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Sachsen-Anhalt will in den kommenden Wochen für eine Corona-Impfung werben. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Nach gemeinsamer BeratungCorona-Pandemie: Sachsen-Anhalt will den "Impfturbo" anwerfen

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 19. Juli 2021, 17:31 Uhr

In Sachsen-Anhalt sollen mehr Menschen als bisher für eine Corona-Impfung gewonnen werden. Darauf haben sich Landessozialministerin Petra Grimm-Benne, die Landräte sowie die Kassenärzte in Sachsen-Anhalt nach einem gemeinsamen Treffen verständigt.

Den Menschen in Sachsen-Anhalt sollen mehr niedrigschwelle Angebote für eine Corona-Impfung gemacht werden. Das ist das Ergebnis einer Beratung von Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) mit den Landräten am Montag. Ziel ist es demnach, den Impfstoff zu den Menschen zu bringen, etwa in Einkaufszentren oder in Innenstädte. Grimm-Benne sagte im Anschluss an das Treffen, viele würden Corona nicht mehr als Gefahr wahrnehmen. Zudem stelle sie fest, dass das Vertrauen in die Impfungen gesunken sei.

Vor allem in sozialen Netzwerken werde vor Impfungen und den Folgen gewarnt. Deshalb müsse man jetzt die Werbetrommel rühren. Bis Ende August wolle man in den Impfzentren noch einmal eine große Anzahl Personen erreichen. Die SPD-Politikerin betonte aber, dass es keine Impfpflicht geben werde.

Wir haben Impfangebote konzipiert, damit wir gegen die Impfmüdigkeit animpfen und in der Zeit der Sommerferien den Impfturbo anschmeißen können.

Petra Grimm-Benne | SPD | Sozialministerin

Auch die Sozialdezernentin des Altmarkkreises Salzwedel, Kathrin Rösel, sprach davon, dass man nun Formate entwickeln müsse, um zu den Menschen hinzugehen. Rösel verwies auf die Aktion "Impfen to go" am vergangenen Sonnabend in der Innenstadt von Salzwedel. Diese sei ein "riesengroßer Erfolg" gewesen.

Der Leiter des Impfzentrums, Ives Müller, teilte mit, der Andrang sei so groß gewesen, dass das Impfmobil eine Stunde länger offengehalten worden sei. Rösel erklärte, dass der Altmarkkreis Salzwedel das Format fortsetzen wolle. Einsätze des Impfmobils sind demnach am Sonnabend beim Fußballcamp in Klötze und am Sonntag im Freilichtmuseum Diesdorf geplant.

Es kann nicht sein, dass der ländliche Raum beim Impfen abgehängt wird.

Kathrin Rösel | Sozialdezernentin Altmarkkreis Salzwedel

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt, Jörg Böhme, sagte, mehr Impfungen seien der richtige Weg. Sie seien die einzige Chance dafür zu sorgen, dass eine mögliche vierte Welle glimpflich ablaufe. Deshalb müssten bis Herbst ganze Teile der Bevölkerung geimpft werden.

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Die von den Landkreisen und kreisfreien Städten betriebenen Impfzentren in Sachsen-Anhalt sollen der Landesregierung zufolge Ende September schließen. Die letzten Erstimpfungen würden voraussichtlich Ende August angeboten. Viele Kommunen bieten schon Impfmöglichkeiten ohne Termine und an Orten an, die die Menschen leicht erreichen. Daran muss aus Grimm-Bennes Sicht angeknüpft werden. Auch Haus- und Fachärzte sowie Betriebsärzte impfen seit einiger Zeit mit.

Zu wenig vollständig Geimpfte für Herdenimmunität

War vor ein paar Monaten der Impfstoff überall knapp und es schwer, einen Impftermin zu bekommen, zeichnet sich nun ein anderes Bild ab. Sozialministerin Grimm-Benne sagte, es gebe nun ausreichend Impfstoff, aber seit Mitte Juni sinke die Impfbereitschaft. Schon seit rund einem Monat ist die Anzahl der verabreichten Impfdosen in Deutschland rückläufig.

Inzwischen ist in Sachsen-Anhalt in der Altersgruppe der 12-bis 59-Jährigen etwa jeder Zweite vollständig geimpft. Bei den über 60-Jährigen liege die Quote bei 79 Prozent, wie das Ministerium mitteilte. Aktuell gehe das RKI davon aus, dass mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der ab 60-Jährigen vollständig geimpft sein sollten, um Covid-19 kontrollieren zu können.

In der folgenden Grafik können Sie den aktuellen Gesamtimpffortschritt in Sachsen-Anhalt nachsehen:

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Wenige schwere Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen

Unterdessen sind im ersten Halbjahr dieses Jahres nur wenige Menschen in Sachsen-Anhalt nach Corona-Impfungen schwer erkrankt. Das geht aus Zahlen des Landessozialministeriums hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegen. Danach mussten deshalb von Januar bis Juni dieses Jahres etwa 30 Personen im Krankenhaus behandelt werden. Unter den schwerwiegenden Fällen seien zwei Drittel Frauen gewesen, die Hälfte von ihnen über 80 Jahre alt.

Der Sprecher des Sozialministeriums, Andreas Pinkert, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, in diesem Zeitraum seien dem Paul-Ehrlich-Institut zehn Todesfälle gemeldet worden, die mit einer Impfung in Zusammenhang stünden. Es sei aber unklar, ob die Impfstoffe den Tod verursacht hätten. Das sei schwer nachzuweisen, weil auch Vorerkrankungen eine Rolle spielten.

Insgesamt wurden laut Ministerium 55 Verdachtsfälle wegen unerwünschter Impf-Nebenwirkungen registriert. Setze man die Zahl der Impfungen und der Komplikationen ins Verhältnis, ergebe das einen Wert von 0,003 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Impfung zu erkranken, sei damit sehr gering.

Zahl der Neuinfektionen nimmt wieder zu

Inzwischen steigt die Sieben-Tage-Inzidenz auch in Sachsen-Anhalt wieder. Seit Sonntag gibt es auch wieder eine Region, in der die Inzidenz zweistellig ist. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde für den Saalekreis eine Inzidenz von 10,3 gemeldet. Damit hat der Kreis aktuell den landesweit höchsten Inzidenzwert.

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MDR/Norma Düsekow, Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. Juli 2021 | 16:00 Uhr

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