Agentur für Arbeit Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt steht vor großen Herausforderungen

Der demografische Wandel, die Digitalisierung und die Abkehr von fossilen Brennstoffen, das sind die drei großen Zukunfsthemen der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt-Thüringen. Die Behörde setzt dabei auf die Rekrutierung von Nachwuchs im eigenen Land und hat Förderprogramme für Menschen aus dem Ausland gestartet. Außerdem soll es Quereinsteigern erleichtert werden, beruflich in Sachsen-Anhalt Fuß zu fassen.

Ein älterer Herr mit grauen Haaren weißt eine Wand
Allein in den kommenden zehn Jahren verabschieden sich 25 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in den Ruhestand. Bildrechte: dpa

Der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt steht vor großen Herausforderungen. Auf die drei größten Aufgaben wies die Arbeitsagentur in Halle am Dienstag hin. Markus Behrens, der Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen benennt die drei "großen Ds" als zu lösende Probleme: Demografischer Wandel, Digitalisierung und Dekarbonisierung, also die so genannte Energiewende.

Demografischer Wandel ein Hauptproblem

Seit Jahrzehnten wird der demografische Wandel mit zu wenig Nachwuchs als Problem genannt, obwohl sich die Entwicklung seit dem Geburtenknick vor mehr als 30 Jahren bereits abzeichnete. Darauf richtig zu reagieren, scheinen sowohl die Arbeitsagentur als auch die Landesregierung verschlafen zu haben. Zu lange setzte man auf die "Gesundschrumpfung" des Arbeitsmarktes und ging davon aus: Je weniger Menschen in Sachsen-Anhalt leben, desto weniger Arbeitskräfte werden benötigt.

Dabei wurde allerdings nicht berücksichtigt, dass vor allem junge, gut ausgebildete Frauen das Land verlassen und anderswo eine Familie gründen würden. Aber auch die Tatsache, dass der Arbeitsmarkt eher schubweise seine Arbeitnehmer verlieren würde, wurde vernachlässigt.

Rentenwelle steht bevor

In Zahlen: Allein in den kommenden zehn Jahren verabschieden sich 25 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in den Ruhestand. Es entsteht eine riesige Lücke. Die muss nun durch Berufseinsteiger, aber auch Quereinsteiger und Zuwanderer gefüllt werden.

Aktuell haben wir schon in vielen Berufen einen Fachkräftemangel. Insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen und im gewerblich-technischen Bereich werden Fachkräfte gesucht.

Markus Behrens Bundesagentur für Arbeit
Ein Mann sitzt an einem Konferenztisch
Markus Behrens sieht in dem demografischen Wandel eine große Aufgabe für den regionalen Arbeitsmarkt. Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Und so versuche man bereits auf vielen Wegen, Fachkräfte im Land zu binden oder aber ins Land zu holen: Das sogenannte Fachkräfteeinwanderungsgesetz erleichtere beispielsweise eine Arbeitseinwanderung. Vermittlungsabsprachen gäbe es mit Ländern wie Indien und Indonesien, in Mexiko und Kolumbien hätten diese Absprachen bereits begonnen. Aus diesen Ländern habe man bereits Pflegerinnen und Pfleger nach Deutschland geholt.

Die Geflüchteten aus der Ukraine sieht Behrens eher nicht auf dem Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt. Zu wenige von ihnen würden hier bleiben wollen, davon geht man derzeit in der Arbeitsagentur aus. Als Saisonarbeiterinnen sollen die zumeist hoch qualifizierten Frauen auch nicht eingesetzt werden. Zudem seien derzeit die Anfragen in seiner Agentur auch nicht besonders groß. Gerade einmal rund 100 Geflüchtete aus der Ukraine hätten sich arbeitssuchend gemeldet.

Schwerpunkt Digitalisierung

Markus Behrens setzt aber auch auf die Digitalisierung und rechnet vor: 32 Prozent der Arbeit in Sachsen-Anhalt könnte digitalisiert oder von Maschinen erledigt werden. Er sagt aber auch dazu, dass dies nur eine "theoretische Zahl" sei. Denn: Nicht jeder Arbeitnehmer lässt sich ersetzen. Automatisierungen sind manchmal sogar teurer als eine lebendige Arbeitskraft.

Arbeitsagentur setzt auf Beratung und Werbung

Der Tag der Berufe sei eine Möglichkeit, sich beraten zu lassen. Hier erfahren die jungen Menschen, dass sie derzeit zwischen vielen Ausbildungsstellen wählen können. Noch vor zehn Jahren gab es zwei Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Heute sei das umgekehrt.

Daher sei es wichtig, sich zu informieren, erklärt Behrens: "Im Bereich der beruflichen Orientierung sind wir ja ab der Klasse sieben in den Schulen präsent. Das heißt, die Berufsberater gehen durch die Klassen, aber auch in Einzelgespräche und zeigen den jungen Menschen viele Berufsmöglichkeiten."

Die Berufsberater sind entweder persönlich, per Telefon oder per Video erreichbar. Außerdem gebe es noch viele Online-Angebote.

Mehr zum Thema: Arbeitsmarkt

MDR (Anne Sailer, Thomas Tasler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. April 2022 | 17:00 Uhr

3 Kommentare

Eulenspiegel vor 6 Wochen

"Zahlt einfach die gleichen Löhne wie z.B. in Bayern oder Baden-Württemberg"
Und die Mieten müssen natürlich auch angepasst werden. Und die Brötchen müssen genau so teuer werden wie in Bayern oder Baden-Württemberg.

wer auch immer vor 6 Wochen

Als "Jungrentner" - seit 14 Monaten, bin ich als Hausmeister auf 450 € Basis tätig.
In der "alten Firma" hätte ich auch noch länger als technischer Mitarbeiter wirken können. Aber wie mit einem nach mehr als 20 Jahren Tätigkeit umgegangen wird, besonders durch jüngere "Großschnäutzige" Mitarbeiter, Kollegen sind es nicht, das muss man sich nicht antun.

C.T. vor 6 Wochen

Zahlt einfach die gleichen Löhne wie z.B. in Bayern oder Baden-Württemberg, dann wandern die guten arbeitswilligen Fachkräfte nicht ab. Begreift es doch einfach - man geht für den Lebensunterhalt arbeiten und nicht der Arbeit wegen... 12,7€ Stundenlohn usw. wer geht für solch lausige Bezahlung überhaupt aus dem Haus? *am Kopf kratz* achja die importierten Fachkräfte...

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