Gastronomie Dehoga warnt vor Kneipensterben: "Es ist fünf nach zwölf"

In Sachsen-Anhalt haben innerhalb von zehn Jahren mehr als 1.000 Gaststätten geschlossen. Nicht nur deshalb ist die Lage ernst, warnt der Hotel- und Gaststättenverband – und fordert, dass Restaurantbetreiber weniger Mehrwertsteuer zahlen müssen.

Ein Kellner mit benutzten Tellern
In Sachsen-Anhalt haben viele Kneipen dicht gemacht. Und es muss einiges gegen das Kneipensterben getan werden, findet der Hotel- und Gaststättenverband. (Archivfoto) Bildrechte: Colourbox.de

Wer ein Restaurant betreibt, sollte für Speisen nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen müssen. Das fordert der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Sachsen-Anhalt, Michael Schmidt. MDR SACHSEN-ANHALT sagte er, das Umsatzsteuergesetz müsse entsprechend angepasst werden. Wer ein Hotel, einen Imbiss oder Kiosk betreibe, zahle auch nur sieben Prozent Mehrwertsteuer.

Nach Meinung der Dehoga in Sachsen-Anhalt ist das "Kulturgut Gastronomie" in Gefahr. Das untermauern auch Zahlen, wonach zwischen 2006 und 2016 insgesamt 1.040 Gaststätten in Sachsen-Anhalt geschlossen haben. "Es ist 5 nach 12", sagt der Michael Schmidt. Das Kneipensterben ist nach seinen Worten besonders in ländlichen Gegenden ausgeprägt – dort also, wo der demographische Wandel besonders zu spüren ist. Schmidt spricht von einer "Spirale", die Neuansiedlungen unattraktiv mache. Dazu kämen andere Lebensumstände, die sich verändert hätten.

Früher ist man zum Feierabendbier in die Kneipe gegangen, das war Dreh- und Angelpunkt der Kommunikation im Ort. Heute gibt es mobile Endgeräte.

Michael Schmidt, Dehoga Sachsen-Anhalt

Dehoga: Viel zu tun gegen das Kneipensterben

Was also tun? Nach Meinung von Michael Schmidt gibt es viel zu tun, um etwas gegen das Kneipensterben zu unternehmen. Vom Land Sachsen-Anhalt fordert der Dehoga-Präsident, mehr für den Ausbau der touristischen Infrastruktur zu unternehmen. Außerdem seien Fortschritte bei der Digitalisierung nötig, um das Marketing in den Gastro-Betrieben voranzutreiben. Die Gäste verlangten zudem gutes WLAN in Hotels und Gaststätten.

Schmidt sprach sich darüber hinaus dafür aus, dass es in Sachsen-Anhalt keine Bettensteuer gibt. Die steht seiner Meinung nach nämlich nicht gerade für Transparenz – und vergrault Touristen.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband – kurz Dehoga – versteht sich als Interessenverband der Branche. Nach eigenen Angaben setzen der Bundesverband und seine Landesverbände sich für bessere politische Rahmenbedingungen und eine gute Wirtschaftspolitik ein. Ziel sei es, Gegenwart und Zukunft des Gastgewerbes zu sichern, heißt es auf der Dehoga-Website.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: FAKT IST! aus Magdeburg | 28. Januar 2019 | 22:05 Uhr

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