Nach Bundestagswahl CDU-Landeschef Schulze fordert Aufarbeitung CDU-Wahlergebnisse

Der Parteichef der CDU in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, spricht sich für eine Aufarbeitung der Wahlergebnisse seiner Partei bei der Bundestagswahl aus. Im Wahlkampf habe der CDU Themen gefehlt, die Wähler in Ostdeutschland bewegen. Zudem will Schulze mehr Mitbestimmung der Partei-Basis.

Sven Schulze, Landesvorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt, spricht in der CDU-Landeszentrale zu den Medienvertretern.
CDU-Landeschef Sven Schulze (Archivbild) Bildrechte: dpa

Nach der Schlappe der CDU bei der Bundestagswahl fordert der Chef der CDU in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, eine Aufarbeitung der Wahlergebnisse. Auf dem Parteitag der Landes-CDU am Samstag sagte Schulze MDR SACHSEN-ANHALT, dass der CDU die Inhalte gefehlt hätten. "Wir hatten keine Themen für Ostdeutschland bei der Bundestagswahl, die wirklich auch hängengeblieben sind bei den Wählern", so Schulze.

Hierbei ist es laut dem Landes-Chef auch wichtig, die Kampagnenfähigkeit zu verbessern. Es gehe nicht nur darum, Plakate aufzuhängen oder Flyer zu verteilen, man müsse flächendeckend bei den Menschen sein und auf Themen vor Ort reagieren. Die Partei müsse den Menschen wieder das Gefühl geben, dass sie ihre Anliegen verstehe.

Kritik an Entscheidung für Spitzenkandidat Laschet

Eine weitere Ursache für die verheerenden Wahlergebnisse der CDU sieht Schulze darin, dass viele Menschen in den östlichen Bundesländern mit dem Personal aus Berlin nicht zufrieden gewesen seien. Der Landes-Chef forderte daher mehr Mitbestimmung der Basis der Partei und sprach sich für andere Wege zur Entscheidungsfindung aus. "Ich halte es für falsch, dass das Urteil des Bundesvorstands allein ausschlaggebend dafür ist, wer unser Spitzenkandidat wird", sagte Schulze. Er hätte sich gewünscht, dass die Kreisvorsitzenden bei der Entscheidung einbezogen worden wären.

Das ist Sven Schulze

Der Quedlinburger Sven Schulze ist nicht nur der erste Sachsen-Anhalter an der Spitze der Landespartei seit 1998, sondern auch der jüngste Vorsitzende in der Geschichte des Landesverbandes. Ministerpräsident Reiner Haseloff pries ihn als "Hoffnungszeichen" aus "unserem Land".

Und Schulze hat schon viele Hoffnungen erfüllt: Er schmiedete recht geräuschlos die Koalition aus CDU, SPD und FDP. In der neuen Regierung ist er nun Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten. Das große Haus soll Schulze die Chance geben, sich zu profilieren. Er wird als Nachfolger von Ministerpräsident Haseloff gehandelt.

Dem studierten Wirtschaftsingenieur und dreifachen Vater mangelt es jedenfalls nicht an politischer Erfahrung. Kurz vor dem Abitur 1997 trat Schulze der CDU bei. Seitdem durchlief er alle Stationen einer klassischen politischen Karriere: von der Kommunalpolitik über den Landesvorsitz der Jungen Union bis hin zum Abgeordneten im Europäischen Parlament.

2016 übernahm er nach der schwierigen Regierungsbildung der CDU mit SPD und Grünen den neu geschaffenen Posten des Generalsekretärs der Landespartei. Dabei war er vor allem als Krisenmanager gefordert. Immer wieder musste der Generalsekretär seine Partei gegen den Verdacht einer mangelnden Abgrenzung nach rechts in Schutz nehmen, etwa Ende 2019 und Mitte 2020, als Verbindungen von CDU-Mitgliedern zu Rechtsextremen bekannt wurden.

Im März 2021 wurde Schulze zum Parteichef gewählt. Im Juni fuhr die CDU bei der Landtagswahl mit 37,1 Prozent ein starkes Ergebnis ein. Nur drei Monate später stürzte die Partei bei der Bundestagswahl jedoch auf rund 21 Prozent ab. Das war das schlechteste Ergebnis der CDU im Land bei einer Bundestagswahl. (Quelle: dpa)

CDU erzielt schlechtestes Wahlergebnis

Auf einem Parteitag der CDU ist Schulze am Samstag in seinem Amt als Parteichef bestätigt worden. Rund 77 Prozent der Deligierten stimmten für ihn. Schulze hatte erst im März die Führung des Landesverbands übernommen, nachdem sein Vorgänger Holger Stahlknecht zurückgetreten war.

Bei der Bundestagswahl vor einer Woche fuhr die CDU mit 21 Prozent das schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt ein. Die Partei verlor dabei sechs ihrer bisher neun Direktmandate. Vier davon gingen an die SPD, zwei an die AfD.

MDR/Roland Neuschulz, Sarah Peinelt, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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