Wirtschaft Betriebe kritisieren mögliche Corona-Testpflicht in Sachsen-Anhalt

Eine mögliche Corona-Testpflicht für Betriebe in Sachsen-Anhalt sorgt bei Firmen für Kritik. Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden sollen regelmäßig auf das Virus getestet werden. 1.350 Betriebe wären betroffen.

Eine Mitarbeiterin des Landkreises Harz untersucht im Testzentrum in der Anne-Frank Grundschule in Halberstadt einen Corona Schnelltest.
Betriebe in Sachsen-Anhat sorgen sich um den Aufwand, den die Einführung einer Testpflicht verursachen könnte. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Eine mögliche Corona-Testpflicht für Betriebe in Sachsen-Anhalt sorgt bei vielen Firmen für Kritik. Nach Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT beklagen viele Betriebe einen großen Aufwand. So brauche man auch medizinisch geschultes Personal für korrekte Abstriche. In produzierenden Betrieben müssten in den Werkhallen extra Hygienebereiche für die Schnelltests eingerichtet werden. Auch der Aufwand zur Dokumentation der Tests wird als hoch eingeschätzt.

Ministerpräsident Reiner Haseloff hatte sich dafür ausgesprochen, Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern regelmäßig auf das Virus untersuchen zu lassen. Betroffen wären in Sachsen-Anhalt etwa 1.350 Betriebe mit rund 350.000 Beschäftigten.

Kosten bereiten Sorgen

Proben für einen PCR-Test werden von einem Mitarbeiter im Corona-Testzentrum verpackt.
Viele Fragen sind noch offen: Wer soll die Tests durchführen, wer dokumentiert sie und wie sollen die Tests bezahlt werden? Bildrechte: dpa

Die Empl-Fahrzeugwerke in Elster im Landkreis Wittenberg zum Beispiel erklärten, die knapp 200 Beschäftigten müssten in Gruppen zur Schicht kommen, um die Abstriche logistisch zu meistern. Der Dessauer Schienenfahrzeughersteller Molinari mit etwa 100 Beschäftigten sorgt sich dagegen um die Kosten. Bei Preisen bis zu 5 Euro pro Schnelltests und mehreren Testungen pro Woche, käme schnell ein fünfstelliger Betrag pro Monat zusammen.

Der Folienhersteller Polifilm in Weißandt-Gölzau im Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit etwa 1.100 Beschäftigen stellte die Frage, wo die Tests gelagert werden sollen. Auch sei nicht klar, welche Auswirkungen ein positiver Test für die Belegschaft und das Unternehmen hätte.

Viele Betriebe testen bereits

Nach Angaben der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Sachsen-Anhalt lassen die meisten großen Betriebe im Land ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohnehin bereits testen. Bei kleineren Betrieben würden etwa die Hälfte ihren Beschäftigten Tests anbieten oder dies planen. Das geht aus einer Umfrage der Industrie-und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau hervor. Gut 15 Prozent der Betriebe sind demnach geschlossen oder die Mitarbeitenden im Homeoffice. Das verbleibende Drittel wäre von der Testpflicht betroffen.

Quelle: MDR

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