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Rund 150.000 Kinder werden in Sachsen-Anhalt in Kindertageseinrichtungen betreut. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Unsplash/Paige Cody

Fünf FaktenZu wenig Personal, niedrige Gehälter: So steht es um Sachsen-Anhalts Kitas

17. April 2022, 17:52 Uhr

Bezogen auf die Einwohnerzahl werden in Sachsen-Anhalt so viele Mädchen und Jungen in Kindertageseinrichtungen wie an kaum einem anderen Land. Die Arbeitsbedingungen für das Kita-Personal sind jedoch gezeichnet von niedriger Entlohnung und einem schlechten Personalschlüssel. MDR SACHSEN-ANHALT hat fünf Fakten zu Sachsen-Anhalts Kitas für Sie zusammengefasst.

1. Betreuungsquote in Sachsen-Anhalt bundesweit mit am höchsten

In Sachsen-Anhalt werden gegenwärtig rund 150.000 Kinder unter 14 Jahren in rund 1.800 Kindertageseinrichtungen betreut. Dazu zählen neben Kinderkrippen und Kindergärten auch Horte sowie Tagesmütter und -väter. Je nach Alter unterscheidet sich dabei die sogenannte Betreuungsquote, also der Anteil aller Kinder einer Altersgruppe, für die eine Betreuung in Anspruch genommen wird.

Bei den unter Dreijährigen (U3) in Sachsen-Anhalt ist das bei mehr als jedem zweiten Kind der Fall. Laut den aktuellsten verfügbaren Zahlen lag die Betreuungsquote im U3-Bereich im März 2021 bei 56,9 Prozent – deutlich höher als der Bundesdurchschnitt von 34,4 Prozent.

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Gemeinsam mit Sachsen-Anhalt verzeichnen alle neuen Bundesländer durchweg deutlich höhere U3-Betreuungsquoten als die alten Bundesländer. Das ist einerseits historisch zu begründen, da bereits zu DDR-Zeiten die Ganztagsbetreuung weit verbreitet war. Zudem ist heutzutage in den neuen Bundesländern die Minijob-Quote der erwerbstätigen Frauen deutlich niedriger als in den alten Bundesländern und gleichzeitig die durchschnittliche Wochenarbeitszeit deutlich höher.

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Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung ist das Angebot an institutioneller Kleinkindbetreuung, das Eltern – und de facto insbesondere Mütter – von Kinderbetreuungsaufgaben entlastet, trotz starker Veränderungen immer noch von einem extremen Ost-West-Gefälle geprägt. Allerdings habe sich seit der Wiedervereinigung der ursprünglich extreme Unterschied deutlich verkleinert:

In Westdeutschland war die institutionelle Betreuung von Kleinkindern unter 3 Jahren bis Ende der 1990er-Jahre noch die Ausnahme. Vor allem in den Jahren 2007 bis 2015 fand dann ein starker Ausbau der Kinderbetreuung statt.

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In Sachsen-Anhalt selbst bewegen sich die Betreuungsquoten in allen Regionen auf einem ähnlich hohen Niveau. Nur die Stadt Halle sticht hier deutlich hervor: Ihre Betreuungsquote ist die niedrigste und liegt in beiden Altersgruppen deutlich unter den Quoten der anderen Landkreise. Die höchste Betreuungsquote in beiden Altersgruppen gibt es im Landkreis Wittenberg.

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2. Schlechter Personalschlüssel in Kitas

Seit 2006 ist das Personal in Kindertageseinrichtungen von knapp 13.000 auf mittlerweile rund 19.500 Frauen und Männer stetig angewachsen. Der Anteil von Männern am Pädagogik-, Leitungs- und Verwaltungspersonal stieg dabei von zunächst nur 1,1 Prozent auf mittlerweile 7 Prozent an. Das Durchschnittsalter aller Beschäftigten beträgt momentan knapp 43 Jahre.

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Doch trotz steigender Zahl der Beschäftigten gehört der Personalschlüssel in Sachsen-Anhalt bundesweit zu den Schlechtesten. In der Altersgruppe der unter Dreijährigen kamen hier 2020 im Schnitt 5,6 Kinder auf einen Betreuer bzw. eine Betreuerin. Nur in Mecklenburg-Vorpommern fällt der Personalschlüssel mit 5,9 noch schlechter aus. Bundesweit liegt der Wert bei 4,1.

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Auch in der Altersgruppe der Zwei- bis Achtjährigen gehört Sachsen-Anhalt bundesweit zu den Schlusslichtern: Auf eine Fachkraft kommen in dieser Altersgruppe 10,1 Kinder, bundesweit sind es im Mittel nur 8,2.

Auf MDR-Nachfrage teilt das zuständige Sozialministerium mit, dass der Personalschlüssel als Kenngröße für die Qualität der Betreuung unzureichend ist, da er die fachliche Qualifikation des Betreuungspersonals nicht mit einbezieht. Tatsächlich liege Sachsen-Anhalt hier im bundesweiten Vergleich auf sehr hohem Qualitätsniveau – aufgrund seiner hohen Fachkräftequote.

Zu einem anderen Ergebnis kommt die Bertelsmann-Stiftung in ihrem "Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule 2021". Demnach entsprechen die personellen Rahmenbedingungen in den Kitas in Sachsen-Anhalt nach wie vor nicht-wissenschaftlich begründeten Standards für eine kindgerechte Qualität. Zu wenig Personal wirkt sich dabei insbesondere negativ auf die pädagogische Praxis aus. So können Kitas ohne qualifiziertes Personal in ausreichender Zahl ihren Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsauftrag nicht kindgerecht erfüllen – vielmehr können sie oftmals nur noch die Betreuung der Kinder gewährleisten.

3. Unterdurchschnittliche Gehälter für Kita-Personal

Im Vergleich zu den anderen Bundesländern verdienen Frauen und Männer in Sachsen-Anhalts Kitas verhältnismäßig wenig. Während Vollzeitbeschäftigte deutschlandweit ein mittleres Bruttoentgelt von rund 3.400 Euro bekamen, liegt der Wert in Sachsen-Anhalt mit rund 2.750 Euro deutlich darunter.

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Allerdings stellen diese Angaben lediglich die mittleren Einkommen von Vollzeitbeschäftigten dar, da laut Arbeitsagentur nur so überregionale Vergleich möglich sind. Allerdings arbeiten bundesweit rund 60 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit, also weniger als 38,5 Stunden pro Woche. In Sachsen-Anhalt liegt der Anteil sogar noch deutlich höher, die realen Gehälter für ein Großteil des Kita-Personals dürften also unter den von der Arbeitsagentur ermittelten Werten liegen.

Mit Blick auf die knapp 2.000 Beschäftigten, die in den kommenden fünf Jahren aufgrund des Renteneintritts aus dem Beruf ausscheiden, sieht Eva von Angern – Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt – die Landesregierung in der Pflicht. Um die nachrückenden Erzieherinnen und Erzieher aus den Schulen im Land zu halten, sei eine bessere Bezahlung dieser Fachkräfte dringend nötig. Zwar bilde Sachsen-Anhalt genügend Personal aus, um einem Fachkräftemangel zu begegnen. Aber:

Parallel dazu sorgen flächendeckende Teilzeitbeschäftigung, mangelhafte Personalschlüssel sowie Unterbezahlung für eine große Belastung dieser Fachkräfte und damit insgesamt für eine Abwertung des Berufs. Deshalb gehen viele Fachkräfte in andere Bundesländer, wo die Arbeitsbedingungen bei Weitem besser sind.

Eva von Angern | Die Linke

Damit die Vielzahl an Kindern vernünftig betreut werden könne, brauche es dringend mehr Personal, das gut bezahlt werden müsse, ohne die Eltern einseitig zu belasten. Dafür müsse das Land mehr Geld in die Hand nehmen.

4. Die meisten Kita-Kinder werden ganztags betreut

Zählte Sachsen-Anhalt im Jahr 2006 noch rund 116.000 Kita-Kinder, so stieg die Anzahl zuletzt bis auf rund 150.000 an. Dazu nahm auch die wöchentliche Betreuungszeit der Kinder immer weiter zu. Markant war der Anstieg insbesondere im Jahr 2013, als der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in Kraft trat. Mittlerweile werden etwa 85 Prozent aller Nichtschulkinder in Sachsen-Anhalts Kindertageseinrichtungen mehr als 35 Stunden pro Woche betreut. 2006 lag der Anteil noch bei rund 55 Prozent.

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Laut Sozialministerium ist der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung im Umfang von bis zu zehn Stunden täglich ein Standortvorteil von Sachsen-Anhalt. "In vielen anderen Bundesländern haben berufstätige Eltern diese Möglichkeiten bei der Vereinbarung von Familie und Beruf nicht", so das Ministerium.

5. So stark variieren die Kosten für einen Kitaplatz

Wer sein Kind in Sachsen-Anhalt in Kinderkrippe oder Kindergarten betreuen lassen möchte, zahlt je nach Ort recht unterschiedliche Beiträge. So variieren die jährlichen Kosten für einen Kindergartenplatz mit einer täglichen Betreuungszeit von zehn Stunden je nach Gemeinde um über 1.500 Euro pro Jahr. Ähnlich groß sind die Preisunterschiede bei den Kinderkrippen. Das geht aus einer Datenanalyse von MDR SACHSEN-ANHALT hervor, für die im Sommer 2021 die gültigen Kostenbeiträge aller 218 Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt recherchiert und analysiert wurden.

Ob die Kita im Ihrem Nachbarort günstiger ist als bei Ihnen, können Sie mit einer interaktiven Karte hier herausfinden:

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MDR (Elisabeth Winkler, Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. April 2022 | 09:00 Uhr

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