Extremwetter und Schneemangel So macht sich der Klimawandel in Sachsen-Anhalt bemerkbar

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Der Wandel des Klimas macht sich zunehmend auch in Sachsen-Anhalt bemerkbar. Dürreperioden und extreme Wetterereignisse sind einige der vielen Folgen und treffen gleichermaßen Natur wie auch Menschen. Ein neuer Bericht zeigt nun auf, in welchen Bereichen sich das Klima besonders drastisch gewandelt hat und welche Folgen daraus erwachsen.

Sonnenaufgang Ringheiligtum Pömmelte
Eine Folge des Klimawandels in Sachsen-Anhalt: Die Anzahl der heißen Tage pro Jahr nimmt zu. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Sachsen-Anhalts Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie (MULE) hat am Dienstag den "Monitoringbericht 2020" zum Klimawandel in Sachsen-Anhalt veröffentlicht. In dem rund 80 Seiten umfassenden Papier werden Ergebnisse der landesweiten Klimawandel-Beobachtungen vorgestellt und Schlussfolgerungen für künftige Anpassungen "in allen gesellschaftlichen Bereichen" gezogen.

Temperaturen überall spürbar gestiegen

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurden in Sachsen-Anhalt eine ganze Reihe von klimatischen Veränderungen festgestellt. So ist beispielsweise der Jahresdurchschnitt der Lufttemperatur von 1881 bis 2020 nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) um 1,6 Grad Celsius angestiegen:

In Sommerhalbjahr sind die Temperaturanstiege dabei deutlicher ausgefallen als im Winter. Und regional betrachtet waren die Temperaturzunahmen in den nördlichen und östlichen Landesteilen höher als andernorts.

Mehr Wetterextreme als in den 1960er-Jahren

Im Zusammenhang mit dem Temperaturanstieg hat sich auch die Anzahl sogenannter "Temperaturkenntage" verändert. Gemeint sind damit folgende Temperaturextreme:

  • Heiße Tage (Tage mit einem Maximum der Lufttemperatur ≥ 30,0 °C)
  • Sommertage (Tage mit einem Maximum der Lufttemperatur ≥ 25,0 °C)
  • Tropennächte (Nächte mit einem Minimum der Lufttemperatur ≥ 20,0 °C)
  • Frosttage (Tage mit einem Minimum der Lufttemperatur < 0,0 °C)

Besonders die Anzahl heißer Tage ist stark angestiegen und hat sich vor allem in den Tieflandregionen von Sachsen-Anhalt seit 1961 teilweise verdoppelt. Jedes Jahr durchschnittlich mit rund 50 Sommertagen gerechnet werden, die teilweise auch bis in den Oktober hinein auftreten. Die Zahl der Frosttage ist hingegen leicht zurückgegangen.

In folgender Grafik sehen Sie die durchschnittlichen Temperaturkenntage für ausgewählte Wetterstationen. Über den Button "Station wählen" können zwischen den Stationen hin und her wechseln:

Trockenere Sommer, feuchtere Winter

Sachsen-Anhalt ist das trockenste aller Bundesländer. Seit 1880er-Jahren ist die Menge des jährlichen Niederschlags nahezu unverändert, allerdings mit deutlichen räumlichen Unterschieden. Während Teile Sachsen-Anhalts – insbesondere die Magdeburger Börde im Regenschattenbereich des Harzes – zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands zählen, sind in der Harzregion deutlich höhere jährliche Niederschlagssummen zu verzeichnen.

Allerdings werden die Sommer in weiten Teilen Sachsen-Anhalts zunehmend trockener, während die Winter etwas feuchter werden. Im Zusammenspiel mit steigenden Temperaturen im Sommer hat das zur Folge, dass die Bodenfeuchte in den meisten Regionen rückläufig ist und es zunehmend Bodendürreereignisse gibt.

Allerdings ist die Landwirtschaft für stabile Erträge auf eine ausreichende Wasserversorgung angewiesen. Fehlt diese in Form von Niederschlägen, ist eine zusätzliche Bewässerung nötig – vor allem im Zeitraum Juli bis September.

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Weniger Schnee: Wintertourismus im Harz vor Wandel

Schneehöhen liefert Hinweise auf das in der Schneedecke gespeicherte Wasser und haben vor allem für Hochwasserschutz, Trinkwasserbereitstellung und den Wintersporttourismus eine immense Bedeutung. Der im Zuge des Klimawandels zu erwartende Anstieg der Temperatur kann dabei zu einem Rückgang der Schneehöhe und der Anzahl an Tagen führen, an denen eine geschlossene Schneedecke vorhanden ist.

Für die Betrachtung der natürlichen Schneedecke im Harz ab 500 m Höhenlage im Klimawandel-Bericht des MULE wurden dazu Daten der beiden Wetterstationen Brocken und Schierke ausgewertet. Auch wenn zwischen 1961 und 2019 dabei große jährliche Schwankungen auftreten, ist eine deutliche Abnahme der Schneesicherheit zu beobachten. Für den Wintersport müsse daher in Zukunft mit deutlichen Einschränkungen gerechnet werden.

Liniendiagramm mit der Anzahl der Tage eines Jahres, an denen die Schneehöhe an den Stationen Brocken und Schierke mindestens 20 cm betrug.
Bildrechte: MULE/DWD

Bereits jetzt werden in Schierke nur noch rund 40 Tage mit einer Schneehöhe von mindestens 20 cm erreicht, am Brocken nur noch knapp 120 Tage – Tendenz ist fallend. Laut Klimawandel-Bericht sollten und werden zunehmend Alternativangebote für den Tourismus in der Harzregion in den Fokus rücken.

Klimawandel: Natur und Mensch zunehmend gestresst

Als weitere Folge des Klimawandels haben die Risiken für die Wälder in Sachsen-Anhalt zugenommen, die rund ein Viertel der gesamten Landesfläche ausmachen. Höhere Temperaturen und zunehmende Frühjahrs- und Sommertrockenheit können in Verbindung mit vermehrten Extremwetterereignissen zu einer Erhöhung der Waldbrandgefahr führen.

So hat sich die Anzahl der Tage mit geringer Waldbrandgefährdung in allen Regionen des Landes verringert, während vor allem in den Tieflandregionen die hohe Waldbrandgefahr im gleichen Maß angestiegen ist. In den zurückliegenden Jahren kam es zudem aufgrund lang anhaltender Trockenheit, Hitze und Stürmen sowie anschließendem Schädlingsbefall zu einem sprunghaften Anstieg der Baum-Absterberate.

Im Klimawandel-Bericht wird als weitere Auswirkung des Klimawandels Großstadt-Bevölkerung in den Fokus genommen. Durch eine hohe Bebauungs- und Bevölkerungsdichte, hohe Flächenversiegelung sowie hoch komplexe Infrastruktur- und Versorgungssysteme sind die Menschen einer speziellen stadtklimatischen Situation ausgesetzt.

Anhand der Indikatoren "Heiße Tage" (über 30 °C) und "Tropennächte" (über 20 °C), die für Menschen als besondere Belastung empfunden werden, wurde am Beispiel Magdeburg veranschaulicht, das zwischen 1961 und 2019 die Temperatur im Sommerhalbjahr um durchschnittlich 3 °C angestiegen ist, die Zahl der heißen Tage um neun. Mit einer weiteren Zunahme sei zudem zu rechnen.

Liniendiagramm mit dem Zusammenhang zwischen der jährlichen Anzahl Heißer Tage und dem Temperaturmittel im Sommerhalbjahr an der Station Magdeburg.
Bildrechte: MULE/DWD

Claudia Dalbert, Sachsen-Anhalts Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, fordert im Vorwort des Klimawandel-Berichts die Bevölkerung auf, angesichts der Vielzahl von Folgen des Klimawandels für Natur und Menschen die Klimakrise ernstzunehmen und sich auf einen Wandel einzustellen:

Die Klimakrise erfordert, Anpassungen in allen gesellschaftlichen Bereichen vorzunehmen. Gleichzeitig wollen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen und uns gemeinsam anstrengen, um das Klima zu schützen. Jeder ist gefordert, zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beizutragen. Nur so können wir unseren Enkelkindern eine lebenswerte Erde hinterlassen.

Claudia Dalbert, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Klimafolgenmonitoring Sachsen-Anhalt 2020

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Quelle: MDR, Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. März 2021 | 19:00 Uhr

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