Von Bitte überrascht Kirchen kritisieren Vorschlag zur Absage von Ostergottesdiensten

Die beiden großen Kirchen in Sachsen-Anhalt zeigen sich von der Bitte von Bund und Ländern nach virtuellen Gottesdiensten überrascht. Ministerpräsident Haseloff kündigte an, dass er ihnen keine Vorgaben machen wird.

Die evangelische als auch die katholische Kirche in Sachsen-Anhalt haben den Vorschlag von Bund und Ländern kritisiert, keine Ostergottesdienste abzuhalten. Damit reagierten die Kirchen auf die Ergebnisse der Corona-Maßnahmen des Bund-Länder-Treffens vom Dienstag. Nach den neuen Beschlüssen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und der Ankündigung eines harten Oster-Lockdowns sind die Feierlichkeiten in den Kirchen an den Feiertagen ungewiss.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) will den Kirchen unterdessen keine Vorgaben für die Feier der Ostergottesdienste machen. "Der Ministerpräsident wird keine Vorgaben oder Bitten gegenüber den Kirchen artikulieren", erklärte ein Regierungssprecher. Die Gespräche mit den Religionsgemeinschaften führe allein der Bund.

Ungewissheit in beiden Kirchen

Beten vor einem Laptop wo ein Online-Gottesdienst gestreamt wird.
Seit dem Coronavirus finden Gottesdienste auch online statt. Bildrechte: imago images/Action Pictures

Die Kirchen haben den Vorschlag von Bund und Ländern kritisiert, keine Ostergottesdienste abzuhalten. "Die Bitte, Ostern ausschließlich digital zu feiern, hat uns überrascht und befremdet, da sie die bewährte Form der bisherigen Kommunikation verlässt", teilte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit. "Die Gemeinden müssen zweigleisig fahren", sagte Matthias Rost vom Gemeindedienst der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland angesichts der ungewissen Lage. Weil Planungssicherheit fehle, bereiteten viele Gemeinden sowohl rein digitale als auch Hybridveranstaltungen vor. Ein virtuelles Angebot werde es ohnehin geben, so Rost. Zusätzlich könnten womöglich einige Aktionen außerhalb der Kirchen stattfinden.

Auch die Katholische Kirche zeigte sich überrascht aufgrund des Vorschlags aus den Bund-Länder-Gesprächen. Das Bistum Magdeburg teilte aber mit, dass an allen Feiertagen ohnehin die Übertragung von Gottesdiensten im Internet geplant sei. Man warte noch auf den Austausch zwischen Politik und Kirchen. Ostergottesdienste sollen in jedem Fall stattfinden, sagte eine Sprecherin. Allerdings sei noch unklar, ob Gläubige unter Einhaltung bestimmter Hygieneregeln vor Ort teilnehmen können oder sie als reiner Livestream angeboten werden.

Die Bitte der Kanzlerin

In den Gesprächen zwischen Bund und Ländern waren in der Nacht zum Dienstag auch die Ostergottesdienste ein Thema: "Bund und Länder werden auf die Religionsgemeinschaften zugehen mit der Bitte, religiöse Versammlungen in dieser Zeit nur virtuell durchzuführen." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach den Beratungen betont, dass es sich um eine Bitte handele.

Bundesinnenminister Seehofer mit scharfer Kritik an Kirchenentscheidungen

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat scharfe Kritik an den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu den Oster-Gottesdiensten geübt. "Es hat mich schon erstaunt, dass ausgerechnet Parteien, die das C im Namen führen, den Kirchen den Verzicht auf Gottesdienste nahelegen, noch dazu an Ostern", sagte Seehofer der "Bild"-Zeitung. Sein Ministerium habe diesen Vorschlag auch nicht gemacht, "obwohl wir für die Religionen zuständig sind". Seehofer wies dabei auf die zu Beginn der Pandemie gemeinsam mit den Kirchen ausgearbeiteten Hygiene-Konzepte hin, "die bis heute tadellos funktionieren". 

Quelle: DPA, KNA, MDR, MINA, Simon Kremer, Kevin Poweska

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. März 2021 | 20:00 Uhr

4 Kommentare

Magdeburg1963 vor 36 Wochen

Wie viele Menschen denken an den religiösen Hintergrund an Sonn - und Feiertagen? Gibt es Sonn - und Feiertage künftig nur noch für religiöse Mitmenschen? Für mich sind Sonn - und Feiertage Freiräume, die ich mit meiner Familie verbringe und dabei denke ich mit Sicherheit nicht an Gott! Die Frage ist aber, warum kann die Kirche nicht akzeptieren, dass wir alle mit Pandemieeinschränkungen zu leben haben!

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 36 Wochen

Sie wollen also alle Sonntage und alle Feiertage abschaffen, weil „die Kirche“ im Leben der Menschen keine Rolle mehr spielt ?? Nur zu ! Die Arbeitgeber wird’s freuen !

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 36 Wochen

Fakt bleibt aber auch:

OSTERN ist ohne das PESSACHFEST und ohne den Palmsonntag und ohne die - stille - Karwoche und ohne das Geschehen am Gründonnerstag im Garten MiT ABENDMAHL und ohne die Verräter und ohne die Kreuzigung und ohne SEiNEN WiLLEN nicht denkbar. Nicht online. Nicht live.

L‘CHAiM ‼️ MAZEL TOV ‼️

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