Veranstaltungen in Corona-Zeiten Kommentar: Sagt die Weihnachtsmärkte endlich ab!

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Die Adventszeit naht – und mit ihr eine Überlastung der Krankenhäuser. Die Corona-Pandemie ist mit einer Wucht zurück, wie wir sie bisher nicht erlebt haben. Trotzdem sollen ab kommender Woche in Sachsen-Anhalt Weihnachtsmärkte gefeiert werden, zum Teil sogar ohne irgendwelche Zutrittskontrollen. Das ist keine gute Idee. Ein Kommentar.

Eine goldene Kugel hängt an einem Weihnachtsbaum
Der Advent 2021 sollte angesichts der Corona-Lage auch dieses Mal ohne Weihnachtsmärkte auskommen, findet unser Autor. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Am Mittwochabend machten beim Kurznachrichtendienst Twitter einige Videos die Runde. Darin zu sehen war Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Institutes, Deutschlands oberster Seuchenschutzbehörde. Wieler sprach auf Einladung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) zur aktuellen Corona-Lage. Und er hatte nichts Gutes zu berichten; sprach von einer "super düsteren" Lage.

"Wir haben eine Notlage in unserem Land", sagte Wieler. "Wer das nicht sieht, macht einen großen Fehler."

Magdeburg: Weihnachtsmarkt ohne 2G oder 3G

Einige Minuten zuvor veröffentlichte der offizielle Account des Magdeburger Weihnachtsmarktes einen Tweet. "Kommenden Montag, 12 Uhr, eröffnen wir den Weihnachtsmarkt", war dort zu lesen. Und weiter: "Mit Glühwein. Ohne 3G, ohne 2G (bis auf einige Innenbereiche), ohne Einlasskontrollen. ABER: Mit Maskenpflicht überall dort, wo keine 1,5 Meter Abstand gehalten werden können. Bitte haltet Euch daran und seid vernünftig."

Das ist fahrlässig.

Ja, die Märkte finden an der frischen Luft statt. Ja, das senkt das Risiko einer Ansteckung. Und ja: Wir alle können nicht mehr. Nicht erst dieser Sommer hat gezeigt, wie sehr wir uns nach Normalität sehnen. Danach, dass diese Pandemie endlich vorbei ist. Danach, dass wir mit unseren Freunden und unserer Familie eine ganz normale Adventszeit genießen können. Nur, mit Verlaub: Das sollte aktuell nicht im Vordergrund stehen.

36 Todesfälle in dieser Woche in Sachsen-Anhalt

Zwölf am Montag, sieben am Dienstag, elf am Mittwoch, sechs am Donnerstag. Das ist die Zahl derer, die nach einer Infektion mit dem Virus dahingerafft worden sind. 36 Menschen sind in dieser Woche nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben. Allein in Sachsen-Anhalt. Bundesweit ist die Zahl der gemeldeten Todesfälle so hoch, dass das Bild stimmt, wonach täglich ein Flugzeug abstürzt. Auf vielen Intensivstationen weiß das Personal nicht mehr, wie es all das noch bewältigen soll.

Gute Politik sollte immer alle Interessen berücksichtigen. An einer Absage der Weihnachtsmärkte hängen wirtschaftliche Existenzen. Die Beschicker der Buden haben seit fast zwei Jahren massive finanzielle Einbußen, sind gebeutelt von all den Absagen; noch mehr davon, dass der Staat die Auszahlung der versprochenen Prämie zwar irgendwie, aber ganz bestimmt nicht rechtzeitig und unbürokratisch hinbekam. Es ist schon nachvollziehbar, dass man einen Weihnachtsmarkt dann nicht einfach absagt. Dass man sich schwer tut mit einer Entscheidung wie dieser.

Die Ministerpräsidenten sollten ein eindeutiges Signal senden

Was also ist zu tun? Von der Konferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten am Donnerstag muss ein eindeutiges Signal ausgehen. Es tut weh, das zu schreiben, aber: Wir sollten auch in diesem Jahr ohne Weihnachtsmärkte, Karneval und volle Fußballstadien auskommen. Nicht nur in Magdeburg. Überall. Die Stadt Köthen hat gerade heute vorgemacht, wie es gehen kann – und ihre drei Märkte für dieses Jahr abgesagt. Denn wenn fast zwei Jahre Pandemie uns eines gezeigt haben, dann: Nur der Appell zur Vernunft wird nicht reichen.

Und noch etwas ist zu tun: Wir alle sollten solidarisch mit denen sein, die eine Absage am härtesten trifft – denen, deren wirtschaftliche Existenz daran hängt.

MDR/Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. November 2021 | 06:00 Uhr

118 Kommentare

dirk77 vor 8 Wochen

Ich lese immer wieder, das man sich durch die Impfung nicht infizieren kann, das ist doch völliger Blödsinn. Die Auswirkungen der Infektion sind durch die Impfung nur nicht so extrem. Das selbe gilt auch für die normale Grippe. Meiner Meinung nach wird man Cov19 nicht mehr ausrotten können, genauso wie die Influenza. Wir werden lernen müssen damit zu leben und die Impfungen immer wieder aufzufrischen. Wer sich nicht impfen lässt, muss dann halt mit den Konsequenzen leben, oder auch nicht. Alle Veranstaltungen abzusagen ist völlig übertrieben und auch der falsche Weg. Wie weit soll das dann noch gehen, für die kommenden Jahre ? Das öffentliche Leben wird dann wohl in den Wintermonaten komplett herruntergefahren oder wie soll man das sehen ? Das bedeutet dann auch keine Weihnachtsmärkte mehr in Zukunft oder andere Großveranstaltungen. Na dann, auf eine besinnliche Weihnachtszeit.

JanoschausLE vor 9 Wochen

wwdd,
Haben Sie eine Quelle, wo Spahn dies Herabwürdigende über med. Persol gesagt haben soll? Das klingt eher nach afd-Höcke oder anderen afd-Funktionären. Solch Schwachsinn könnte auch von afd-Urban kommen, der ja behauptet, wir sollen uns jetzt gesund ernãhren und Sport treiben, schon sei jetzt unser Immunsystem geschützt. Naja, Urban hat ja in seiner biographie nichts so richtig auf die Reihe bekommen, wie soll er da eine Pandemie verstehen. Richtig fähiges Personal bei der Truppe.

JanoschausLE vor 9 Wochen

Also, Altmeister, ausgelastet oder überlastet war das Gesundheitswesen die letzten 20 Jahre wohl kaum, zumindest in den KH. Wenn in der Fläche niedergelassene Fach-und Hausärzte fehlen, man lange auf Termine warten muss, für Land Bewohner weite Anfahrtsweg, was ich auch kritisiere, das hat nichts mit der Lage durch corona in den ITS zu tun.
Dass sich Fachärzte nur in Kleinstädten aufwärts ansiedeln, nicht in Dörfern, das ist deren eigenes Geschäfsmodell. Hausärztemangel auf dem Land, auch das hat nichts mit Corona und der dadurch Belastung des Gesundheitswesens zu tun.

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