Corona-Langzeitfolgen Kurstandorte wollen Long-Covid-Patienten behandeln

MDR-Reporter André Damm
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Die Kurstandorte in Sachsen-Anhalt haben unter der Corona-Pandemie gelitten. Da weniger operiert wurde, kamen in die Reha-Kliniken auch weniger Patienten. Empfindliche Umsatzeinbußen waren die Folge. Doch Standorte wie in Bad Salzelmen und Bad Schmiedeberg versuchen aus der Not eine Tugend zu machen. Sie wollen umrüsten und ihr Personal schulen, um auch Long-Covid-Patienten behandeln zu können. Denn bundesweit gibt es für solche Erkrankungen nur wenige Therapiestandorte und lange Wartelisten.

Patientin bei einer Untersuchung.
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Die Corona-Pandemie ging an den 460 Mitarbeitern des Eisenmoorbades in Bad Schmiedeberg nicht spurlos vorüber. Viele Beschäftigte infizierten sich, auch Ärzte waren betroffen. Und einige Mediziner bekennen, dass sie immer noch Beschwerden haben. So kam die Kurgesellschaft auf die Idee, sich selbst um Long-Covid-Patienten zu kümmern.

Kurdirektor Deddo Lehmann findet, dass man in den Bereichen Orthopädie und Gynäkologie eine große medizinischen und therapeutische Kompetenz vorweisen könne. Und diese lasse sich auch auf die Behandlung von Post-und Long-Covid-Patienten übertragen.

Kurdirektor Deddo Lehmann steht unter einem Baum in einem Park.
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Wir verfügen über Atemtherapeuten, wir haben Inhalationsanlagen, wir haben Möglichkeiten der Stressbewältigung – alles das, was im  Rehabilitationsprozess notwendig ist, so dass wir bei der Therapie von Spätfolgen unseren Beitrag leisten können.

Deddo Lehmann Kurdirektor

Laut einer Studie der Universität Mainz haben 40 Prozent der mit dem Corona-Virus Infizierten mehr als ein halbes Jahr lang typische Covid-Symptome. Sich kaputt fühlen, Muskel-und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Atemnot, Lähmungserscheinungen und Gedächtnisstörungen – das alles gehört dazu. In Bad Schmiedeberg, hofft Kurdirektor Lehmann, sei man in der Lage, solche Beschwerden zu lindern.

Es gibt momentan Kliniken, die sich spezialisiert haben, Pneumologen beschäftigen, die Atemwegserkrankungen therapieren. Das wird aber nicht ausreichend sein. Man muss es breiter aufstellen. Und da kommen wir als Kurstandort ins Spiel. Es sind ja oftmals Konzentrationsschwierigkeiten oder dass man nur eingeschränkt bewegungsfähig ist – dafür sind wir in der Dübener Heide ausgerichtet, dass man das im Umkreis der Reha-Kliniken wunderbar wieder trainieren kann, unter bewährter fachlicher und therapeutischer Anleitung.

Deddo Lehmann Kurdirektor

Der Kurdirektor verweist auf das neue Gradierwerk, das erst voriges Jahr in Betrieb genommen wurde. Der hohe Salzgehalt helfe gerade bei Atemwegserkrankungen: schleimlösende Nordseeluft in Mitteldeutschland. Auch das sei ein Grund, in Bad Schmiedeberg Long-Covid-Patienen aufzunehmen.

Corona-Folgen werden uns noch lange beschäftigen

Bürgermeister Martin Röthel (SPD) steht hinter diesem Kurs. "Ich denke, dass unsere Stadt optimal dafür geeignet ist. Die Infrastruktur ist da, auch bringt das Eisenmoorbad viel Reha-Erfahrung mit ein." Nun müsse man abwarten, wie das eingereichte Konzept bei den Kostenträgern ankommt.

Eine ähnliche Strategie fahren auch andere Kurorte in Sachsen-Anhalt. In Bad Salzelmen bei Schönebeck werden in der Reha-Klinik bereits Long-Covid-Patienten behandelt. Der Bedarf ist riesig, glaubt Kur-Betriebsleiterin Sybille Schulz. "Covid wird uns noch viele Jahre beschäftigen."

Auch für Bad Kösen sind derartige Behandlungen ein Thema. Laut Geschäftsführer Ulrich Klose stehe man aber erst am Anfang. "Mit unsere Sole und dem Gradierwerk sind wir dafür prädestiniert. Aber noch sind die Spätfolgen von Long-Covid nicht genau erforscht. Das gilt auch für die Therapiemöglichkeiten. Die medizinische Umsetzung wird in Bad Kösen kommen, wann, steht aber noch nicht fest."

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MDR (André Damm, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 10. Januar 2022 | 14:40 Uhr

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