Der Blick zurück – das Jahr 2020 Diese Geschichten haben Sie 2020 besonders interessiert

Luca Deutschländer
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MDR SACHSEN-ANHALT schaut auf ein außergewöhnliches Jahr zurück. Im ersten Teil des Jahresrückblicks zeigt die Redaktion die Geschichten, die die Userinnen und User von MDR SACHSEN-ANHALT 2020 besonders interessiert haben. Von fehlenden Lkw-Fahrern, einem Leben in Nachhaltigkeit und, na klar, Corona und seinen Folgen.

Grafik aus der Zahl 2020 und fünf Bildern
Ein bewegtes Jahr: MDR SACHSEN-ANHALT schaut auf die Geschichten zurück, die die Userinnen und User 2020 am meisten interessiert haben. Bildrechte: MDR/dpa/TNN/Luca Deutschländer/Alisa Sonntag/Julia Heundorf | Collage: Fabian Frenzel

Wer dem Jahr 2020 eine Überschrift geben müsste, käme um ein Wort ganz sicher nicht herum: Corona. Virus hier, Pandemie dort, Folgen überall – und spürbar für jede und jeden Einzelnen. Das Coronavirus und seine Verbreitung aus Asien nach Europa, Deutschland und nach Sachsen-Anhalt hat dieses Jahr bestimmt, wie ein Thema ein Jahr lange nicht mehr bestimmt hat.

Doch der Blick auf die monatliche Statistik von MDR SACHSEN-ANHALT zeigt: Die Menschen haben sich auch für andere Geschichten interessiert – zum Glück, möchte man sagen. Denn auch dieses Jahr hatte viele schöne Geschichten parat – und leider genau so viele schlimme Entwicklungen, auch abseits von Corona.

Im ersten Teil des MDR SACHSEN-ANHALT-Jahresrückblicks sollen diese Geschichten noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Monat für Monat, Geschichte für Geschichte. Viel Spaß beim Lesen!

Januar 2020: Lkw-Fahrer? Dringend gesucht!

Das Jahr beginnt mit einem Problem. Und dieses Problem hat nichts mit dem Coronavirus zu tun – denn das spielt im Januar noch eine sehr untergeordnete Rolle in Sachsen-Anhalt. Es gibt zwar ein paar Verdachtsfälle (die sich später als negativ herausstellen), das Leben aber geht seinen ganz normalen Gang. Mit all den Problemen, die es nun einmal gibt. Eines davon: Es gibt zu wenige Lkw-Fahrer in Sachsen-Anhalt. Die Speditionen wissen davon zu berichten, dass in Deutschland jährlich rund 30.000 Laster-Fahrer in den Ruhestand gehen – aber nur die Hälfte nachkommt.

Kein Wunder, sagt mancher mit Blick auf die Arbeitsbedingungen und die mitunter stundenlange Suche nach Parkplätzen. Spediteure, mit denen MDR SACHSEN-ANHALT spricht, sind sich einig: Ohne eine größere Wertschätzung für die Lkw-Fahrer wird das Nachwuchs-Problem kaum zu lösen sein.

Februar 2020: "Sabine" wütet – und wirbelt alles durcheinander

Es ist Anfang Februar und "Sabine" gibt alles. Und das ist in diesem Fall kein Lob oder gar eine gute Nachricht. Im Gegenteil: "Sabine" ist ein Sturmtief – und zieht über ganz Deutschland hinweg. Und wie das häufig ist bei einem Sturmtief: Alles wird durcheinander gewirbelt. An reguläre Abfahrtszeiten an den Bahnhöfen des Landes ist nicht ansatzweise zu denken, Straßen sind wegen umgestürzter Bäume gesperrt, Keller laufen voll, Dächer werden abgedeckt.

Allein im Landkreis Harz sind Feuerwehrleute zu nächtlicher Stunde 140 Mal im Einsatz, auch anderswo ist an Nachtruhe nicht zu denken. Irgendwann am Vormittag ist das Gröbste geschafft, sind die Unwetterwarnungen des Wetterdienstes aufgehoben. Die Lage entspannt sich. Doch die Schäden, sie bleiben.

März 2020: Corona – es geht Schlag auf Schlag

Es ist die Zeit Mitte März und von nun an geht es Schlag auf Schlag. Das Coronavirus bestimmt in Sachsen-Anhalt den Alltag eines jeden Einzelnen: 

  • 13. März 2020: Die Landesregierung kündigt an, ab dem folgenden  Montag alle Kitas und Schulen in Sachsen-Anhalt zu schließen.
  • 15. März 2020: Der Präsident des Halleschen FC, Jens Rauschenbach, wird positiv auf das Virus getestet. In Sachsen-Anhalt werden mehrere Fieberambulanzen neu eröffnet. Überall sind die Menschen aufgerufen, Abstand zu halten, Hände zu waschen, Ruhe zu bewahren. Der tägliche Corona-Newsblog von MDR SACHSEN-ANHALT wird an diesem Sonntag zum meistgeklickten Text des ganzen Monats.
  • 20. März 2020: Im täglichen Corona-Daten-Update berichtet MDR SACHSEN-ANHALT-Redakteur Manuel Mohr von 217 Menschen, die sich in Sachsen-Anhalt mit dem Coronavirus infiziert haben.

April 2020: Die Maskenparade beginnt

Es ist Ende April und hinter den Menschen in Sachsen-Anhalt liegen lange Wochen des Shutdowns. Viele Geschäfte waren dicht, die Freizeit der meisten Menschen bestand aus Spaziergängen. Dazwischen: Kinderbetreuung und Homeschooling, außerdem Homeoffice oder Kurzarbeit. Dass nun Zoos wieder öffnen und gelockert wird, empfinden viele als Befreiung.

Doch die Lockerungen sind an eine Bedingung geknüpft: Ab sofort muss in Sachsen-Anhalt Maske getragen werden – beim Einkauf oder bei der Fahrt in Bus und Bahn. So soll, sagt die Landesregierung, verhindert werden, dass sich das Virus trotz aller Lockerungen weiter ausbreitet. Aus damaliger Sicht eine echte Neuerung. Aus heutiger Sicht lange her. Die Maske, sie ist längst Alltag geworden. In Sachsen-Anhalt, in Deutschland. Auf der ganzen Welt.

Mai 2020: Wohin man trotz Corona reisen darf – und wohin nicht

Die Zeit des Shutdowns ist erst einmal vorbei, Deutschland macht sich locker im Mai 2020. Und doch sind im fünften Monat dieses Jahres längst nicht alle Einschränkungen aufgehoben – vor allem nicht bei Reisen innerhalb Deutschlands. Pfingsten an die Ostsee fahren – geht das? Den Muttertag in der alten Heimat verbringen – erlaubt? Fragen über Fragen – zumal in jedem Bundesland unterschiedliche Regeln gelten. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten.

Doch für solche Fälle gibt es #MDRklärt: In einer großen Übersicht zeigt die Redaktion, was wo erlaubt ist – und was nicht. Die Userinnen und User von MDR SACHSEN-ANHALT wissen das zu schätzen. Die Übersicht ist der mit Abstand bestgeklickte Artikel im Mai 2020.

Übrigens: Der Besuch zu Muttertag hat nirgends wegen der Regeln zur Eindämmung des Virus flach fallen müssen. Reisen aus familiären Gründen sind zu diesem Zeitpunkt wieder erlaubt – solange die Abstandsregeln eingehalten werden.

Juni 2020: Schule und Hort müssen wieder schließen

Der Sommer ist da – und das Thema Corona (leider) noch nicht weg. Anfang Juni platzt die Meldung herein, dass eine Grundschule und ein Hort im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt für zwei Wochen dicht gemacht werden. Zuvor waren eine Mutter und ihr Kind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Kontaktpersonen werden in Quarantäne geschickt. Es ist der nächste Rückschlag, nachdem nach Wochen der Schließung an vielen Schulen wieder wenigstens ein wenig Normalität eingekehrt war.

Juli 2020: Wie es sich anfühlt, Corona zu haben

Julia Rüstenberg ist 26 Jahre alt und lebt in Halle. Die Hotelfachfrau, aufgewachsen im Landkreis Harz, ist eine junge Frau – körperlich gesund und fit. Als die Pandemie Deutschland schon einige Wochen im Griff hat, bekommt Julia Rüstenberg starke Kopfschmerzen – macht einen Corona-Abstrich. Sorgen macht sie sich nicht.

Ich dachte: Ach, mich trifft das sowieso nicht. Ich bin, ich bin doch ein fitter junger Mensch.

Julia Rüstenberg war mit dem Coronavirus infiziert

Am Tag darauf bekommt Julia Rüstenberg einen Anruf von ihrem Arzt. Ihr Corona-Test ist positiv. Die Wohnung dürfen Julia und Rüstenberg und ihr Verlobter von nun an nicht mehr verlassen. Alle ihre Kontaktpersonen müssen in Quarantäne. Zwei Wochen lang wird Julia Rüstenberg zu Hause sein – sie wird fast nur im Bett liegen, sich schlapp fühlen, keine Kraft haben. Später kommt noch Husten dazu, erzählt sie MDR SACHSEN-ANHALT bei einem Interview im Juli. Wo sie sich angesteckt, das weiß Julia Rüstenberg bis heute nicht.

August 2020: Bilder der Verwüstung aus Oschersleben

Bilder wie diese aus Oschersleben bekommen wir in Sachsen-Anhalt (zum Glück) nicht allzu häufig zu sehen. Es ist der 18. August – ein Dienstag – als ein Unwetter im Stadtteil Beckendorf schwere Schäden anrichtet. Straßen werden überflutet, Pflastersteine herausgespült, Autos in Gräben gespült. Die Schäden sind groß – viele Straßen im Ort sind voller Schlamm. Eine Frau, deren Auto im Graben landet, erzählt, der Wagen sei gerade erst abbezahlt gewesen.

September 2020: Ein Leben in Nachhaltigkeit

Christfried Lenz hat in seinem Leben viel erlebt. Der 77-Jährige hat das Mittelmeer besegelt, hat sich an der kommunistischen Revolution beteiligt und mit verschiedenen Philosophen beschäftigt. Seit vielen Jahren kämpft er mit einer Bürgerinitiative gegen die Giftmüll-Deponie in Brüchau in der Altmark – vielen Menschen in Sachsen-Anhalt dürfte sein Gesicht vor allem deshalb bekannt sein. Christfried Lenz lebt in Rittleben, einem kleinen Dorf in der Altmark. Und: Er ist Selbstversorger.

Als MDR SACHSEN-ANHALT ihn im September in seinem alten Fachwerkhaus besucht, läuft gerade die lange Woche der Nachhaltigkeit. Passend, hat Lenz doch aus dem einst baufälligen ein bewohnbares Haus gemacht. Der Rentner versorgt sich selbst mit Strom, Wärme – und gelegentlich auch mit Essen.

Ein alter Mann mit weißem Haarkranz kauert vor Stufen
Bildrechte: MDR/Alisa Sonntag

Wir denken immer, alles muss genau so sein, wie wir es uns gerade denken. Ich finde es schön, wenn nicht alles ganz genau geplant ist, ich brauche ein bisschen Abenteuer. Ich bin ein Teil der Natur und genauso flexibel wie das Wetter.

Christfried Lenz Selbstversorger

Was kaputt geht, repariert Christfried Lenz. Sein Lebensstil ist nachhaltig – und er bedeutet Arbeit. Trotz seines Alters empfindet der 77-Jährige diese zumeist körperliche Arbeit befriedigend. Als Konsument Dinge zu kaufen, sei dagegen nicht befriedigend, sagt er. "Wirkliche Befriedigung kommt von eigener Kreativität."

Oktober 2020: Dramatische Meldung aus Magdeburg: Kind bei Kita-Ausflug ertrunken

Es gibt Meldungen, die sind für niemanden leicht zu ertragen – auch nicht für Journalistinnen und Journalisten, die viel mit dem Unheil auf dieser Welt konfrontiert sind. Diese Meldung ist so eine Meldung: Am 2. Oktober – einem Freitag – stirbt ein zwei Jahre alter Junge bei einem Kita-Ausflug am Neustädter See in Magdeburg. Adam, so heißt der Junge, war während des Ausflugs verschwunden. Wenige Stunden später finden Rettungskräfte den Jungen ertrunken im Wasser. Der Schock ist groß, viele im Viertel rund um den Neustädter See trauern. An der Kita von Adam werden Blumen niedergelegt, recht schnell flammt eine Debatte um den Betreuungsschlüssel an Kitas auf. Hätte dieser dramatische Unfall verhindert werden können, wenn es mehr Erzieherinnen gegeben hätte?

Es ist müßig, darüber zu diskutieren. Fest steht dagegen eines: Für die Familie von Adam ist seit diesem 2. Oktober nichts mehr, wie es vorher war.

November 2020: Diskussionen über Beurlaubung von Kita-Erzieherin aus Halle

Eines der großen Themen im Spätherbst 2020: die "Querdenker-Demos" überall im Land, darunter am 7. November auch in Leipzig. Die Demo dort wird weit über die Grenzen Mitteldeutschlands besprochen – auch wegen massiver Kritik am Verhalten der Polizei. Doch das soll hier gar nicht Thema sein: Denn die Userinnen und User von MDR SACHSEN-ANHALT hat im November besonders das Verhalten einer halleschen Kita-Erzieherin auf der Demo interessiert. Die soll ihrem Arbeitgeber zufolge bei besagter Demo auf einen Fotografen eingeschlagen haben (ein weiteres Video zeigt, dass jener Fotograf zuvor den Lebenspartner der Erzieherin körperlich attackiert hatte).

Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT erklärt eine Anwältin für Arbeitsrecht schließlich, warum die Erzieherin beurlaubt und nicht entlassen wurde – juristische Feinheiten inklusive.

Verpackte Fahrräder 58 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Fr 13.11.2020 14:42Uhr 57:42 min

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Dezember 2020: Haseloff schasst seinen Innenminister

Es war der Auftakt für turbulente politische Tage: Der Dezember ist erst wenige Tage alt, als Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff seinen Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) vor die Tür setzt. Es ist ein Schritt, der für viele überraschend kommt – nach allem, was man heute weiß, auch für den Ex-Innenminister selbst. Der hatte der "Volksstimme" ein Interview gegeben, in dem er den Ton im Koalitionskrach um die Erhöhung des Rundfunkbeitrags spürbar verschärft hatte. Wenige Stunden später ist Stahlknecht seinen Job los – auch, weil er für den Fall eines Scheiterns der Koaliton von CDU, SPD und Grünen eine CDU-geführte Minderheitsregierung ins Gespräch gebracht hatte. Die aber will Reiner Haseloff ganz und gar nicht, weil er dann auch auf Stimmen der AfD angewiesen sein könnte.

Die Krise in der Koalition ist mit der Entlassung des Innenministers jedenfalls perfekt. Wenige Stunden später kündigt Stahlknecht außerdem an, sein Amt als CDU-Landesvorsitzender ruhen zu lassen. Heute wissen wir: Danach sollen noch weitere politisch turbulente Tage folgen, ehe die Regierung vorerst gerettet ist. Klar ist aber auch: Der Frieden ist auf Zeit geschmiedet. Im kommenden Jahr dürfte es wieder um eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags gehen. Ausgang für die Koalition: offen.

Luca Deutschländer
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Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

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Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

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