#MDRklärt Darum gibt es in Sachsen-Anhalt keine Ampelfrauen

Das Ampelmännchen wird 60 Jahre alt. Mittlerweile gibt es das Männchen rot und grün leuchtend in allen möglichen Gestalten. Seit 2004 hat das Ampelmännchen auch eine Ampefrau an seine Seite bekommen. Nur in Sachsen-Anhalt nicht – hier wird das Ampelmännchen wohl auch die nächsten Jahre allein bleiben. #MDRklärt erzählt, warum das so ist.

Grünes Ampelmännchen. 2 min
Bildrechte: Colourbox.de

Das Ampelmännchen, wie man es aus dem Osten Deutschlands kennt, gibt es dieses Jahr seit 60 Jahren. Entworfen hat es der Verkehrspsychologe Karl Peglau.

Das DDR-Ampelmännchen sollte besonders auffallen

Der Erfinder des Ampelmännchens, Karl Peglau, hält in Berlin ein rotes und ein grünes Ampelmännchen in seinen Händen.
Karl Peglau ist der Erfinder der Ost-Ampelmännchen. Bildrechte: dpa

In einem Interview mit dem Tagesspiegel erklärte Peglau 2005, er habe das Männchen ganz bewusst in dieser Gestalt geschaffen. Der rote Männchen breitet die Arme aus wie einen Absperrbalken. Das grüne schreitet so energisch voran, dass seine Beine eine Pfeilform bilden.

Peglau wollte mit dem Männchen eine Figur schaffen, die die Fußgänger und Fußgängerinnen emotional anspricht. So bekam das Ampelmännchen Hut, Knollennase und einen Bauchansatz. Der Mensch vertraue am ehesten jemandem, der ihm selbst sympathisch sei oder sogar ähnele, so Peglau im Interview weiter.

Die erste Ampelfrau

Bis heute gibt es das "Ost"-Ampelmännchen an allen Ampeln zwischen Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern zu sehen.

Viele Jahre gab es nur das Ampelmännchen – doch seit 2004 auch immer öfter Ampelfrauen. Die allererste deutschlandweit wurde in Zwickau in Sachsen installiert. Sie trägt statt eines Hutes Zopf und Rock.

Sachsen-Anhalt bleibt beim Ampelmann

Dann, mehr als zehn Jahre später, 2015 gab es auch in Sachsen-Anhalt die ersten Ampelfrauen zu bestaunen. So leuchteten in Halle nicht nur rote und grüne Ampelmännchen, sondern auch 22 Ampelfrauen. Magdeburg wollte das auch. Korrekterweise meldete die Stadt beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt das Vorhaben an.

Doch das Landesverwaltungsamt hat im November 2019 die Verwendung untersagt: Ampelfrauen wird es in Sachsen-Anhalt nicht geben – Frauen auf Ampeln seien nicht rechtskonform:

Für die Darstellung von Lichtzeichen für Fußgänger an Ampeln ist demnach ausschließlich die Verwendung des Sinnbildes "Fußgänger" vorgeschrieben. Umgangssprachlich wird dieser Fußgänger auch "Ampelmännchen" genannt.

Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt

Die Ampelfrau wird von dem Amt also nicht als offizielles Lichtzeichen gewertet. Denn ein Verkehrszeichen dürfe keine störenden oder ablenkenden Elemente enthalten, so das Landesverwaltungsamt.

Ampelfrau in Halle am Hansering
In Halle müssen alle Ampelfrauen abgebaut werden. Bildrechte: IMAGO images / Steffen Schellhorn

In der Antwort auf eine kleine Anfrage der SPD im Juli 2020, warum andere Zeichen in anderen Bundesländern erlaubt seien, verweist das Verkehrsministerium darauf, dass das Landesverwaltungsamt nach geltender Rechtslage gehandelt habe. "Warum andere Bundesländer der geltenden Rechtslage und dem Beschluss des Bund-Länder-Fachausschusses StVO zuwiderhandeln, ist hier nicht bekannt", so das Ministerium.

#MDRklärt Darum hat das Ampelmännchen in Sachsen-Anhalt keine Frau

Darum hat das Ampelmännchen in Sachsen-Anhalt keine Frau
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Darum hat das Ampelmännchen in Sachsen-Anhalt keine Frau
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1961 wurde das Ost-Ampelmännchen von Verkehrspsychologe Karl Peglau für die Straßen der DDR entworfen.
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Es sollte dynamischer und markanter sein, als der "West-Spargel", so Peglau 2005 in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Trotz Grenze gibt es in ganz Deutschland aber ausschließlich Ampelmännchen.
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Das änderte sich 2004, als die erste Ampelfrau Deutschlands in Zwickau in Sachsen eingeführt wurde.
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Auch das Ampelmännchen in Sachsen-Anhalt bekam 2015 in Halle eine Frau an die Seite. In Magdeburg sollte die Einsamkeit ebenfalls ein Ende nehmen.
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Die Stadt Magdeburg stellte dafür beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt einen Antrag. Dieser wurde abgelehnt und hinzu kam, dass die Ampelfrau dadurch in ganz Sachsen-Anhalt wieder weichen musste.
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ZITAT: Für die Darstellung von Lichtzeichen für Fußgänger an Ampeln ist demnach ausschließlich die Verwendung des Sinnbildes "Fußgänger" vorgeschrieben. Umgangssprachlich wird dieser Fußgänger auch "Ampelmännchen" genannt. Die Ampelfrau wird von dem Amt nicht als offizielles Lichtzeichen gewertet. Denn ein Verkehrszeichen dürfe keine störenden oder ablenkenden Elemente enthalten, so das Landesverwaltungsamt.
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Halle musste daraufhin seine 22 Ampelfrauen wieder abmontieren. Das Ampelmännchen bleibt in Sachsen-Anhalt also auch die nächsten Jahre weiterhin allein.
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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir am 13. Oktober 2021 | 10:41 Uhr
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Alle Ampelfrauen müssen weg

Aufgrund des Antrags aus Magdeburg müssen seit 2020 auch die Ampelfrauen in Halle ihren männlichen Kollegen Platz machen. Nach und nach werden daher die Ampelfrauen aus Halle verschwinden. Ein Austausch erfolge bei Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen, teilte die Stadt Halle auf Anfrage von MDR JUMP mit.

So bleibt das Ampelmännchen in Sachsen-Anhalt wohl auch die nächsten Jahre allein.

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MDR/Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Oktober 2021 | 10:41 Uhr

3 Kommentare

geradeaus vor 3 Tagen

Das mit dem "Umerziehen" haben sie schön formuliert. Da hätte ich definitiv auch ein anderes Wort nehmen können gestern Abend. Ich finde es dennoch richtig das man die Sprache dahingehend etwas anpasst. Ich habe da nur eine Parallele gezogen zu den Figuren an den Ampelanlagen. Naja, sei es drum.

Ein schönes WE

C.T. vor 3 Tagen

Unsere "Gender" Sprache war noch nie ein Problem. Auch wie ein Ampelmännchen aussehen sollte, ist absolut unwichtig. Generell werden heutzutage solche Unwichtigkeiten wie gendern bewusst in den Fokus der öffentlichen Diskussion gestellt um mit trivialen Dingen von den eigentlichen Problemen abzulenken und die Gesellschaft zu spalten. ... Und mal ganz nebenbei: wer lässt sich denn umerziehen *entsetzt gucke*? Sind wir etwa Tiere?

geradeaus vor 4 Tagen

Da versucht man uns, was bei mir übrigens recht gut funktioniert, umzuerziehen in Sachen Geschlechtergerechter Sprache. Und dann lese ich das hier. Toll gemacht Sachsen Anhalt.

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