Pflegenotstand Kirchen fordern neues Pflegekonzept

Seit mehr als einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem und bringt besonders medizinisches Personal an seine Grenzen. Doch viele haben schon vor der Corona-Krise chronische Überlastung am Arbeitsplatz beklagt. Um die Mitarbeitenden zu entlasten, müsse die Pflege neu aufgestellt werden, fordern die Kirchen in Mitteldeutschland.

Erschöpftes Pflege-Personal
Tausende Pflegekräfte haben während der Corona-Pandemie gekündigt. DIe Kirchen in Mitteldeutschland fordern deshalb ein neues Konzept für die Pflege. Bildrechte: Colourbox.de

Der Bischof der evangelischen Landeskirche, Friedrich Kramer, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Corona-Krise habe die Grenzen des Systems gezeigt. Ein heruntergespartes System sei zu anfällig und könne nicht mehr reagieren.

Ähnlich äußerte sich der katholische Bischof des Bistums Magdeburg, Gerhard Feige. Er erklärte, private Pflegeanbieter hätten häufig nur die Rendite im Blick und nicht das Wohlergehen von Pflegebedürftigen und Fachpersonal. Er forderte deshalb strengere Regeln für die Zulassung von privaten Pflegeanbietern.

Pflegereform bereits im Oktober angekündigt

Weil die Kosten für Pflege weiter steigen, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im vergangenen Oktober ein Konzept für eine Pflegereform vorgelegt. Damit sollen rund 6 Milliarden Euro zusätzlich in die Pflege fließen. Finanziert werden soll die Reform mit einem Zuschuss aus dem Bundeshaushalt.

Es geht um die Frage: Wie menschlich wollen wir leben?

Joachim Liebig Landeskirche Anhalt

Doch das werde nicht reichen, kritisiert der Präsident der Landeskirche Anhalt, Joachim Liebig. Solche Überlegungen seien fatal und führten die gesamte Gesellschaft auf eine schiefe Ebene. "Wenn man Kosten und Nutzen gegenrechnet und dann sagt: Wer alt ist, hat kein Lebensrecht mehr. Das ist die Befürchtung, die ich an dieser Stelle sehr deutlich habe."

Es müsse eine gesellschaftliche Debatte geführt werden, wie wichtig man das Pflegethema nehme, so Liebig weiter. Eventuell müsse man Gelder aus anderen Bereichen umlenken, etwa aus dem Straßenbau.

In Corona-Pandemie tausende Pflegekräfte verloren

Erst im März war bekannt geworden, dass Deutschland in der Corona-Pandemie offenbar Tausende Pflegekräfte in Krankenhäusern und in der Altenpflege verloren hat. Die Zahl der Pflegebeschäftigten ging zwischen Ende März und Ende Juli 2020 um mehr als 9.000 zurück, wie eine Datenabfrage der Linken-Bundestagsfraktion bei der Bundesagentur für Arbeit ergab.

Vor der Pandemie waren die Beschäftigtenzahlen in der Pflegebranche dagegen leicht gestiegen. Insgesamt waren den Daten zufolge in Deutschland zuletzt rund 1,8 Millionen Menschen in der Pflege tätig.

Quelle: MDR/Ulrich Wittstock, Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: 04. April 2021 | 18:00 Uhr

8 Kommentare

Wenzel vor 23 Wochen

Deutschland hat 9000 Pflegekräfte verloren? Eijeijei wie konnte das denn passieren? Deutschland hat doch so viel applaudiert. Dabei ist die Daseinsfürsorge doch so ein lukratives Geschäftsmodell, dass sogar Aktiengesellschaften Seniorenresidenzen oder Krankenhäuser betreiben. Wie kann das denn sein? Tja, weil jemand den monitären wie auch emotionalen Preis dafür zahlt. Das sind die Schwächsten, die Pflegebedürftigen und die Pflegenden (meist Frauen). Aber neu ist diese Masche doch nicht und die Kirche als Arbeitgeber macht da auch keine rühmliche Ausnahme. So ist es nur konsequent, dass die, die noch weglaufen können, das so schnell wie möglich tun. Also hat Deutschland die Pflegekräfte nicht verloren, nein sie sind ihm weggerannt. Applaus!

Nordlicht - Fan der Sportfreunde Lotte vor 23 Wochen

Viel wäre gewonnen, wenn es eine unabhängige Gewerkschaft für Pflegekräfte geben würde und einen flächendeckenden Tarifvertrag, an den sich private und kirchliche Träger in ganz Deutschland halten müssen.

Nordlicht - Fan der Sportfreunde Lotte vor 23 Wochen

Ich kann ihnen da nur zustimmen. Vielleicht wären unabhängige Gewerkschaften eine Lösung. Dann könnten die "bösen, bösen" Privaten kein Lohndumping mehr betreiben, und die Kirchen könnten sich auch nicht mehr auf ihre Sonderstellung berufen.

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Zwei Laster, die ineinander verkeuilt sind. 1 min
Drei Sattelzüge unter einer Brücke auf der A2 nahe der Anschlussstelle Lostau zusammengestoßen Bildrechte: Matthias Strauss

Auf der Autobahn 2 in Sachsen-Anhalt kommt es derzeit zu Stau und Behinderungen zwischen Magdeburg und Berlin. Dort ereigneten sich seit dem frühen Montagmorgen mehrere Unfälle.

20.09.2021 | 14:05 Uhr

Mo 20.09.2021 12:32Uhr 00:57 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/video-unfall-a-zwei-burg-100.html

Rechte: Matthias Strauss

Video