgriff

Es wird Herbst in Sachsen-Anhalt, als die Beschäftigten einer Grundschule in Burg auf eine seltsame Idee kommen. Das neue Schuljahr steht bevor, die ersten Klassen müssen eingeteilt werden. Routine. Und doch macht die Schule einen Fehler – indem sie eine Klasse ausschließlich aus Kindern mit Migrationshintergrund bildet, entschieden anhand von Äußerlichkeiten und Namen. Unterrichtet werden soll die Klasse von einem Lehrer, der Arabisch spricht. Problem daran: Nicht alle Kinder sprechen Arabisch, viele aber gut Deutsch. Ein Vater macht den Fall öffentlich, spricht von "Isolation" statt von Integration und Bildung. Also: Was war da los? Die Schule räumt ihren Fehler rasch ein, nimmt die Klassenbildung zurück. Man sei sich der Sensibilität des Themas nicht bewusst gewesen, heißt es.

Und das Landesschulamt? Sagt, dass man davon ausgegangen sei, dass die Klassenbildung mit den Eltern abgestimmt gewesen war (was nicht stimmt). Am Ende hilft nur die Entschuldigung, die die Behörde stellvertretend für die Grundschule in Burg ausspricht. Das einmal zerschlagene Porzellan aber bleibt wohl erst einmal zerschlagen.

Oktober 2021: Verstrickungen

Schnellroda. Ein kleiner Ort im Saalekreis. Wer ihn googelt, erfährt, dass 145 Frauen und Männer dort wohnen. Ländliche Idylle, könnte man meinen. Makel: Das selbst ernannte "Institut für Staatspolitik" hat seit 2003 seinen Sitz ebenfalls dort. Inzwischen hat Sachsen-Anhalts Verfassungsschutz den Verein als "gesichert rechtsextremistisch" eingestuft. Woran er das festmacht, ist in einer MDR-Recherche im Oktober zu lesen.

Auch einige Mitglieder des formal aufgelösten "Flügels" der AfD pflegen der Recherche zufolge enge Kontakte nach Schnellroda: Björn Höcke ist unter ihnen, oder der sachsen-anhaltische AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider.

November 2021: Verunsicherung

Im Oktober berichtet MDR SACHSEN-ANHALT über eine spirituelle Gruppe, die sich im Harz angesiedelt hat. "SSRF" ist ihr Name und die Ansiedlung verunsichert einige Menschen vor Ort. Entwickelt sich der Harz-Ort Allrode jetzt zum Anlaufpunkt für Spirituelle aus aller Welt? Man wird das beobachten müssen. Wie aber steht es um andere womöglich gefährliche Glaubensgemeinschaften in Mitteldeutschland? MDR SACHSEN-ANHALT hakt beim Verfassungsschutz nach – und wird fündig. Der Überblick über die Glaubensgemeinschaften sorgt für großes Interesse.

Und dann ist da im November ja wieder Corona: Immer wieder Corona. Die Infektionszahlen steigen rasant. Doch das wird uns auch im Dezember beschäftigen...

Collage aus Bildern aus Intensivstationen, der Zahl 2021 und dem Was-bleibt-Logo 39 min
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Wie war das Jahr aus der Sicht eines Pflegers, der in der dritten und vierten Corona-Welle mit hohen Belastungen zu tun hatte und hat? Der Jahresrückblick versucht, durch die Brille eines Pflegers auf 2021 zu blicken.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Do 30.12.2021 14:50Uhr 39:03 min

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Dezember 2021: Impfen

Es tut sich etwas in diesem letzten Monat des Jahres. Mancher redet davon, dass die Pandemie die Gesellschaft gespalten habe. Auch in Sachsen-Anhalt gehen Menschen im Dezember auf die Straße, um ihren Protest gegen die Corona-Maßnahmen auszudrücken. Der überwiegende Teil aber hält sich an Regeln – und lässt sich impfen. Als MDR SACHSEN-ANHALT zu Beginn des Monats Menschen fragt, die zunächst skeptisch waren, sich nun aber haben impfen lassen, ist der Zulauf groß: Zahlreiche Menschen teilen ihre Geschichte(n) mit der Redaktion. Der größte Teil von ihnen hat sich überzeugen lassen vom Sinn und der Notwendigkeit einer Impfung. Es gibt aber auch diejenigen, die sagen: Impfung? Ja. Aber nur, damit ich trotz 2G noch in Geschäfte gehen kann.

Die Protokolle sind einer der erfolgreichsten Beiträge des Monats von MDR SACHSEN-ANHALT.

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Jahresrückblick 2021
Vom "Sturm auf das Kapitol" bis zum Ende der Ära Merkel – in unserem Jahresrückblick finden Sie alle wichtigen Ereignisse des Jahres 2021. Bildrechte: imago images/ZUMA Press, dpa

MDR (Luca Deutschländer)

1 Kommentar

O.B. vor 2 Wochen

Die Sommerpause war erholsam und notwendig alles davor und danach bestimmte Corona. Also es war nicht so der Hit und 2022 fängt an wie 21 aufhörte. Licht am Ende... kann ich noch nicht sehen. Naja die Hoffnung stirbt zuletzt deshalb hoffen wir das beste 🤞

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