Zum Kindertag Wo Kinder in Sachsen-Anhalt mitbestimmen dürfen

Elisa Sowieja-Stoffregen
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Kinder sollen in der Kita mitbestimmen: Das ist in Sachsen-Anhalt per Gesetz festgelegt. An anderen Stellen könnten Kinder aber ruhig noch mehr mitmischen, findet der Kinderbeauftragte des Landes. Er schlägt zum Beispiel vor, dass Städte und Gemeinden die Jüngsten zu ihren Bürgersprechstunden einladen.

Kinder stimmen in einer Hamburger Kita über den Essensplan der kommenden Woche ab.
In Sachsen-Anhalt sollen Kinder schon in der Kita mitbestimmen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Soll die neue Leseecke in der Kita grüne oder blaue Kissen bekommen? Wird am Nachmittag zuerst gebastelt oder gesungen? In Sachsen-Anhalt haben Kinder das Recht, solche Sachen mitzubestimmen – zumindest grundsätzlich. Im Kinderförderungsgesetz (KiFöG) gibt es extra einen Paragrafen zur Mitwirkung. Demzufolge sollen die Kleinen nicht nur beim Tagesablauf mitbestimmen. Sie dürfen auch einen Sprecher wählen, der Kitaleitung und -träger Wünsche vorträgt. Sachsen-Anhalts Kinderbeauftragter Holger Paech findet es wichtig, dass auch die ganz Kleinen schon mitbestimmen. "Das macht Kinder stark und stolz", sagt er.

Kinder müssen heute Mitsprache haben, damit sie morgen Mitverantwortung übernehmen.

Holger Paech, Kinder- und Jugendbeauftragter in Sachsen-Anhalt

Außerdem schaffe es Identifikation. Und die sei wichtig, damit sich Kinder auch später als Erwachsene in der Region wohlfühlen. "Kinder müssen heute Mitsprache haben, damit sie morgen Mitverantwortung übernehmen", sagt Paech. Schließlich werde heute der Boden bereitet für die künftigen Arbeitskräfte. Kinderbeteiligung als Langzeitmittel gegen Fachkräftemangel also.

Mitreden auch beim Thema Bus und Bahn

Auf kommunaler Ebene funktioniere das Einmischen am besten, sagt er. Denn da gehe es um ganz konkrete Dinge, die Kinder mit verändern könnten. Paech findet es wichtig, dass die Jüngsten hier nicht nur bei Spielplätzen und Schulhöfen mitmischen dürfen: "Sie sollten auch bei Themen wie Kulturangeboten oder dem öffentlichen Nahverkehr mitreden." Beispiel: die ausgedünnten Busfahrpläne in den Ferien. Die würden es besonders für Kinder auf dem Land schwer machen, zum Sportverein oder ins Kino zu kommen.

Holger Paech ist Sachsen-Anhalts Kinder- und Jugendbeauftragter 1 min
Holger Paech ist Sachsen-Anhalts Kinder- und Jugendbeauftragter Bildrechte: Holger Paech
1 min

MDR SACHSEN-ANHALT Do 19.05.2022 10:56Uhr 00:56 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/Kinder-Mitbestimmung-Kinderbeauftragter-Paech-Fachkraefte-audio-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Einzelne Kommunen haben schon Möglichkeiten zum Mitreden geschaffen, etwa mit Kindersprechstunden oder Kinderbeauftragten. Aber es gibt noch Luft nach oben, sagt Paech. Eine Möglichkeit: Kinder und Jugendliche zu den normalen Bürgersprechstunden einladen, und zwar in angemessener Sprache und mit Vorschlägen zu jungen Themen. Außerdem könnten die Städte, Gemeinden und Kreise Kinder bei wichtigen Themen um Stellungnahmen bitten, zum Beispiel über den Stadtschülerrat. Allerdings findet Paech solche Angebote nur dann sinnvoll, wenn die Kinder später auch erfahren, was aus ihren Ideen geworden ist – vor allem dann, wenn etwas nicht umgesetzt wurde.

Bislang mehr als 60 Menschen aus Politik und Verwaltung geschult

Wie Politiker und Verwaltungsmitarbeiter junge Menschen am besten einbinden, können sie auch in Seminaren lernen. Das Landeszentrum Jugend + Kommune, das mit der Hochschule Magdeburg-Stendal zusammenarbeitet, berät Kommunen und Träger bei der Umsetzung von Beteiligung. Nach Angaben des Kinderbeauftragten hat es bislang mehr als 60 Verantwortliche aus der Kommunalverwaltung und -politik fortgebildet und steht aktuell mit etwa 50 Kommunen in Kontakt über deren Projekte.

Mitbestimmung üben bei den Juniorwahlen

Auch bei Juniorwahlen können sich Kinder in Sachsen-Anhalt mit einbringen. Dabei wird in der Woche einer Wahl, zum Beispiel der Landtagswahl, in Schulen abgestimmt. Das Ergebnis fließt zwar nicht in das Wahlergebnis mit ein. Aber es geht auch eher darum, dass sich Kinder und Jugendliche im Unterricht mit Politik und dem Ablauf von Wahlen befassen und dann selbst ihre Entscheidung treffen. Die Juniorwahl gibt es landesweit in allen Schularten außer der Grundschule. Möglich ist das Projekt ab der 7. Klasse.

Bei der Juniorwahl zur Landtagswahl 2021 wurde zwar auch die CDU stärkste Partei. Mit 18,3 Prozent erhielt sie allerdings viel weniger Stimmen als bei der "richtigen" Wahl (37,1 Prozent). Zweitstärkste Partei wurde die FDP mit 13,7 Prozent (bei den Erwachsenen: 6,4 Prozent). Auffällig war auch, dass an den Schulen insgesamt 20,6 Prozent kleine Parteien wählten, die Tierschutzpartei hätte es mit 6,2 Prozent sogar ins Parlament geschafft. Bei den Erwachsenen stimmten nur 10,4 Prozent für kleine Parteien.

Der Zulauf dürfte auch damit zu tun haben, dass das Land 2018 sein Kommunalverfassungsgesetz geändert hat. Dort ist seitdem festgeschrieben, dass die Städte, Gemeinden und Kreise Kinder beteiligen sollen – und zwar bei allen Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren. Paech zufolge passt das sehr gut in die Zeit: "Ich glaube schon, die Zeiten sind vorbei, in denen allein die Erwachsenen bestimmt haben, was Kindern und Jugendlichen gut tut."

Mehr zum Thema Kindertag

MDR (Elisa Sowieja-Stoffregen)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. Juni 2022 | 09:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Eine Collage aus einer Frau, die einen Lippenstift, in die Hose steckt und ein springender Mann 1 min
Bildrechte: MDR/Colourbox
1 min 26.09.2022 | 18:00 Uhr

Die drei wichtigsten Themen vom 26. September aus Sachsen-Anhalt erfahren Sie hier kurz und knapp in nur einer Minute. Präsentiert von MDR-Redakteurin Olga Patlan.

MDR S-ANHALT Mo 26.09.2022 18:00Uhr 01:13 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/video-nachrichten-aktuell-sechsundzwanzigster-september-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video