Jahresrückblick Das hat das MDR-Team in diesem Jahr bewegt

Wenn ein Jahr zu Ende geht, schauen die meisten von uns noch einmal zurück: Was war wichtig in diesem Jahr? Was habe ich erreicht – und was nicht? Die Redakteurinnen und Redakteure von MDR SACHSEN-ANHALT lassen Sie, liebe Userinnen und User, auch in diesem Jahr daran teilhaben. Hier kommt der ganz persönliche Jahresrückblick unseres Teams.

Collage aus Porträtfotos und der Zahl 2021
An dieser Stelle blickt das MDR-Team auf sein persönliches Jahr 2021 zurück. Bildrechte: MDR/Antonia Kaloff, Sabine Moser, Jörn Rettig, Luca Deutschländer, Magnus Wiedenmann | Collage: Fabian Frenzel

Anne Gehn-Zeller: Orientierung im Nachrichtendschungel

Wieder ist ein Jahr vergangen und wieder ist es eines unter Corona-Bedingungen. Jetzt im Winter erreichen die Einschränkungen erneut ihren Höhepunkt – im privaten Leben wie im beruflichen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten! Doch trotz des ganzen Wahnsinns hatten wir in der Mitte des Jahres so etwas wie Normalität. Nach Monaten des Homeoffice, war es einer begrenzten Anzahl von uns möglich, wieder täglich ins Funkhaus nach Magdeburg zu kommen und als Team zusammenzuarbeiten. Das war toll und enorm wichtig. Denn wie sehr wir von einem persönlichen Austausch profitieren, bemerken wir oft erst, wenn wir ihn nicht haben.

Außerdem stand im Juni für alle das wichtigste Ereignis des Jahres an: die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Planungen dafür hatten schon weit im Voraus begonnen. Unser Ziel als MDR: Sie als Nutzer schnell und innovativ zu informieren. Mit Ergebnissen, Analysen und Reaktionen aus dem Land. Dafür war am Wahltag ein Team von mehr als 50 Reportern, Redakteuren, Grafikern und Experten im Einsatz.

Frau lächelt in die Kamera
Anne Gehn-Zeller Bildrechte: Anne Gehn-Zeller

Eine von ihnen bin ich. Als Expertin für Suchmaschinenoptimierung sorge ich bei MDR SACHSEN-ANHALT dafür, dass Sie unsere Artikel im Nachrichtendschungel auch finden. Sollten Sie also nicht direkt über die App oder Seite zu uns stoßen, sondern über Google, muss ich unsere Artikel so gestalten, dass sie Ihnen auch ins Auge stechen.

Das heißt natürlich nicht, dass wir für die Suchmaschine schreiben. Wir schreiben für Sie als unsere Nutzer. Aber die Suchmaschine ist dabei unser größter Helfer, weil sie weiß, wonach Sie suchen und was bei Ihnen gut ankommt. Das zu analysieren, ist mein Job. Und das gilt für alle Themen, über die wir berichten. Zu sehen, dass wir Sie damit erreichen, freut und erleichtert mich sehr. Vermutlich werden Corona-Themen die nächsten Monate wieder dominieren. Wenn Sie sich von uns gut informiert fühlen, habe ich meine Arbeit gemacht!

Gero Hirschelmann: Die Seiten gewechselt

Sie kennen die beiden großen M&M's (ja, so ist die offizielle Schreibweise) der mitteldeutschen Medienlandschaft? Natürlich! Mitteldeutsche Zeitung und Mitteldeutscher Rundfunk – privat und öffentlich-rechtlich organisiert – sind die schmack- und nahrhaften Schokolinsen des regionalen Journalismus. Warum ich nach punktgenau 22 Jahren die Seiten gewechselt habe, geht Sie nichts an. Nur so viel: Ich bin vor der MZ nicht geflohen, die ich lange Zeit geliebt habe und immer noch sehr schätze. Ebenso wenig trieb es mich aus finanziellen oder karrieristischen Gründen in die Arme des MDR. Alles andere geht nur meinen Hausarzt an.

Gero Hirschelmann
Gero Hirschelmann Bildrechte: Gero Hirschelmann

Wie auch immer: Ich habe die Seiten gewechselt. Den Kollegen und meiner Arbeit bei der MZ trauere ich jeden Tag nach. Den Kollegen (und meiner Arbeit beim MDR) habe ich hingegen unendlich viel zu verdanken. Naja, unendlich... Sagen wir so: Die MDR-Kollegen sind auch nicht schlecht. :-)

Sie haben mich beispielweise in einer schwierigen Situation aufgefangen. Sie haben mich ernstgenommen, obwohl ich von der Konkurrenz kam. Sie waren nicht nur freundlich, sondern halfen (helfen) mir jeden Tag. Sie sind fair, lustig, kompetent. Ich freue mich jeden Tag, mit ihnen arbeiten zu dürfen. Kurz: Sie sind dufte, knorke, fetzig.

Und: Sie sind mir immer noch behilflich, die komplexen MDR-Insides zu verstehen, die Johann Gottlieb Fichte vor knapp 200 Jahren so formuliert hat.

Fichte-Zitat
Bildrechte: Gero Hirschelmann

Leonard Schubert: Vertrauen, Offenheit und ganz viele Schätze

Was mich dieses Jahr besonders bewegt hat, waren Sie, liebe Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter. Für einen Reiseblog durfte ich diesen Sommer zusammen mit vier Kolleginnen und Kollegen quer durch Sachsen-Anhalt reisen, um Sie zu fragen, was Sie kurz vor der Landtagswahl in Ihrem Leben bewegt. Das Vertrauen, das Sie mir dabei entgegen gebracht haben, Ihre Offenheit, und vor allem die vielen kleinen und großen Schätze, die es überall zu entdecken gab, haben mich sehr beeindruckt und mir wieder mal vor Augen geführt, wie schön und vielfältig unser Bundesland ist und wie facettenreich wir gemeinsam hier leben.

Ob im selbst eröffneten Rundfunkmuseum in Werben, im aufziehenden Gewitter zwischen Naturfreunden auf dem Brocken, in der Eisdiele in der Altstadt von Osterburg oder in den Straßen von Magdeburg: Überall bin ich auf hochinteressante Projekte und engagierte Menschen getroffen, die sich für ihre Region einsetzen. Dabei habe ich einiges gelernt und viele neue Perspektiven, Sorgen und Freuden kennengelernt: Wie Sie die Pandemie bislang gemeistert haben, wieso Sie um Ihre Dorfschule kämpfen, wieso eine Brücke nicht renoviert wird, wieso Sie Ihren Dorfclub lieben oder wie Sie Ihren Partner kennengelernt haben. Überall wimmelte es von spannenden Eindrücken und interessanten Geschichten. Oft drängte die Zeit, während wir eigentlich gerne noch länger geblieben wären und überall blühte der Mohn.

Während dieser Reise wurde mir klar: Egal, wie die Wahl ausgeht, ich möchte Sie bald wieder besuchen und Ihre Orte, Projekte und Geschichten entdecken. Vielleicht begegnen wir uns ja im nächsten Jahr. Ich freue mich darauf.

Ein Mann und eine Frau machen ein Selfie vor dem Ortsschild von Osterburg.
Leonard Schubert und Kollegin Johanna Daher auf ihrer Reiseblogtour bei ihrem Abschied aus Osterburg. Bildrechte: MDR/Johanna Daher

Susann Lehmann: Alles neu – und doch vertraut

Mitten in der Pandemie den Job wechseln? Gar keine so leichte Entscheidung. Aber manchmal hat man einfach so ein Gefühl im Bauch, dass es jetzt genau richtig ist. Seit Juli bin ich nun bei MDR SACHSEN-ANHALT und wie immer, wenn etwas neu beginnt, war da diese Mischung aus Vorfreude und Aufregung. Wie wird das Team wohl so sein und wie wird es mich aufnehmen? Werde ich mich im Homeoffice überhaupt gut integrieren können? Ich erinnere mich noch an das erste, eher schüchterne, Einschalten meiner Kamera während unserer digitalen Redaktionssitzung. Puh, ganz schön viele fremde Menschen.

Fünf Monate später bin ich traurig, wenn nicht alle ihre Kamera anschalten und ich dadurch meine klugen, witzigen, aufgeschlossenen und wunderbaren Kolleginnen und Kollegen nicht sehen kann. Innerhalb weniger Wochen hat mich das gesamte Team so herzlich aufgenommen, digital und live, dass ich nicht lange das Gefühl hatte, "neu" zu sein. Bis heute beeindruckt es mich, wie sich alle gegenseitig motivieren, Wissen miteinander teilen, unterstützen und auch in Homeoffice-Zeiten füreinander da sind. Es macht unglaublich Spaß, mit so vielen tollen Menschen zusammenzuarbeiten.

"Viel" waren auch die Dinge, die ich lernen und übernehmen durfte. Mit meinem Fokus auf Social Media lernte ich auch die Community von MDR SACHSEN-ANHALT sehr schnell kennen und schätzen. Mein erster persönlicher Meilenstein: Als wir Anfang Juli das MDR-Klima-Update starteten, haben wir es bei Instagram mit einem Reel angekündigt. Dafür stand ich ausnahmsweise Mal vor der Kamera. Ich war trotz neun Jahren Online-Redaktion-Erfahrung beim Veröffentlichen eines Beitrags vermutlich noch nie so aufgeregt wie in diesem Moment.

Lächelnde blonde, junge Frau vor einer Backsteinwand
Susann Lehmann Bildrechte: Sabine Moser

Wenn ich auf das Jahr zurückblicke, werde ich – trotz all der Einschränkungen, die Corona auch 2021 mit sich gebracht hat – sehr dankbar. Dankbar für neue Möglichkeiten, für tolle Menschen und aufregende Aufgaben.

Michael Rosebrock: Für Sie im Land unterwegs

"Für Sie im Land unterwegs" – das ist für mich nicht irgendein Spruch, sondern monatliche Realität. Egal ob Nachrichten, Themen oder Geschichten aus Sachsen-Anhalt – sie alle leben auch von den Bildern. Doch nicht immer sind entsprechende Fotos in den üblichen Archiven vorhanden oder wegen der Entfernung schnell zu besorgen.

Porträtfoto von Michael Rosebrock
Michael Rosebrock Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Deshalb bin ich jeden Monat für MDR SACHSEN-ANHALT unterwegs, um Städte und Orte zu fotografieren, die zeigen, wie das Leben im Land auch abseits der Metropolen Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau aussieht: am Bahnhof, in der Fußgängerzone und vor dem Rathaus – aber auch in den Industriegebieten. Die bereits angesprochenen Nachrichten, Themen oder Geschichten auf unserer Onlineseite erhalten so ein "schnelles" Gesicht. Auf meinen Touren treffe ich immer wieder offene und freundliche Menschen, die hilfsbereit und für einen "Schnack" zu haben sind. Ich erinnere mich da beispielsweise an ein älteres Ehepaar aus Dessau, das seit mehr als 30 Jahren in den berühmten Y-Häusern lebt. Beide halfen mir mit Engelsgeduld, den richtigen Blickwinkel für ein Vorher-/Nachher-Foto der Häuser zu finden. Hat geklappt, danke dafür. 

Zu den Fotos, die ich jeden Monat mache, gehören auch Aufnahmen von Ortsschildern. Oft werden diese total unterschätzt, dabei sind sie für eine Dokumentation der Örtlichkeit unerlässlich. Unsere Ortsschild-Collage 2021 zeigt, wo ich in diesem Jahr unterwegs war: von Arendsee bis Zerbst, von Burg bis Weißenfels – fast 30 Städte und Orte fanden ihren Fotoweg ins Archiv. Viele fehlen aber noch. Und deshalb werde ich auch im kommenden Jahr wieder "Für Sie im Land unterwegs" sein. Man sieht sich!  

Eine Collage zeigt zahlreiche Fotos von gelben Ortsschildern.
In diesen Orten (und noch einigen mehr) war Michael Rosebrock mit der Kamera unterwegs. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock | Collage: Max Schörm

Maria Hendrischke: Dankbar für die Teamarbeit

2021 ist für mich das Jahr der Teamarbeit. Ich bin im Mai beim MDR festangestellt worden und arbeite nun vor allem als Chefin vom Dienst (CvD). Dabei bin ich für das Tagesgeschäft verantwortlich. Ich fühle mich in dieser nicht immer stressfreien Aufgabe von allen so unglaublich unterstützt – und dafür möchte ich mich bedanken! Ein besonders großes Danke geht an Martin Paul, der sich die CvD-Stelle 50/50 mit mir teilt. Dadurch hat er es mir ermöglicht, sowohl als CvD für den MDR, als auch weiterhin für die Uni Leipzig und an meiner Promotion zu arbeiten. Ich bin beeindruckt, dass der MDR diese aus meiner Sicht sehr zeitgemäße und innovative Stellen-Teilung ausprobiert.

Maria Hendrischke
Maria Hendrischke Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Im Frühling ist meine Redaktion mit den Online-Redaktionen von MDR AKTUELL, MDR SACHSEN und MDR THÜRINGEN zum Team Digitale Information (TDI) zusammengewachsen. Das bedeutete für mich neue, abwechslungsreiche Aufgaben: Ich konnte die neue Schicht "TDI-Tageschefin" übernehmen, die die Arbeit aller vier Online-Redaktionen koordiniert. Und ich arbeite in einem Projektteam daran, ein gemeinsames Qualitätsmanagement für TDI zu entwickeln. Doch vor allem bedeutete es, dass ich viele super nette, kompetente Kolleginnen und Kollegen dazugewonnen habe. Ich bin gespannt, wie sich TDI 2022 weiterentwickelt.

Kalina Bunk: Der Austausch bringt uns weiter

Kalina Bunk
Kalina Bunk Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

2021 war für mich persönlich ein sehr intensives, aber gleichzeitig auch sehr schönes Jahr. Drei Viertel des Jahres bin ich in Elternzeit gewesen – die war durch Corona natürlich ganz anders, als ich mir das früher einmal vorgestellt hatte. Für uns als junge Familie hat die Pandemie aber auch den Vorteil gebracht, dass wir durch Homeoffice-Regelungen viel mehr Zeit miteinander verbringen konnten und können. Dafür bin ich sehr dankbar.

Als ich im November in den Job zurückgekehrt bin, habe ich direkt gemerkt, dass alle Online-Redaktionen besser miteinander verzahnt sind. Das bringt natürlich auch viele neue Arbeitsabläufe mit sich, in die ich mich teilweise noch immer einarbeite. Dass wir nun aber ein Team Digitale Information sind, empfinde ich als große Bereicherung. Anfang Dezember haben wir beispielsweise einen gemeinsamen Schwerpunkt zur Situation in der Pflege auf die Beine gestellt – mit Geschichten aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. So etwas hätte es in dieser Form noch vor einem Jahr wahrscheinlich nicht gegeben. Und auch wenn wir alle noch dabei sind, die Abläufe weiter zu verbessern, profitieren alle Redaktionen viel stärker von den tollen Ideen anderer und vom Austausch. Ich freue mich auf das, was noch kommt!

Fabian Frenzel: Beeindruckt von der Offenheit

Mich haben 2021 die Menschen in Osterwieck und Oebisfelde mit ihrer Offenheit beeindruckt. In Osterwieck war ich vor der Landtagswahl, in Oebisfelde im Vorfeld der Bundestagswahl. Beide Male habe ich eine Woche lang mit den Menschen gesprochen und mich mit ihnen über Politik, Leben auf dem Land und ihre Zukunftsvisionen aber auch Ängste und Sorgen unterhalten.

Fabian Frenzel
Fabian Frenzel Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Ich hatte im Vorfeld damit gerechnet, dass es schwer sein würde, Menschen zu finden, die sich mir gegenüber öffnen. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Ich musste am Ende sogar aussortieren und konnte nicht alle porträtieren. Beispielhaft für diese Menschen steht Ina Theuerkauf. Mit ihrer Lebenslust und ihrem Ehrgeiz setzt sie sich für ihre Heimatstadt Osterwieck ein. Und sie hat etwas gemacht, das ich sehr mutig finde: Sie ist nach vielen Jahren in ihre Heimat zurückgekehrt und hat sich bewusst für ein Leben außerhalb der Großstädte und urbanen Zentren entschieden. Chapeau!

Julia Heundorf: Alles rund ums Klima

Im Juli haben wir ein neues Projekt gestartet – das MDR Klima-Update. Klimaschutz und die große Bedrohung, die der Klimawandel hat und haben wird, sind nicht neu. Sie waren bereits in den Neunzigern immer mal wieder Thema, in der Wissenschaft, in der Politik und bei Bürgerinnen und Bürgern. Vor allem junge Menschen, etwa bei Fridays for Future, haben in den letzten Jahren maßgeblich dafür gekämpft, dass das Thema angemessene Beachtung findet.

Julia Heundorf
Julia Heundorf Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Denn wir befinden uns in einer Krise. Sie baut sich langsam auf, langsamer als etwa die Corona-Krise. Aber sie ist da. Aber die News fehlen oft, die großen Neuigkeiten, über die wir in der Regel berichten – eben, weil das Thema nicht neu ist. Dennoch wollen wir ihm gemeinsam mit MDR WISSEN mehr Raum geben. Im Juli habe ich das erste MDR Klima-Update vorbereitet. Seitdem erscheint jeden Freitag eine neue Ausgabe und Sie können das Update als E-Mail direkt in Ihr Postfach abonnieren. Die allererste Ausgabe hatte die Flutkatastrophe zum Thema, die diesen Sommer viele Regionen in Deutschland betraf. Wie die mit dem Klimawandel zusammenhing, erfahren Sie hier.

Neu aufgelegt wurde in diesem Jahr übrigens auch die MDR-AKTUELL-App: Seit November gibt es die wichtigsten News aus Sachsen-Anhalt auch in einem Regional-Feed der Nachrichten-App. Damit zum Start alles gut läuft, habe ich vorher die neuen Regional-Inhalte der App für Sie getestet. Nun kümmert sich jede Woche eine Kollegin oder ein Kollege darum, Ihnen die wichtigsten Infos und die besten Videos aus Sachsen-Anhalt in der App anzubieten.  

Oliver Leiste: Vom Corona-Ausbruch bis zum Abiball

Auch 2021 hat uns natürlich vor allem die Corona-Pandemie sowie ihre Auswirkungen auf verschiedenste Gesellschaftsbereiche beschäftigt. Und wie schon 2020 habe ich dabei unter anderem das Christian-Wolff-Gymnasium in Halle begleitet. Im Podcast "Corona ist Neu(stadt)" habe ich mit den Schülern Anne Dudacy, Leon Niendorf, Til Gerloff und Hannes Wagner über ihren Schulalltag und die sich ständig ändernden Bedingungen gesprochen. Eine unserer erfolgreichsten Folgen war mit einer Schulpsychologin, die uns erklärte, was Schülerinnen in der Pandemie für ihre psychische Gesundheit machen können.

Ganz nebenbei wurden wir vom Schul- auch zum Politikpodcast, was sich in den Besuchen von zwei Landesministern und Gesprächen über die anstehende Landtagswahl äußerte. Es war spannend zu sehen, wie "meine Kids" auch in diesen Folgen wuchsen. Und wie sie später ihre Abiturprüfungen mit Bravour meisterten. "Vom Corona-Ausbruch bis zum Abiball" – das war das Motto des Podcasts. Und zum Glück gingen die Zahlen im Sommer gerade noch rechtzeitig zurück, um tatsächlich einen wunderschönen Abiball feiern zu können. Zu diesem haben mich die vier Jugendlichen dann auch eingeladen. Dieser schöne Abschluss unseres Projekts hat mich sehr bewegt.

Vier junge Menschen in schicker Kleidung stehen vor einer Wand
Oliver Leiste (Zweiter von links) mit seinen Podcast-Schülerinnen und Schülern Bildrechte: MDR/Oliver Leiste

Sarah-Maria Köpf: Mitten im Lockdown zum Team gestoßen

Seit Frühling dieses Jahres arbeite ich für MDR SACHSEN-ANHALT. Meine ersten Arbeitstage fanden noch während des Lockdowns statt. Die ersten Wochen kannte ich die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen nur per Videokonferenz, was wirklich eine Herausforderung war. Doch nach fast zwei Jahren Pandemie hat es sich fast schon normal angefühlt. Zum Glück haben die bereits eingespielten digitalen Workflows das Arbeiten von Zuhause sehr erleichtert und auch ins Team wurde ich sehr herzlich aufgenommen. Umso schöner war es dann, im Sommer das erste Mal wirklich im Funkhaus zu arbeiten und ein paar Gesichter in echt zu treffen.

Eine junge Frau lächelt in die Kamera
Sarah-Maria Köpf Bildrechte: Sarah-Maria Köpf

Dabei hat nicht nur die Pandemie bestimmt, wie mein Start in der Redaktion aussah, sondern auch die Themen, über die ich berichtet habe, stark geprägt. Ich möchte gar nicht sagen, dass es immer einfach war, denn auch wir sind am Ende nur Menschen. Trotzdem motivieren mich Ihre Fragen, Anregungen und Erfahrungen immer sehr. Wenn ich ein Corona-Update geschrieben habe, freue ich mich über jede Nachricht, die ich daraufhin erhalte – besonders, weil ich merke, wie viel Vertrauen Sie uns dabei entgegen bringen, wenn sie ihre persönlichen Gedanken mit uns teilen. Das wünsche ich mir auch im kommenden Jahr!

Lucas Riemer: Zurück in die Heimat

Wenn Fußballspieler zum Ende ihrer Karriere zu einem Verein in ihrer Heimat wechseln, dann sprechen sie oft davon, "nach Hause zu kommen". Obwohl man als Journalist mit Mitte 30 üblicherweise noch nicht auf das Karriereende zusteuert, habe auch ich als gebürtiger Wittenberger ein Stück weit das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein. Denn bevor ich in diesem Jahr bei MDR SACHSEN-ANHALT anfing, habe ich fast zehn Jahre in Bundesländern gelebt und gearbeitet, die man bis vor nicht allzu langer Zeit gemeinhin als "alt" bezeichnet hat. Was mir in dieser Zeit aufgefallen ist: Die Geschichten, die in überregionalen Medien stattfinden, spielen meist in Berlin oder Hamburg, in NRW oder Bayern, aber selten bis nie in Stendal oder Weißenfels. Umso mehr freue ich mich, dass ich nun selbst die Gelegenheit habe, über spannende, berührende oder skandalöse Geschichten aus unserem Land zu berichten.

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
Lucas Riemer Bildrechte: Magnus Wiedenmann

Besonders beeindruckt haben mich die zahlreichen engagierten Menschen, die ich während meiner Recherchen kennenlernen durfte: sei es eine Volkhochschuldirektorin, die plötzlich ein Impfzentrum leitete; eine junge Vietnamesin, die Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt im Harz eine Ausbildung macht; ein Mann, der sein komplettes Berufsleben im Kraftwerk Deuben verbracht hat; oder eine Krankenpflegerin, die während der Corona-Pandemie ans körperliche und psychische Limit gehen muss. Diesen Menschen zuzuhören und ihnen eine Stimme zu geben, ist mir ein besonderes Bedürfnis – natürlich ohne dabei den Blick auf das zu verlieren, was in Sachsen-Anhalt schief läuft und verbessert werden muss. Ich hoffe, nein, ich bin mir sicher, dass ich im nächsten Jahr noch viele weitere solcher Menschen treffen werde. Darauf freue ich mich – so wie ein Fußballspieler auf sein erstes Spiel in der Heimat.

Fabienne von der Eltz: Viele erste Male

Volontärin Fabienne von der Eltz
Fabienne von der Eltz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

2021 war mein erstes Jahr bei MDR SACHSEN-ANHALT. Ganz fremd ist mir der MDR nicht, als Volontärin hatte ich schon zwei Jahre Zeit, den Sender und verschiedene Redaktionen kennenzulernen. Dennoch haben mich in diesem Jahr viele neue Aufgaben erwartet: Mein erster Morgenticker, das erste Gespräch im Radio, der erste Corona-Newsletter und später auch das erste Klima-Update. Besonders aufgeregt war ich bei der ersten Push-Nachricht, die ich an einem Wochenende über die App an Tausende von Handys geschickt habe. Da wäre mir ein Tippfehler sehr peinlich gewesen.

Wie so vieles in diesem Jahr, war auch meine Einarbeitung durch die Corona-Pandemie geprägt: Die neuen Kolleginnen und Kollegen sowie Abläufe in der Redaktion und Programme habe ich zunächst nur in Video-Konferenzen oder per Mail kennengelernt. Dennoch hat mich das Team sehr freundlich aufgenommen und immer ein offenes Ohr für meine Fragen gehabt. Umso mehr habe ich mich gefreut, viele von ihnen am Tag der Landtagswahl dann auch offline im Funkhaus sehen zu können. Denn die virtuellen Treffen können persönliche Gespräche nicht ersetzen.

André Plaul: Corona-Regeln – Textinterpretation für Fortgeschrittene

Schon wieder muss ich nachschlagen: Sieben, es waren sieben verschiedene Corona-Landesverordnungen, die unser aller Leben in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt bestimmt haben. Damit nicht genug: Häufig haben gleich mehrere Änderungsverordnungen für die einzelnen Papiere das Corona-Regelwerk zum Detektivspiel werden lassen. Häufig sah ich mich in den Frühdiensten mit den frisch veröffentlichten Regelwerken aus der Staatskanzlei konfrontiert. Wie viele Menschen dürfen sich wann mit welchen Masken treffen? Welche Geschäfte dürfen unter welchen Bedingungen wie viele Kunden empfangen? Und was ist mit den Schulen? Diese Fragen wollten und mussten immer wieder neu beantwortet werden.

Ein Mann in blauem T-Shirt hält einen Stapel Papier im Arm
André Plaul Bildrechte: MDR/Antonia Kaloff

Der Spagat zwischen Juristen-Deutsch und realem Leben wurde noch größer, wenn einzelne Paragraphen noch auf Absätze unter anderen Verordnungen verwiesen haben. Doch, wenn ich es nicht kapiere – wer dann? Also ran! Dank aufmerksamer Nachfragen in den Kommentarspalten und Zusammenarbeit im Team konnten wir am Ende alle Verordnungen bezwingen und die Regeln auffächern. Hat noch jemand eine Frage? Moment, ich schlage schnell nach...

Johanna Daher: Kreative Kurzvideos und Ihre persönlichen Geschichten

Ich blicke total dankbar auf das Jahr 2021 zurück. Zum einen dafür, dass ich Ihre persönlichen Geschichten auf unserem Instagram-Kanal "Kleinstadthelden" erzählen durfte und Sie sich Zeit für mich genommen haben. So konnte ich zum Beispiel die Hilfsbereitschaft der Menschen in der Corona-Nachbarschaftshilfe Fürstenfeldbruck miterleben, lernen wie Wildfleisch bei Waldgourmet in Gardelegen produziert wird und habe Zugang zum "Kaputten Haus" in Landsberg bekommen, in das man nach dem Brand nur mit Erlaubnis rein darf.

Johanna Daher
Johanna Daher Bildrechte: MDR/Marieke Polnik

Zum anderen bin ich total begeistert davon, dass ich mich auch auf unseren Instagram-Kanälen von MDR SACHSEN-ANHALT und MDRklärt so kreativ mit dem Kurzvideoformat "Reels" ausprobieren durfte. Damit konnten wir insgesamt über 200.000 Aufrufe erzielen, worauf ich sehr stolz bin. Zum Beispiel können Sie mit Hilfe dieser Kurzvideos herausfinden, ob Sie in einem Hochwasser-Risikogebiet leben, wie Sie sich vor HIV schützen können und wie die Situation der Händlerinnen und Händler auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg aussieht. Hier freue ich mich schon sehr darauf, auch im kommenden Jahr noch mehr für Sie umsetzen zu können.

Manuel Mohr: Von der kryptischen Tabelle zur schicken Grafik

Im Bereich Datenanalyse und Datenvisualisierung war für mich im Jahr 2021 – neben dem Dauerthema Corona – die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die größte Herausforderung. In den Wochen vor dem Wahlsonntag mussten eine Reihe von automatisierten Prozessen entwickelt, gebaut und getestet werden, damit am Wahlabend selbst aus verschiedenen Quellen in Echtzeit die Hochrechnungen, Zwischen- und vorläufigen Endergebnisse auf unseren digitalen Kanälen ausgespielt werden können.

Manuel Mohr
Manuel Mohr Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Einmal mehr konnten wir dabei auf unseren langjährigen Kooperationspartner 23° – eine junge Firma aus Wien – bauen. Gemeinsam suchten und fanden wir Lösungen, damit kryptisch-anmutende Tabellen vom Umfrageinstitut Infratest dimap sowie von der Landeswahlleitung in einem vollautomatisierten Workflow in ansprechende und leicht verständliche Wahlgrafiken umgewandelt und veröffentlicht werden. Am Wahlabend selbst lief dann alles reibungslos, sodass wird über 300 verschiedene Visualisierungen zu den Wahlergebnissen auf Landes-, Kreis- und Gemeindeebene anbieten konnten.

Olga Patlan: Bilder, die sich eingebrannt haben

Diese Atmosphäre werde ich nie vergessen. Die Menschen haben hier alles verloren. Ihr Hab und Gut, persönliche Gegenstände, jegliche Erinnerungen sind einfach weggespült. Im August war ich im Ahrtal in Rheinland-Pfalz. Der Region, die am meisten von der Flut Mitte Juli betroffen war. Wie eine Badewanne füllte sich das schöne Weinanbaugebiet. Die Wassermassen zerstörten Häuser, Straßen, Existenzen und ja, auch Menschenleben.

Olga Patlan
Olga Patlan Bildrechte: Ansgar Schwarz

Als ich hier durchfahre, denke ich, man ist an einer Filmkulisse, so schwer ist es zu fassen, dass diese Zerstörung Realität ist. Und dann halten wir an, steigen aus, sprechen mit Menschen und alles wird real. Die Verzweiflung, die Trauer, die Wut. Manche wollen auch gar nicht mit uns sprechen. Zu viele Medienvertreter waren schon hier. Die anderen wünschen sich, dass mehr kommen. Sie haben Angst, vergessen zu werden.

Ich bin gekommen, um über die Hilfe der Menschen zu berichten. Ich begleite einen Sanitäter, der aus Sangerhausen angereist ist. Seine Überstunden und freien Tage hat er genommen, 500 Kilometer ist er gefahren, um sich einzubringen. Während er die Nächte in seinem Auto verbringt, verbringt er die Tage bei den Flutopfern, versorgt ihre Wunden und spendet Trost. Alleine schon da zu sein, das helfe bereits, sagt Steffen Erbe, der Sanitäter aus Sangerhausen.

Angeschlossen hat er sich einer Initiative. "Helfer Shuttle" hilft sowohl Helfenden als auch Hilfesuchenden. Sie shutteln Helfer dorthin, wo die Hilfe im Ahrtal am meisten gebraucht wird. Jeden Tag kommen Hunderte und sogar Tausende aus aller Welt – und das ist es, was hier Hoffnung gibt. Und mir auch, wenn ich sehe, dass Menschen zusammenhalten, wenn es drauf ankommt.

Daniel George: Bewegende Geschichten

Zweites Corona-Jahr. Irre. Nervt uns alle. Reicht langsam. Und trotzdem bin ich stolz. Darauf, dass wir beim MDR auch in 2021 wieder bewegende Geschichten der Pandemie erzählt haben.

Daniel George
Daniel George Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Was mich besonders bewegt hat: die Einzelschicksale hinter den Zahlen – und wie offen die Menschen in unzähligen Gesprächen gewesen sind. Als es um mentale Gesundheit während der Pandemie ging zum Beispiel oder um die Impfentscheidung oder den Kampf gegen Long Covid. Für das Vertrauen bin ich dankbar, gerade in dieser so schwierigen Zeit.

Und dann gab es da noch ein ganz persönliches Herzensprojekt: "BUILT TO WIN", unsere mehrteilige Dokumentation über einen Amateur-Basketball-Klub aus Wolmirstedt, ging auf dem Youtube-Kanal der ARD Sportschau an den Start – und wurde zum großen Erfolg.

Maren Wilczek: Wichtige Nachrichten, spannende Themen und ein klasse Team

Ich bin ganz neu in der Redaktion – so neu, dass ich knapp eine Woche im Funkhaus gearbeitet habe, dann kam die Wucht der vierten Corona-Welle und mit ihr der Wechsel ins Homeoffice. Ich schreibe Nachrichten für die MDR AKTUELL-App. Corona hat nicht nur meinen Arbeitsort, sondern oft den halben Tag bestimmt. Eintönig war es trotzdem nicht. Im Gegenteil: Dafür zu sorgen, dass die großen News des Landes Sie schnell erreichen und auch die kleineren Nachrichten aus den Städten und Kreisen gut auf Ihrem Bildschirm ankommen, ist herausfordernd und abwechslungsreich.

Rundherum bin ich beeindruckt, wie meine Kolleginnen und Kollegen über die Corona- und verschiedenste andere Themen berichten, sie einordnen und neue Blickwinkel finden. Zuletzt war das zum Beispiel die Frage, warum Menschen, die monatelang ungeimpft waren, sich nun doch für eine Impfung entscheiden. Auch in den Newslettern rund um die Pandemie, den Klimawandel und die Landtagswahl wurde, beziehungsweise wird, richtig gute Arbeit gemacht.

Bild einer jungen Frau
Maren Wilczek Bildrechte: Martin Neuhof

All das passiert in einem Umfeld, in dem ich mich trotz Homeoffice und Distanz sofort willkommen und wertgeschätzt gefühlt und in dem ich jetzt schon enorm viel gelernt habe. Ich freue mich, dabei zu sein und bin gespannt aufs kommende Jahr.

Lukas Kammer: Aufregend und stolz

Porträtbild von MDR SACHSEN-ANHALT-Mitarbeiter Lukas Kammer
Lukas Kammer Bildrechte: MDR/Lukas Kammer

Was mich dieses Jahr besonders überrascht hat, war die Doku "Built to Win" über die SBB Baskets. Aus einem einfachen Grund: Ich gucke eigentlich nie Sport. Aber die Kollegen Schörm und George haben hier von Anfang bis Ende eine richtig fesselnde Story abgeliefert. Dass ich dann selbst in den englischen Untertiteln ein bisschen kreativ werden konnte und dass hier ein international interessanter Fünfteiler entstanden ist, war schon aufregend. Hier ist mir die uneingeschränkte Anseh-Empfehlung so leicht gefallen wie noch nie.

Luca Deutschländer: Publizistisch den nächsten Schritt gegangen

Luca Deutschländer
Luca Deutschländer Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Unser Geschäft bei MDR SACHSEN-ANHALT besteht aus zwei Säulen: Da ist einerseits das Tagesgeschäft mit all den Nachrichten, die Sachsen-Anhalt betreffen – andererseits sind da die hintergründigen Geschichten aus Politik und Gesellschaft. Für letztere habe ich in diesem Jahr die Verantwortung übernehmen dürfen. Das bedeutet in der Praxis: Man schreibt sehr viele E-Mails, führt viele Telefonate im Haus, trifft Absprache um Absprache – mit dem Ziel, dass am Ende ein gut recherchiertes Thema für Sie, liebe Userinnen und User, veröffentlicht werden kann. Im Netz. Im Radio. Im Fernsehen.

Wenn ich an Recherchen wie die über die mutmaßliche Sekte in Allrode im Harz, das Engagement gegen Kindesmisshandlung in Halle oder das Porträt über eine Frau denke, die noch immer unter Long Covid leidet, sage ich: Mit diesen Geschichten sind wir den nächsten Schritt beim Aufbau eines digitalen, multimedialen Medienhauses gegangen.

Großer Dank gilt dafür meinem Kollegen Karsten Kiesant, unserem Ressortchef für Politik und Wirtschaft im Haus. Ohne ihn wäre all das nicht möglich. Einen noch größeren Dank empfinde ich nur denjenigen gegenüber, die all die Geschichten für uns ausgraben und wieder und wieder großartig umsetzen: Daniel George, Lucas Riemer, Daniel Tautz, Ann-Kathrin Canjé, Uli Wittstock, seit neuestem auch Maximilian Fürstenberg und demnächst Sarah-Maria Köpf. Nächstes Jahr arbeiten wir an den Stellschrauben, an denen wir noch zu drehen haben, um besser zu werden. Ich freue mich drauf.

Christoph Dziedo: Breiter aufgestellt

Ich bin seit über 14 Jahren bei MDR SACHSEN-ANHALT als Redakteur und Sprecher der Hörfunk-Nachrichten. Seit meiner Kindheit brenne ich für das lineare Medium Radio, und ich glaube allen Unkenrufen zum Trotz an dessen Zukunft, wenn die Macher der meisten Sender in der Lage sind, ihre Komfort-Zone mal zu verlassen.

Christoph Dziedo
Christoph Dziedo Bildrechte: MDR/Matthias Lindner

Trotzdem stelle ich mich seit diesem Jahr breiter auf und bin seit wenigen Wochen der MDR-weit erste Lektor im Team Digitale Information. Ich lese also neben den Chefs und Chefinnen vom Dienst Korrektur, bringe meine seit der Schulzeit guten Rechtschreib- und Grammatik-Kenntnisse ein. Ein Projekt, das wir ausbauen wollen, mit hoffentlich mehreren weiteren Kolleginnen und Kollegen. Zum neuen Jahr werde ich digital noch einen Schritt weiter gehen und nachrichtliche Storys aus Sachsen-Anhalt für die MDR-AKTUELL-App schreiben. Eine Veränderung, auf die ich sehr gespannt bin. Die Arbeit mit dem jungen Team macht schon jetzt Spaß.

Ein Thema, das mich 2021 sowohl beruflich als auch privat wie kein anderes bewegt hat, war und ist das Hickhack um die Corona-Impfungen. Denn vieles, über das wir berichteten, habe ich dann auch selbst erlebt. Die Kampagne war am Zweiten Weihnachtstag des vergangenen Jahres mit der damals 101 Jahre alten Edith Kwoizalla in Halberstadt gestartet. Sehr schnell mussten wir darüber berichten, dass die Impfungen nicht in Fahrt kommen. Es gab Lieferengpässe bei Biontech, Impfzentren wie in Magdeburg konnten erst verspätet loslegen. Es folgte der Ärger um den zunächst knappen Impfstoff mit den vielen unerwünschten Nebenwirkungen von AstraZeneca. Und schon sehr schnell beschäftigten uns Impfvordrängler wie Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand und mehrere Landräte. Außerdem gab es in Stendal eine frühzeitige Impfaktion für die Polizei, die noch längst nicht dran gewesen wäre.

Lesen Sie hier, was Christoph Dziedo außerdem beschäftigt hat

Wir meldeten auch, dass Berliner zum Impfen nach Stendal fahren. Es kamen Begriffe wie Impftourismus und Impfneid auf. Impfstoff blieb ein knappes Gut, und der Geduldsfaden wurde immer dünner. Mitte Mai war dann endlich die Priorisierungsgruppe 3 an der Reihe, zu der ich als Medienvertreter ("kritische Infrastruktur") auch zählte. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper bemühte sich schnell, auf die Bremse zu treten und Impfwillige an die Hausärzte und Fachärzte zu verweisen. Im Impfzentrum würden wegen des knappen Impfstoffes bis auf Weiteres nur Zweitimpfungen vorgenommen. Wenige Wochen später machte der OB einen Rückzieher, gab einige Erstimpfungstermine frei und behauptete, die Medien hätten ihn falsch dargestellt.

Egal: Wenn es im Magdeburger Impfzentrum Termine gab, waren sie sowieso in Sekundenschnelle vergriffen. Die Software (Magdeburg benutzt eine andere als die anderen kreisfreien Städte und Landkreise) war schnell überfordert. Eine Fernsehkollegin schrieb bei Facebook in Anspielung auf ihre Schmerzen frustriert vom "Impfzentrumsaktualisierungstippfinger". Ich fragte bei Ärzten nach, ließ mich auf Wartelisten setzen. Aus meiner Hausarztpraxis hieß es aber gleich, ich solle mir keine Hoffnungen machen. Sie hätten so viele Impfungen und so wenig Impfstoff. Ich rief bestimmt an die zehn Arztpraxen im Magdeburger Umland (Burg, Haldensleben, Staßfurt, Aschersleben u.a.) an, um zu fragen, ob sie zu wenige Impfwillige haben.

Ich dachte mir, dass man auf dem Land möglicherweise mehr Glück hat. Aber überall Pustekuchen! Sie hatten zu wenig Impfstoff für zu viele Impfwillige. Auch bei Impfzentren in der Magdeburger Umgebung schien es hoffnungslos. Ich wollte aber unbedingt noch vor dem 6. Juni einen Impftermin sicher haben. Denn dann wurde die Priorisierung aufgegeben, und ich fürchtete wegen des weiter knappen Impfstoffes ein noch größeres Hauen und Stechen als bisher und leer auszugehen. Dann hatte ich Ende Mai wie durch ein Wunder doch noch Glück und wurde dank der Seite impfübersicht.de, die ein Teenager programmiert hatte, zu etwas, das ich nie sein wollte: einem Impftourist. Denn ich bekam kurzfristig einen Termin im Impfzentrum Brandenburg (Havel). Ein zweiter Termin im Juli wurde gleich mit gebucht.

Vom MDR hatte ich bereits eine Bescheinigung über meine Zugehörigkeit zur Priorisierungsgruppe 3 bekommen. Da sollte doch eigentlich alles glatt gehen. Glücklicherweise checkte ich noch einmal alles und sah einen Tag vor dem Termin, dass in Brandenburg andere ausgefüllte Formulare vorgezeigt werden müssen. Wir konnten das noch auffangen, es ist alles gut gegangen, aber der Herr hinter dem Schalter in Brandenburg sagte mir, dass er deswegen auch schon hat andere wieder nach Hause schicken müssen. Angesichts dessen, dass die Grundlage der Kampagne die Impfverordnung des Bundes ist, ist das doch eigentlich ein handfester Skandal! Wie dem auch sei, ich war safe und erstgeimpft.

In den folgenden Wochen drehte sich die Situation dann einmal um 180 Grad. Die Leute wurden angesichts zurückgehender Inzidenzen impfmüde, zogen ihre Zweitimpfung vor oder verzichteten darauf. Viele Termine in den Impfzentren wurden nicht wahrgenommen und nicht einmal abgesagt. Es gab Debatten darüber, ob es dafür Strafen geben sollte. Die Städte, Kreise und Länder blieben auf ihrem Impfstoff sitzen und wurden ihn nicht los. Angesichts dessen kam in mir der Gedanke auf, dass es eigentlich nicht vermittelbar ist, für eine Impfung 90 Kilometer bis Brandenburg zu fahren und so einen riesigen ökologischen Fußabdruck zu setzen.

Also suchte ich nach Alternativen und rief erneut bei meiner Hausarztpraxis an. Aber auch dort hatte sich der Wind komplett gedreht. Ich erfuhr, dass meine Praxis das Impfen eingestellt hat. Die Schwestern waren die bereits aufgezogenen Spritzen für die Termine nicht mehr losgeworden, telefonierten sich die Finger wund und mussten den Stoff letzten Endes vernichten. Einen Tag vor dem Termin meiner Zweitimpfung in Brandenburg bot das Magdeburger Impfzentrum plötzlich Impfen ohne Termin an, eigentlich zunächst nur für Erstimpfungen. Ich fuhr auf Verdacht dahin und fragte, ob ich auch die Zweitimpfung bekommen könnte und sie den passenden Impfstoff (Moderna) da haben. Beides wurde bejaht, und so bekam ich dann doch noch eine Spritze in Magdeburg. Natürlich sagte ich den Termin am Folgetag in Brandenburg noch direkt im Impfzentrum sitzend online ab.

Und so verging die Zeit. Wir konnten einen einigermaßen normalen Sommer haben. Dass die Inzidenzen wieder langsam stiegen, ging an vielen vorbei. Wir fühlten uns sicher. Dann stellte sich heraus, dass die Wirkung der Impfstoffe doch schneller nachlässt und eine Auffrischung nötig ist. Gleichzeitig wurde über 3G, 2G, 2G-plus und und und diskutiert. Und nach und nach stellte sich heraus, wer aus dem Kollegen-, Bekannten- und Freundeskreis alles nicht geimpft ist. Die Risse gehen mitten durch die Gesellschaft, zum Teil sogar mitten durch Paare.

Ich bin dankbar, dass Letzteres bei mir nicht der Fall ist, aber das beschäftigt mich, und ich frage mich, wie ich mit Ungeimpften umgehe, vor allem in Zeiten, in denen die Einschläge so nah kommen wie noch nie. Jeder, der mit Kindergarten- oder Schulkindern zu tun hat, weiß, wovon ich spreche. Ich bin bereits Anfang Dezember geboostert worden, nach nicht einmal fünf Monaten, eigentlich zu früh in Zeiten, in denen der Impfstoff jetzt wieder knapp wird. Es sollte halt einfach so sein. Ich hatte einen Termin in einer Arztpraxis bekommen. Trotzdem bin ich mit mir im Reinen und hoffe für alle anderen, die jetzt dringend die Auffrischung brauchen und wollen, dass alles gut geht, wir alle den Winter und die folgenden Pandemie-Monate noch aushalten und ich in einem Jahr an dieser Stelle vielleicht über etwas anderes berichten kann.

Martin Paul: Danke!

2021 – was für ein Jahr. Aus der einen Corona-Welle in die die nächste.

Ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass dieses Jahr 2021 für Sie, liebe Leserinnen und Leser und Nutzerinnen und Nutzer, für uns Journalistinnen und Journalisten und für mich persönlich in einer besonderen Art grenzwertig und fordernd war.

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Martin Paul Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Es gab für mich journalistische Projekte, die ganz besonders waren – freudig anstrengende Wochen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit dem ersten gelungenen Versuch automatisierter Berichterstattung (hier können Sie noch einmal nachlesen, wer aus Ihrem Wahlkreis oder aus Ihrer Gemeinde in den neuen Landtag gewählt wurde) – und Höhen und Tiefen, Lockdown und Homeoffice und den ganz normalen Alltag. Ich habe im Sommer endlich meine Kolleginnen und Kollegen wiedersehen können – in echt und nicht nur über Videokonferenz und aus dem Homeoffice heraus – und hoffe, dass das 2022 bald auch wieder möglich sein wird. Und wir, liebe Leserinnen und Leser, konnten über eins der vielen Themen im Corona-Newsletter miteinander sprechen. Ihre Fragen, Hinweise, Perspektiven – und auch Ihr Lob und die Weiterempfehlungen waren und sind unglaublich wertvoll für uns.

Und deswegen möchte ich sagen: Danke!

Danke, dass Sie durchgehalten haben. Danke, dass Sie immer noch und – nach meiner Wahrnehmung – vielleicht sogar stärker als vorher aktiv sind und mit uns in den Austausch treten. Was wären unsere Bemühungen, die Ereignisse und Entwicklungen so genau wie möglich zu fassen, wenn Sie nicht im Mittelpunkt stehen würden. Danke, dass Sie uns so viel von sich erzählt haben – schmerzhaftes und wunderschönes – und uns und all den anderen Leserinnen und Lesern die Möglichkeit gegeben haben, an ihren Einsichten und Erlebnissen Teil zu haben. Danke, dass Sie uns, unsere Berichte, Posts und Projekte in zahllosen Mails, Kommentaren und Anrufen kritisch begleiten.

Noch mehr Jahresrückblicke für Sachsen-Anhalt

Collage aus mehreren Bildern.
Bildrechte: dpa, Aschersleber Kulturanstalt/Matthias Pöschel, Freiwillige Feuerwehr Haldensleben, MDR/André Plaul, Bernd-Volker Brahms
Collage aus verschiedenen Bildern
Bildrechte: MDR/Petra Bothe, Diane Herker, Wolfram Schmidt, Sandra Tiemann, Ilona Schmidt

Was in Deutschland und der Welt los war

Nachrichten

Jahresrückblick 2021
Vom "Sturm auf das Kapitol" bis zum Ende der Ära Merkel – in unserem Jahresrückblick finden Sie alle wichtigen Ereignisse des Jahres 2021. Bildrechte: imago images/ZUMA Press, dpa

MDR (Luca Deutschländer)

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Eine Collage aus einer Wasserpumpe, einem jungen Mann in einer KFZ Werkstatt und einem Schild verkaufsoffener Sonntag bzw. Einkaufstüten. 1 min
Bildrechte: dpa/Imago
1 min 19.05.2022 | 18:23 Uhr

Die drei wichtigsten Themen vom 19. Mai aus Sachsen-Anhalt erfahren Sie hier kurz und knapp in nur 60 Sekunden. Präsentiert von MDR-Redakteurin Viktoria Schackow.

MDR S-ANHALT Do 19.05.2022 18:00Uhr 01:00 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/video-nachrichten-aktuell-neunzehnter-mai-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video