Gegen Afrikanische Schweinepest Streit beigelegt: Sachsen-Anhalt zahlt Prämie für Abschuss von Wildschweinen

Vorigen Herbst hatte der Landtag die Regierung beauftragt, Ideen gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu entwickeln. Eine davon: eine Prämie für den Abschuss von Schwarzwild. Schnell umgesetzt wurde die nicht, auch wegen eines Streits zwischen CDU und Grünen. Nun ist aber alles geklärt.

Wildschwein schaut hinter einem Baum hervor.
In Sachsen-Anhalt zahlt das Land für erlegte Wildschweine nun eine Prämie von 65 Euro. (Archivfoto) Bildrechte: imago images / blickwinkel

In Sachsen-Anhalt ist der monatelange Streit von CDU und Grünen um eine Abschussprämie für Wildschweine beigelegt. Wie das von den Grünen geführte Umweltministerium in Magdeburg mitteilte, zahlt das Land Jägerinnen und Jägern rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres eine Prämie von 65 Euro pro erlegtem Schwarzwild. Die Prämie soll bis Ende dieses Jahres ausgezahlt werden und kann bei Landkreisen und kreisfreien Städten beantragt werden.

Der finanzpolitische Sprecher der CDU im Landtag, Guido Heuer, sprach von einem "langen Hin und Her", das nun zu Ende sei. Heuer sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Landkreise hätten nun die Gelegenheit, die Gebühren für die Trichinenschau zu erlassen. Das sei ein wichtiger Baustein zur Vorsorge einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Trichine sind Fadenwürmer, auf die Wild untersucht werden muss, bevor das Fleisch verkauft wird. Susann Sziborra-Seidlitz, Landeschefin der Grünen, sprach bei MDR SACHSEN-ANHALT von einem "Wahlgeschenk" der CDU an Jägerinnen und Jäger. Die Grünen hatten, wie auch das Umweltministerium, lange argumentiert, die Prämie sei nicht sinnvoll, um die Schweinepest einzudämmen.

Diskussion über Finanzierung der "Pürzel-Prämie"

Um die in Koalitionskreisen genannte Pürzel-Prämie – als Pürzel wird unter Jägern der Schwanz eines Wildschweines bezeichnet – hatten CDU und Grüne monatelang gestritten, insbesondere wegen der Finanzierung. Vor der endgültigen Einigung am Mittwoch hatten nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT Ministerpräsident Reiner Haseloff und Finanzminister Michael Richter (beide CDU) in dem Streit vermitteln müssen. Dafür war sogar die Sitzung des Finanzausschusses kurzzeitig unterbrochen worden.

Steigender Bestand von Wildschweinen

Hintergrund der nun rückwirkend ausgerufenen Prämie ist der seit Jahren steigende Bestand von Wildschweinen in Sachsen-Anhalt, der unter anderem mit Blick auf die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest problematisch ist. Der Landtag hatte vorigen Herbst beschlossen, die Landesregierung mit der Erarbeitung verschiedener Konzepte zu beauftragen. Eines davon war die nun umgesetzte Prämie. Der Landesjagdverband begrüßte die Neuregelung. Präsident Dietmar Specht sagte MDR SACHSEN-ANHALT, noch seien aber noch nicht alle vereinbarten Maßnahmen umgesetzt worden.

Im Jagdjahr 2019/2020 sind Specht zufolge rund 46.000 Wildschweine in Sachsen-Anhalt erlegt worden. Für das Land hätte dies – wäre die Prämie da schon in Kraft gewesen – Kosten von etwa drei Millionen Euro bedeutet.

Prämie für Einsenden von toten oder kranken Wildschweinen

Ungeachtet der nun rückwirkend vereinbarten Prämie läuft das sogenannte Früherkennungsprogramm des Landes zum Entdecken der Afrikanischen Schweinepest weiter. Das Umweltministerium teilte mit, dass für das Einsenden von Proben kranker oder tot aufgefundener Wildschweine 50 Euro gezahlt werden. Dieses Programm läuft bereits seit 2018.

MDR/Ronald Neuschulz, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. März 2021 | 12:00 Uhr

1 Kommentar

JaegerschaftWittenberg2020 vor 43 Wochen

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff,
sehr geehrter Finanzminister Michael Richter,
wir Jägerinnern und Jäger der Jägerschaft Wittenberg 2020 e.V. möchten uns recht herzlich für die finanzielle Unterstützung im Rahmen der Regulierung des Schwarzwildbestandes bedanken. Die Bereitschaft, des Landes Sachsen – Anhalt die Jägerinnern und Jäger gerade bei dem Preisverfall von Wildschweinefleisch finanziell zu unterstützen, ist Ausdruck der Wertschätzung der Leistungen der Jägerinnern und Jäger in unserem Land. Die finanzielle Unterstützung der Jägerinnern und Jäger bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ist nach unserer Meinung auch ein wirksamer Anreiz, um die mit der ASP verbundene Gefahr, für den Wild- und Hausschweinebestand zu reduzieren. Sie ist Ausdruck eines aktiven Tierschutzes.

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