Reform des Fallpauschalensystems Wissenschaftsminister Willingmann fordert bessere Finanzierung der Unikliniken

Die Universitätskliniken in Magdeburg und Halle schreiben seit Jahren rote Zahlen. Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) fordert deshalb nun eine Reform des Finanzierungssystems. Zudem will er den Aufbau von Exzellenz an den Universitäten im Land fördern.

Einfahrt zum Universitätsklinikum in Magdeburg
Dass es der Unimedizin finanziell so schlecht gehe, sei ein hausgemachtes Problem, so SPD-Wissenschaftsminister Willingmann. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) fordert eine bessere Finanzierung der Universitätskliniken. "Im Grunde gilt für die Unimedizin dasselbe Finanzierungssystem wie für ein kleines Kreiskrankenhaus, im Wesentlichen orientiert am sogenannten Fallpauschalensystem", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Das werde jedoch dem Auftrag von Universitätskliniken nicht gerecht, die in erster Linie auf kompliziertere Behandlungen, Probleme der Spitzenmedizin und die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten ausgerichtet seien, so der Minister. Der Aufwand wäre schon allein durch den Wissenschaftsbetrieb viel höher.

Willingmann fordert Reform des Fallpauschalensystems

Willingmann wirbt deshalb für eine Reform des Fallpauschalensystems und einen sogenannten Systemzuschlag. "Wir brauchen bundesweit für die Universitätsmedizin eine ergänzende Sockelfinanzierung", erklärt er.

Die Bezahlung eines Klinikaufenthaltes durch eine Krankenkasse erfolgt nach Fallpauschalen, den sogenannten DRG (Diagnosis Related Groups). Pro Patient und Diagnose erhalten die Krankenhäuser festgelegte Beträge. Das System wurde eingeführt, um den Kliniken einen Anreiz zu bieten, wirtschaftlich zu arbeiten und Patienten schnell zu behandeln.

Zwei Drittel der deutschen Universitätskliniken im Minus

Dass es der Unimedizin finanziell so schlecht gehe, sei ein hausgemachtes Problem, so Willingmann. "Es ist ja kein Wunder, dass mehr als zwei Drittel der deutschen Universitätskliniken im Minus stehen, und zwar im deutlichen Minus", sagte der Minister. Mit dem aktuellen Vergütungssystem sei die Finanzierung nicht möglich. "Dessen Defizite kann das Land auch nicht abpuffern."

Immerhin sollen Teile der coronabedingten Verluste der beiden Universitätskliniken im Land, in Halle und Magdeburg, durch das Corona-Sondervermögen abgefedert werden. Mehr als 300 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Ein Teil des Geldes soll auch in Investitionen fließen. "Wir sehen am Standort Magdeburg einen erheblichen Modernisierungsbedarf", sagte Willingmann. "Die einzelnen Kliniken und Organisationseinheiten liegen zu weit auseinander, das erzeugt erheblichen Transferaufwand, treibt Kosten in die Höhe."

Sparmaßnahmen an der Uni Halle

Mit zu hohen Kosten hat auch der Universitätsstandort in Halle zu kämpfen. Ein Sparkonzept sieht deshalb bereits die Streichung von Studienplätzen, Professuren und Studiengängen vor. Dagegen protestieren vor allem die Studierenden. Laut Willingmann muss vor allem geprüft werden, welche Strukturen und Einrichtungen noch zukunftsfähig sind.

Land fördert Aufbau von Exzellenz an den Unis in Sachsen-Anhalt

Gleichzeitig will der Wissenschaftsminister die Exzellenz an den Universitäten im Land aufbauen. Internationale Sichtbarkeit und Fördergelder winken, wenn die beiden Unis in Sachsen-Anhalt im bundesweiten Wettbewerb und bei den international zusammengesetzten Auswahlgremien bestehen können. Zunächst müssen nun – auch in Kooperation mit Partnern der Wissenschaft – geeignete Cluster herausgebildet werden.

Armin Willingmann
Wissenschaftsminister Armin Willingmann war früher selbst Direktor an der Hochschule Harz. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt hat bislang keine Hochschule mit Exzellenzstatus. Willingmann glaubt an das Potenzial der Unis in Magdeburg und in Halle. "Wir wissen aus den Bundesländern, dass man dann eine Chance auf Exzellenz hat, wenn man über einen Zeitraum von drei, vier, fünf Jahren etwas gezielt fördert", so der SPD-Politiker.

Um die Exzellenzförderung voranzubringen, habe Sachsen-Anhalt erstmals bis zu zehn Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Als Teil der Exzellensstrategie, einem Förderprogramm zur Stärkung des Wissenschaftsstandorts Deutschland, kommen 75 Prozent der Gelder vom Bund und 25 Prozent vom jeweiligen Bundesland.

dpa, MDR (Sarah-Maria Köpf)

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