Pandemie Corona: Hoher Anteil Ungeimpfter auf Sachsen-Anhalts Intensivstationen

Thomas Vorreyer
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Wie viele Corona-Patienten auf den Intensivstationen sind geimpft und wie viele ungeimpft? Der Blick auf diese Zahlen verdeutlicht die Wirksamkeit der Impfung. Sachsen-Anhalts Sozialministerium hat die Daten für das Land nun erstmals erhoben. Sie zeigen: Die meisten Corona-Patienten sind ungeimpft. Bei den erwachsenen Intensivpatienten bis 59 Jahre hatten sogar gut vier von fünf keine Impfung.

In der vierten Welle der Corona-Pandemie haben bislang vor allem ungeimpfte Patienten Sachsen-Anhalts Intensivstationen gefüllt. Das geht aus einer Mitteilung des Sozialministeriums an den Sozialausschuss im Landtag hervor.

Ungeimpfte landen deutlich häufiger auf Intensivstationen

Mit Stand vom 8. Dezember habe der Anteil der Ungeimpften demnach unter den 18 bis 59 Jahre alten intensivpflichtigen Corona-Patienten bei 78,4 Prozent gelegen, also bei etwa vier von fünf. Unter den Jüngeren war jeder ITS-Patient ungeimpft, bei den 60-Jährigen und Älteren 68,7 Prozent, sprich: mehr als zwei Drittel.

Unter den Älteren macht der Anteil der Ungeimpften in der Gesamtbevölkerung allerdings nur 14,4 Prozent aus, bei den 18- bis- 59-Jährigen 31 Prozent. Im Vergleich zu geimpften Mitmenschen landen Ungeimpfte damit deutlich häufiger auf den Intensivstationen – sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen.

Auch bei Hospitalisierungen vor allem Ungeimpfte

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Zahl aller Covid-19-Fälle in den Krankenhäusern. Hier liegt der Anteil der Ungeimpften noch immer zwischen 62,5 Prozent (60 plus) und 90 Prozent (zwölf bis 17 Jahre).

Die Daten bilden die Kalenderwochen 44 bis 48 ab, also vom 1. November bis 5. Dezember 2021. Angaben zur Berechnungsgrundlage will das Sozialministerium noch mitteilen.

Die Zahlen bewegen sich aber im vergleichbaren Rahmen zu denen des Robert-Koch-Instituts. Dieses erhebt seit einiger Zeit Zahlen für ganz Deutschland. Zuletzt waren demnach 83,2 Prozent der 18- bis 59-jährigen intensivpflichtigen Corona-Patienten sowie 58,9 Prozent der 60-Jährigen und Älteren ungeimpft.

Lage bleibt weiter angespannt

In Sachsen-Anhalt hat sich die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen zuletzt etwas stabilisiert. Am Donnerstag betrug die Zahl 169. Zwar fiel zuletzt die 7-Tage-Inzidenz für das Land wieder. Die Zahl derer, die wöchentlich neu in einem Krankenhaus betreut werden müssen, bleibt aber weiterhin hoch.

Intensivpflegekräfte betonen immer wieder, dass die Pflege und Betreuung von Corona-Patienten anspruchsvoller und mühseliger ist als bei anderen ITS-Patienten. Die Lage ist seit Wochen angespannt. Zwischenzeitlich arbeiteten nur drei von 42 Intensivstationen im Land noch im regulären Betrieb, der Rest war teilweise oder gleich ganz eingeschränkt. Fünf machten keine Angaben. Die Krankenhäuser schieben zudem derzeits vielerorts planbare Operationen auf, um die Kapazitäten zu entlasten.

Aktuell ist fast genau ein Drittel der Bevölkerung Sachsen-Anhalts noch nicht vollständig geimpft.

MDR (Thomas Vorreyer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 16. Dezember 2021 | 17:00 Uhr

251 Kommentare

astrodon vor 33 Wochen

@ossi1231: "... soll Pflegepersonal einen Corona-Bonus erhalten. Nun sagt der Arbeitgeberverband, dass er nicht an Ungeimpfte gehen soll."
Na und ? Der erste Staz ist bisher nur eine Absichtserklärung, der zweite eine - nicht massgebliche - Meinung eines unbeteiligten Dritten. Erst mal abwarten, was da konkret draus wird.
Zur Illustration des Themas: Im KH meiner Frau gab es zweimal Corona-Bonus - den zweiten aber nur für Mitarbeiter DIREKT auf den Covid-Stationen - gekündigt hat von allen anderen deswegen niemand.

astrodon vor 33 Wochen

@wer_auch_immer: Auch ich gehöre zur von Ihnen angefragten Gruppe:
Meine Mutter, Alter 90+, im Frühjahr 20 - wegen kleinem chirurgischen Eingriff im KH. Rekonvaleszent, Entlassung nach Hause war terminiert.
Kurzfristige akute Verschlechterung, Abfall der Sättigung, Anstieg von Harnstoff und Kreatinin. Nierenversagen. Dank ihrer Patientenverfügung weder Intubation, Dailyse oder Infusion. Nur O2 per Nasensonde und Schmerzmittel. Sie ist gestorben noch bevor die Bestätigung des positive PCR-Tests vorlag.
Ob eine Impfung ihr geholfen hätte ? Wer weiß ... aber bekommen hätte sie die Spritze als eine der Ersten - freiwillig und aus eigenem Antrieb. Woher ich das weiß: Für sie wäre das eine Frage von Gottvertrauen gewesen ...

Mediator vor 33 Wochen

@Dear
Wenn jetzt noch wüsste, auf welche Behauptung sie anspielen und ob ihre Tochter in irgendeiner Weise vertrauenswürdig ist. So diffus wie sie hier schreiben kann man sogar daran zweifeln, dass sie eine Tochter haben.

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