Pläne von SPD, Grünen und FDP im Bund Arbeitgeber warnen vor früherem Kohleausstieg

Sachsen-Anhalts Arbeitgeberpräsident warnt vor einem vorgezogenen Kohleausstieg. Die Debatte darüber ist für ihn ein falsches Signal. Der Strukturwandel brauche Zeit. Dabei gehe es auch um Arbeitsplätze und Perspektiven. Auch Ministerpräsident Haseloff und die betroffenen Regionen sehen die Pläne für einen früheren Ausstieg kritisch.

Das warme Licht der tiefstehenden Abendsonne scheint auf die Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).
Sachsen-Anhalts Arbeitgeberpräsident kritisiert die Pläne der angehenden Ampelkoalition für einen vorgezogenen Kohleausstieg. Bildrechte: dpa

Die Arbeitgeberpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen warnen in einem gemeinsamen Brief vor einem vorgezogenen Kohleausstieg und davor, dass der Osten bei der Energiewende abgehängt werden könnte. Marco Langhof, Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt (AWSA), sieht in der Debatte um einen schnelleren Ausstieg aus der Braunkohleverstromung ein falsches Signal.

"An der mitteldeutschen Braunkohle hängt ein Viertel der Wertschöpfung in der Region. Es braucht Zeit für einen adäquaten Ersatz, sonst drohen erhebliche Verwerfungen", sagte er MDR SACHSEN-ANHALT. Es ist das erste Mal überhaupt, dass die Arbeitgeberverbände aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einem gemeinsamen Forderungskatalog an die Öffentlichkeit treten.

Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Das zeige die Dringlichkeit des Themas, sagte Langhof: "Auch wir wollen die Transformation der Wirtschaft, aber man darf das Erreichte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Es geht schließlich um Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Perspektiven für die Region." Die Wirtschaft in Mitteldeutschland verfüge über lange industrielle Traditionen, und man wisse, wie Transformation funktioniere. Die Unternehmen seien bereit, die demografischen, ökologischen und digitalen Herausforderungen der Zeit zu meistern.

Statt Aktionismus und zeitgeistgeleiteter Symbolpolitik bräuchte man verlässliche Weichenstellungen, so heißt es in dem Schreiben der drei Arbeitgeberpräsidenten. Dazu zähle auch, dass der Fahrplan zum Kohleausstieg Bestand haben müsse. Der Umbau der Wirtschaft zu klimaneutraler Produktion sei wichtig, aber zugleich dürfe der Ast, auf dem man sitze, nicht angesägt werden, sagte Langhof.

#MDRklärt So ist der Stand beim Kohleausstieg in Sachsen-Anhalt

Im Dezember 2021 soll in Deuben, Sachsen-Anhalt, das älteste Kohlekraftwerk Deutschlands vom Netz gehen. Ein Grund sich anzuschauen, wie es um den momentanen Kohleausstieg in Sachsen-Anhalt steht.

So ist der Stand beim Kohleausstieg in Sachsen-Anhalt
Bildrechte: MDR/dpa
So ist der Stand beim Kohleausstieg in Sachsen-Anhalt
Bildrechte: MDR/dpa
So ist der Stand beim Kohleausstieg in Sachsen-Anhalt
Bildrechte: MDR
Tagebau Profen  Standort: Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier  Abbau: 5,5 Millionen Tonnen pro Jahr Geplante Stilllegung: voraussichtlich 2035   Tagebau Amsdorf Standort: Seegebiet Mansfelder Land Abbau: 500.000 Tonnen pro Jahr Geplante Stilllegung: ausstehend
Bildrechte: MDR
Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
MDR/Maximilian Fürstenberg
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE 29. August 2021 | 19:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Max Schörm
Alle (4) Bilder anzeigen

Auch Haseloff sieht früheren Ausstieg kritisch

Der Arbeitgeberpräsident sieht in der Debatte um einen vorgezogenen Kohleausstieg noch eine weitere Dimension: "Es geht in dieser Frage auch um politische Glaubwürdigkeit. Wenn das Vertrauen der Bürger in mühsam erarbeitete Kompromisse erschüttert wird, dann stärkt das vor allem die politischen Ränder." Anlass für den Brief sind Überlegungen von SPD, Grünen und SPD in Berlin, den für 2038 geplanten Kohleausstieg möglicherweise vorzuziehen.

Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte sich vergangene Woche zu diesen Plänen geäußert. "Ich sehe es kritisch, ich sehe es wirtschaftlich nicht für umsetzbar", sagte er. Bei der Debatte gehe es auch um Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit. Das Versprechen, dass für jeden weggefallenen Arbeitsplatz ein neuer entstehe, könne bei einer Halbierung der Ausstiegszeit nicht gehalten werden. Auch die betroffenen Kohleregionen sehen die Pläne kritisch.

MDR/Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 28. Oktober 2021 | 05:00 Uhr

47 Kommentare

nasowasaberauch vor 4 Wochen

Für mich ist die Diskussion Schattenboxen. Der Kohleausstieg ist beschlossen und ob er nun bis 2030 realisierbar ist wird sich zeigen oder bis 2038 dauert ist global für das Klima ohne Belang. China will ab 2030 seinen CO2 Ausstoß reduzieren und keine Kohlekraftwerke im Ausland mehr finanzieren. Die im Bau befindlichen gehen bestimmt noch in Betrieb und so wird die CO2-Emission weiter steigen, egal was hier im Land passiert. Ehe wir hier im Land neue Windmühlen aufstellen, sollte an der Grundlastfähigkeit zwecks Versorgungssicherheit und an der Energieumformung gearbeitet werden. Da ist noch viel zu tun, bis diese Technologien vom Leuchtturm zur Massentauglich entwickelt sind. Ja, und der Strompreis...

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Hallo Kritiker
„Es wird eine Energielücke entstehen, die wir nicht schließen können.“
Reiner Haseloff, CDU Ministerpräsident Sachsen-Anhalt
Hier steht die Aussage eines Ministerpräsidenten.
Und keine mehrfach verifizierte Aussage eines Wissenschaftlers.
Und darauf versuchen sie ein Landuntergangs-Szenarium aufzubauen das zwangsläufig eintreten muss wenn wir 2030 das letzte Kohlekraftwerk abschalten.

goffman vor 4 Wochen

Das stimmt so einfach nicht.
1. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein großes Kraftwerk länger ausfällt, ist deutlich größer, als dass viele kleine Kraftwerke ausfallen.
2. "Flaute" ist nur bei kleinen Netzen ein Problem. Betrachten wir das Netz Deutschland oder Europaweit besteht das Problem praktisch nicht.
3. Wir können die Sonne nicht steuern. Sehr wohl aber den Verbrauch. Man kennt das Prinzip von Nachtspeicheröfen - es gibt viele Verbraucher, die sich nach der aktuellen Stromproduktion richten könnten.

Die Versorgungssicherheit kann auch mit Regenerativen gewährleistet werden, wenn wir die Netze (europaweit) aus ausbauen, die Anzahl an Kraftwerken deutlich erhöhen, Speichertechnologien nutzen und weiterentwickeln und den Verbrauch smart steuern.
Das ist definitiv machbar und deutlich günstiger als Atomstrom oder gar ein ungebremster Klimawandel. Und wir wären, anders als jetzt, unabhängig von außereuropäischen Interessen.

Mehr Politik in Sachsen-Anhalt