Interview zu Corona-Impfungen Impfstoffmenge, Impfpflicht, Termine – Gesundheitsministerin beantwortet Ihre Fragen

Die Menge des gelieferten Impfstoffs, Probleme bei der Terminvergabe und wer wird wann geimpft – Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne hat sich am Mittwoch den Fragen von MDR-SACHSEN-ANHALT-Nutzerinnen und Nutzern gestellt. Sie hat sich dabei gegen eine Impfpflicht ausgesprochen.

Petra Grimm-Benne zeigt Smartphone mit Corona-App
Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne bei der Vorstellung der Corona-Warnapp Bildrechte: imago images / Lutz Sebastian

Wie zufrieden sind Sie mit dem Impfstart in den Zentren?

Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne: Ich bin stolz, dass alle 14 Impfzentren in Sachsen-Anhalt einsatzbereit sind. Ausgehend von den Zentren sind ja bereits 40 mobile Impfteams unterwegs in die Alten- und Pflegeheime im Land. Seit Montag gibt es in vielen Zentren auch Impfungen nach einer Terminvergabe. Es ist wichtig, das zusätzlich anzubieten, obwohl wir derzeit noch wenig Impfstoff haben.

Wie sollen Menschen über 80 in die Impfzentren kommen?

Wir wissen, dass es für viele sehr schwierig ist, die Impfzentren aufzusuchen. Deshalb beabsichtigen viele Kommunen, ältere Menschen persönlich anzuschreiben und ihnen ein Angebot zu machen, sich in Räumlichkeiten vor Ort von einem mobilen Impfteam impfen zu lassen. Die mobilen Teams werden auch nicht nur die Heime besuchen, sondern zum Beispiel auch Einrichtungen für betreutes Wohnen. Die Träger wissen in der Regel ganz genau, wann die Teams kommen. Ich kann versichern, es wird niemand vergessen.

Die Hotline für die Impfterminvergabe ist ständig besetzt, die Online-Terminvergabe ist für Ältere schwierig...

Viele Zentren können schon nach kurzer Zeit keine Termine mehr vergeben, weil sie keinen Impfstoff mehr haben. Im Augenblick besteht das Problem, dass es zu wenig Impfstoff gibt. Wenn es mehr Lieferungen gibt, dann werden auch schneller Termine möglich. Ich bitte aber weiterhin um Verständnis, da die Impfzentren ja einen Kaltstart gemacht haben - und dafür ist es in Sachsen-Anhalt sehr gut gelaufen. Es ist keine Hotline zusammengebrochen.

Stichwort Impftourismus: Sollten die Impfungen nicht für Menschen in ihren jeweiligen Landkreisen vorgehalten werden?

Wir haben bewusst darauf verzichtet zu unterscheiden, wo jemand wohnt, sondern schauen darauf, ob er berechtigt ist. Und wenn er berechtigt ist, kann er sich ein Impfzentrum aussuchen. Die Software ist so angelegt, dass sie in einem Radius von 150 km berücksichtigt, ob ein Angebot unterbreitet werden kann. Das hat wenig mit Impftourismus zu tun. Viel wichtiger ist es, diejenigen, die berechtigt sind, auch zu impfen. Oberste Priorität ist, dass wir schnell durch die Hoichrisikogruppen kommen.

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Kann ich meinen Impfstoff auswählen?

Ich würde zunächst auf den Impfstoff zugreifen, den wir haben, das ist zuerst der von Biotech, der aber wegen seiner Lagerung bei -70 Grad nicht in den Hausarztpraxen verimpft werden kann. Auch der Impfstoff von Moderna muss kalt gelagert werden bei -20 Grad. Wenn man eine Auswahl haben will, muss auf den Impfstoff von Astrazeneca warten, der kann bequem über Hausätzte verimpft werden. Allerdings ist bisher nicht klar, ob auch Hochbetagte damit geimpft werden können oder nur Menschen bis 55 Jahre.

Zählt denn in Pflege- und Altenheimen auch das Personal der Verwaltung und Technik zu denen, die vorrangig geimpft werden?

Ja, sie zählen dazu. Im Moment machen die Impfteams aber auch da eine Priorisierung und impfen vorrangig Pflegepersonal. Andere Angestellte in den Heimen gehören aber grundsätzlich auch zur ersten Gruppe der Impfberechtigten.

Warum werden Dialysezentren und deren Patienten nicht mit Pflegeheimen gleichgestellt?

Die Angestellten der Dialysezentren gehören zur ersten Gruppe, die Patienten sind in der nächsten Priorisierungsgruppe erfasst. Grundlage dafür ist die Bundesimpfverordnung. Demnach haben über 80-Jährige sowie medizinisches und Pflegepersonal höchste Priorität.

Darf ich eine Pflegekraft fragen, ob sie geimpft ist und davon die Behandlung abhängig machen?

Ja, der Patient darf die Pflegekraft fragen, ob sie geimpft ist. Es besteht aber keine Impfpflicht. Ich empfehle, das Gespräch mit dem Pflegedienst zu suchen und das Ganze abzuklären. Wer nachhaltig unzufrieden ist, dem ist es natürlich möglich, den Diewnst zu wechseln.

Was halten Sie von einer Impfpflicht?

Gar nichts. Ich setze auf gute Aufklärung. Es gibt bisher keine schweren Nebenwirkungen. Wir hoffen, dass die Impfbereitschaft dadurch hoch bleibt.

Handeln z.B. Flugzeuglinien oder Veranstalter rechtens, wenn sie Ungeimpfte von ihren Angeboten ausschließen?

Ja. Das sind immer Unternehmensentscheidungen, und da hat der Staat nichts zu bestimmen. Diese Frage wird bald rauf und runterdebattiert werden.

Wie sollen mehr Menschen von der Impfung überzeugt werden?

Umfragen im Dezember haben eine Bereitschaft von bis zu 60% ergeben, aus einer Zeit, in der noch gar nicht geimpft wurde. Ich höre von unseren Impfteams, dass die Bereitschaft zum Beispiel unter Klinik- und Pflegepersonal immens zugenommen hat. Die guten Erfahrungen auch bei den über-80-Jährigen werden helfen, die Akzeptanz zu erhöhen. Ich glaube auch, dass die hohen Inzidenzzahlen dazu führen, dass viele sagen die Impfung ist mein Einstich zu einem normalen Leben im Jahr 2021.

Was geben Sie den Menschen mit auf den Weg?

Dass wir uns in Geduld üben. Wir machen alles, dass jeder an die Reihe kommt. Trotzdem ist es gerade jetzt wichtig, alle Corona-Regeln einzuhalten, so lange wir noch nicht so viele Menschen impfen konnten.

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Quelle: MDR/kö

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 13. Januar 2021 | 15:00 Uhr

2 Kommentare

ElBuffo vor 13 Wochen

Ob das einfach wird, wage ich ein wenig zu bezweifeln. Ist ja nicht so, dass die jetzt nichts zu tun haben. Und dann noch nebenbei Hunderte Leute zweimal impfen und 10-15 Minuten beobachten. Vorher die Termine rausgeben. Und bis dahin noch zigtausend Mal die Frage beantworten, wann es losgeht, welchen Impfstoff bekomme ich, den will ich aber nicht, wie soll ich denn ins Impfzentrum kommen, ich habe doch die ganze Woche keine Zeit, am liebsten wäre es mir zwischen Rote Rosen und Verbotene Liebe.....

jackblack vor 13 Wochen

Das einfachste wären die Hausärzte, ist dann wie bei Grippeschutz, da wartet man eben noch ein wenig.

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