Aufruf der Kassenärztlichen Vereinigung Für die medizinische Versorgung: Hausärzte sollen Rente verschieben

Vor allem im ländlichen Raum sorgt das Fehlen von Hausärzten für immer größere Probleme. Um sie kurzfristig nicht noch zu vergrößern, hofft die Kassenärztliche Vereinigung, dass ältere Mediziner einfach noch ein paar Jahre dranhängen, ehe sie in Rente gehen. Eine Dauerlösung ist das aber gewiss nicht.

Hausarzt Sprechzimmer
Um den Mangel an Hausärzten kurzfristig nicht zu verschärfen, hofft die Kassenärztliche Vereinigung auf den Arbeitseifer älterer Kollegen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Westend61

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt, Jörg Böhme, hat wegen des Ärztemangels ältere Kolleginnen und Kollegen aufgerufen, die Rente um ein paar Jahre zu verschieben. Böhme sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er glaube, das sei die einzige kurzfristige Lösung, "damit uns das Problem nicht mit einem Mal überrennt".

Ein Mediziner sitzt an seinem Schreibtisch.
Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Wir wollen die Kolleginnen und Kollegen, die am Netz sind und das Rentenalter bald erreichen, motivieren, doch noch ein paar Jahre länger auszuhalten.

Jörg Böhme Kassenärztliche Vereinigung

Schon jetzt seien in Sachsen-Anhalt fast 260 Hausarzt-Stellen unbesetzt, sagte Böhme. Nehme man die Zahl der Hausärzte, die älter als 60 Jahre sind, hinzu, fehlten perspektivisch gut 600 Hausärzte, sofern kein Ersatz gefunden werde. Insgesamt seien gut 460 Hausärzte im Land älter als 60. Insgesamt gibt es laut Kassenärztlicher Vereinigung knapp 1.500 Hausärzte im Land.

Der ausgebildete Nachwuchs decke die Lücke schon seit Jahren nicht mehr, erklärte Böhme. Deshalb müsse die Zahl der Medizinstudienplätze erhöht werden, forderte er.

Quote für Landärzte soll helfen

Um das Problem langfristig abzumildern, läuft in Sachsen-Anhalt aktuell die dritte Bewerbungsrunde im Zusammenhang mit einer sogenannten Landarztquote. Dabei wird ein gewisser Prozentsatz an Medizinstudienplätzen für Landärzte vorgehalten.

Sie verpflichten sich im Gegenzug, nach Studium und anschließender Weiterbildung zum Facharzt für mindestens zehn Jahre in unterversorgten oder absehbar unterversorgten Regionen in Sachsen-Anhalt zu arbeiten. Im Gegenzug kommen die Universitäten unter anderem bei der Abiturnote entgegen. In einem Auswahlverfahren geht es auch um die Frage, wie motiviert oder geeignet Bewerberinnen und Bewerber als Landärzte sind.

Ärztin in Sangerhausen hat fünf Jahre Nachfolger gesucht – ohne Erfolg

Hausärztin Angelika Herzog in ihrer Praxis in Sangerhausen
Hat niemanden gefunden, der ihr nachfolgt: Hausärztin Angelika Herzog in ihrer Praxis in Sangerhausen Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Von der Schwierigkeit, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, hatte zuletzt auch die Allgemeinärztin Angelika Herzog berichtet. Die 63-Jährige will ihre Praxis in Sangerhausen zum Ende des Monats aufgeben. Die fünf Jahre andauernde Suche nach einem Nachfolger war aber erfolglos, sagte Herzog vor rund einem Monat MDR SACHSEN-ANHALT.

Der Landkreis Mansfeld-Südharz, dessen Kreisstadt Sangerhausen ist, gibt nach eigenen Angaben jährlich rund 150.000 Euro aus, um mit Stipendien und einer Förderung potenzielle Landärzte in die Region zu locken – im Fall von Angelika Herzog war das erfolglos.

Mehr zum Thema: Ärztemangel in Sachsen-Anhalt

MDR (Carolin Fröhlich, Stefan Bernschein, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. März 2022 | 19:00 Uhr

28 Kommentare

pwsksk vor 26 Wochen

Das glaube ich ihnen einfach nicht. Wenn ein Landarzt (Info TV) 30€ für einen Hausbesuch mit dem eigenen Auto erhält und dafür ca. 1 Stunde braucht, schafft er am Nachmittag wieviel Patienten? Vormittags ist die Hütte voll, richtig. Mindestens eine oder 2 Schwestern etc. Da muss er sich aber anstrengen für 70 Tsd. € brutto im Quartal.

pwsksk vor 26 Wochen

Also ihre Sprüche sind auch immer dieselben. Reale Einschränkungen generell abzuwerten und keine Ahnung von dem zu haben, was "draußen" läuft.
Es ist eben nicht so, dass genügend Praxissitze vorhanden sind. Und wenn diese paar Ärzte in Rente gehen, geht das Licht aus oder ist schon passiert. Wenn ich von Bund und Vereinigung etc. höre, weiß ich auch, wo das Geld versenkt wird. Und denen, die die Arbeit am/mit dem Patienten machen, wird es nicht gegönnt. Kein zielgerichtetes System braucht solche unnützen "Zwischenorganisationen". Der Versuch mit Quoten wird genau so scheitern, es lässt sich keiner zwingen, Landarzt zu werden.

ElBuffo vor 26 Wochen

Und am Dachdecker muss man nun alles festmachen? Wenn es körperlich anstrengende Berufe gibt, dann gehen die eben eher in Rente. Dafür werden dann entsprechend höhere Rentenversicherungsbeiträge abgeführt und fertig ist. Hier im Artikel geht es um Hausärzte und es wird das Beispiel 63 Jahre angeführt.

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