Corona-Pandemie Kulturhilfen in Sachsen-Anhalt kommen nicht an

Am Mittwoch kommt der Finanzausschuss von Sachsen-Anhalt zu seiner vorletzten Sitzung vor der Wahl zusammen. Dabei soll es unter anderem um die Situation der Kultur im Land gehen. Viele Kulturschaffende bemängeln sinnvolle Hilfsmaßnahmen. Auch die Pandemiebewältigung der Landesregierung steht auf dem Prüfstand.

Opernhaus in Magdeburg
Seit Monaten sind Kulturinstitutionen wie das Opernhaus in Magdeburg stillgelegt. Bildrechte: IMAGO / Lindenthaler

Wenn sich am Mittwochmorgen der Finanzausschuss im Landtag zu einer Hybridsitzung trifft – einige Leute sind da, andere zugeschaltet – dann ist es auf der Bühne der Hengstmann-Brüder Sebastian und Tobias dunkel wie seit Monaten. Wie auch alle anderen Kulturstätten ist das Kabarett der beiden bis auf Weiteres zum Schutz vor Infektionen geschlossen.

Das heißt wir verdienen kein Geld, wir dürfen auch kein Geld verdienen und alle Hilfen die angeboten werden vom Staat, dienen nur dazu andere zu bezahlen, also nicht uns, oder in die Wirtschaft zu investieren.

Sebastian Hengstmann Kabarettist

Falsche Ausrichtung bei Corona-Hilfe

Sebastian Hengstmann kritisiert die Ausrichtung der meisten Hilfen. Sie dienten dazu, dass die Miete gezahlt werden kann beispielsweise, nicht aber für das, was eigentlich die Arbeit der Hengstmann-Brüder ist – Kabarett-Programme schreiben, einstudieren und vor Publikum zum Besten geben. Auch nach 14 Monaten Pandemie gebe es für dieses Problem keine Lösung.

Andere Hilfen wie das Landesprogramm "Kultur ans Netz" fördern zwar kreative Arbeit, aber unterstützen nur neue Projekte, sagt Hengstmann. "Wir haben jetzt zum Beispiel ein Kurzfilmprojekt eingereicht, was wir nie gemacht hätten. Aber das ist was Neues. Das ist pandemisch – Filmprojekt – da sind keine Zuschauer. Dann hab ich halt gesagt, gut, dann lass uns einen Kurzfilm machen, irgendwas muss man ja einreichen. Und dafür kriegen wir jetzt hoffentlich unser Stipendium."

Langfristige Perspektive fehlt

Vis-á-vis ist Magdeburgs Opernhaus. Auch hier seit Monaten keine Aufführung vor Publikum. Die Vereinbarungen zur Finanzierung des Theaters halte das Land verlässlich ein, sagt Verwaltungsdirektorin Bettina Pesch. Aber auch hier, wie fast überall in der Kultur, fehle es an langfristigen Perspektiven.

Das Opernhaus des Theaters Magdeburg, in Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Das Opernhaus des Magdeburger Theaters Bildrechte: dpa

Nun kann man uns auch entgegenhalten wie soll eine Langfristigkeit kommen, wenn die Pandemieentwicklung ein Prozess ist dessen Ergebnis nicht voraussehbar ist. Heißt aber für uns: wir probieren und probieren, um ruck zuck öffnen zu können.

Bettina Pesch Verwaltungsdirektorin Opernhaus Magdeburg

Das Probieren mache allmählich müde, sagt Pesch. Es müsse zu einem Ergebnis vor Publikum kommen. "Alles was wir an Ersatzausstrahlungen liefern, um im Gespräch bleiben zu können und zu wollen, ist ja nicht das echte Theater." 

Schnelle Entscheidungen gefordert

Deswegen ist Peschs Forderung an die Landesregierung weniger finanzieller Art. Gerade nach der nun bundesweit geltenden Notbremse fordert Pesch Perspektiven und ein Zurück zur Länderhoheit, um vor Ort schneller Entscheidungen zu treffen. Dafür müsse sich Sachsen-Anhalts Kultusminister einsetzen.

Kulturhilfe auf dem Prüfstand

Vom Opernhaus den Breiten Weg Richtung Süden kommt man in wenigen Fußminuten am Landtag an. Olaf Meister von den Grünen ist da der Vorsitzende des Finanzausschusses. Nach 14 Monaten Pandemie guckt auch er kritisch auf das was die Landesregierung für die Kultur im Land getan hat.

Olaf Meister, MdL Sachsen-Anhalt, B90/Grüne
Olaf Meister (DIE GRÜNEN) Bildrechte: imago/foto2press

Zuerst gab es ein sehr kleines Förderprogramm, eine Soforthilfe die so 400 Euro an die Künstlerinnen und Künstler adressierte. Das ist eher unglücklich gelaufen, sowohl von der Höhe her als auch von den Bedingungen die daran geknüpft waren. Das kam nicht an.

Olaf Meister Vorsitzende des Finanzausschusses

Hinzu kam die Förderung "Kultur ans Netz", erklärt Meister. "Die letzte davon läuft auch noch aktuell. Dort können sich Künstlerinnen und Künstler bewerben." Generell sei die Hilfe für die Kultur vom Land oft zu zögerlich gewesen, ist Meister überzeugt.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 05. Mai 2021 | 06:00 Uhr

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