Fragen und Antworten Tipps für die Grundsteuererklärung in Sachsen-Anhalt

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Wer ein Grundstück besitzt, muss einmal im Jahr Grundsteuer zahlen – egal, ob ein Haus auf dem Grundstück steht oder Kühe auf der Wiese grasen. In diesem Jahr fällt für Grundbesitzer eine zweite Steuererklärung an. Sie muss zwischen Juli und Ende Oktober abgegeben werden – und ist mit viel Arbeit verbunden. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Grundbesitzer in Sachsen-Anhalt.

Bau von Einfamilienhäusern.
Die Grundsteuer wird reformiert. Für alle Eigentümer in Sachsen-Anhalt bedeutet das viel Arbeit. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Was ändert sich bei der Grundsteuer?

Der Wert aller Grundstücke in Sachsen-Anhalt muss neu ermittelt werden. Damit soll verhindert werden, dass vergleichbare Grundstücke unterschiedlich besteuert werden. Denn das ist aktuell in vielen Fällen Realität. Um die Grundsteuer wieder gerechter zu machen, steht jetzt eine Neubewertung der Grundstücke an.

Bundesverfassungsgericht: Reform dringend nötig Dass es eine Reform der Grundsteuer geben wird, steht schon seit mehr als zwei Jahren fest. Damals hatte das Bundesverfassungsgericht die Neuregelung verlangt. Grund: Bislang berechnen die Finanzämter den Wert einer Immobilie auf Basis völlig veralteter Daten. Im Osten Deutschlands werden dafür Daten aus dem Jahr 1935 genutzt, im Westen von 1964.

Wie viele Grundstücke müssen in Sachsen-Anhalt neu bewertet werden?

In Sachsen-Anhalt müssen insgesamt rund 1,3 Millionen Grundstücke neu bewertet werden, Land- und Forstwirtschaft inklusive. Das teilte das Landes-Finanzministerium in Magdeburg MDR SACHSEN-ANHALT mit. Bundesweit müssen fast 36 Millionen Grundstücke neu bewertet werden – laut Bundesfinanzministerium in Berlin stehen die Steuerbehörden in Deutschland damit vor einem ihrer größten Projekte in der Nachkriegsgeschichte.

Welche Fristen muss ich für die Steuererklärung beachten?

Grundsätzlich hilft es Grundstücksbesitzern später, nötige Daten so früh wie möglich zusammenzusuchen. Das ist auch dann möglich, wenn sich am Grundstück jetzt noch etwas ändert. Denn: Stichtag für alle Angaben ist der 1. Januar 2022. Was sich danach verändert hat, muss bei der Steuererklärung nicht berücksichtigt werden. Eingereicht werden muss die Steuererklärung dann zwischen 1. Juli und 31. Oktober 2022.

Auf einem Laptop ist die Startseite der Steuersoftware ELSTER geoeffnet
Die Erklärungen sollen über die Plattform "Elster" eingereicht werden. Bildrechte: dpa

Erklärung online über "Elster" abgeben Erklärungen zur Grundsteuer sollen in Sachsen-Anhalt grundsätzlich online über die Plattform "Elster" eingereicht werden. Das hat das Finanzministerium betont. Dort ist man sich nach eigenen Worten aber der Tatsache bewusst, dass nicht jede und jeder die Erklärung online abgeben kann. Allerdings: Erwachsene Kinder können beispielsweise über ihren Elster-Account die Grundsteuer-Erklärung für die Eltern einreichen.

Wer die Erklärung in gedruckter Form abgeben will, muss dafür in Sachsen-Anhalt einen Antrag stellen.

Um den erhöhten bürokratischen Aufwand bewältigen zu können, hat Sachsen-Anhalt 140 Beamte zusätzlich eingestellt.

Welche Daten sollte ich für die Berechnung bereithalten?

Eine ganze Menge: Benötigt werden Angaben zu Gemarkung, Flur, Flurstücke, Grundstücks-Größe (bei Wohnungen zusätzlich der Miteigentums-Anteil am gemeinschaftlichen Eigentum), Boden-Richtwert, Wohnfläche, Baujahr und gegebenenfalls die Zahl der Garagen- oder Tiefgaragen-Stellplätze. Das betrifft in Sachsen-Anhalt nach Angaben des Finanzministeriums alle, die Ein- oder Zweifamilienhäuser, Reihenhaus-Grundstücke oder Wohnungen besitzen.

Wer einen land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb hat, sollte Informationen zur Brutto-Grundfläche, zu möglichen Tier-Beständen, zur Art der Nutzung und zu möglichen Wirtschaftsgebäuden bereithalten.

Grundbucheinträge, Bau-Unterlagen, Kaufverträge, Teilungs-Erklärung oder Wert-Gutachten sind mögliche Quellen für die Angaben.

Finanzministerium Sachsen-Anhalt

Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich nicht alle Daten zu meinem Grundstück kenne?

Das Land Sachsen-Anhalt hat für diese Fälle eine eigene Website freigeschaltet, aus der sich Daten für alle Grundstücke ablesen lassen: grundsteuerdaten.sachsen-anhalt.de. Dort sind unter anderem Angaben zu Gemarkung, Flur, Flurstück oder Grundstücks-Größe sowie zu Boden-Richtwerte vermerkt.

Einige Daten lassen sich auch im "Sachsen-Anhalt-Viewer" auf der Website des Landesamts für Vermessung und Geoinformation abrufen.

Ab wann muss ich die neue Grundsteuer zahlen?

Ab 1. Januar 2025. Bis dahin werden all die Daten, die Sie in diesem Jahr ans Finanzamt übermitteln müssen, gesammelt. Daraus wird dann die neue Grundsteuer berechnet.

Bekomme ich Hilfe von meinem Steuerberater?

Grundsätzlich: Ja. Allerdings warnen die Steuerberater in Sachsen-Anhalt schon jetzt, dass eine Erklärung wegen der schieren Masse der neu zu bewertenden Grundstücke bis Ende Oktober kaum zu schaffen sei. Von der Steuerberater-Kammer, die knapp 1.000 Steuerberaterinnen und -berater im Land vertritt, hieß es, in der Kürze der Zeit sei die Zahl der Steuererklärungen nicht zu machen.

"Wir hoffen, dass der Staat nach Ablauf des 31. Oktober nicht fallbeilartig einen Verspätungs-Zuschlag erheben wird", sagte Vize-Kammerchef Hilmar Speck MDR SACHSEN-ANHALT. Dazu liefen Gespräche mit den regionalen Finanzverwaltungen in Sachsen-Anhalt.

Gut zu wissen: Wie sich die Grundsteuer zusammensetzt

Die Grundsteuer wird auch nach der Reform aus drei Kennziffern berechnet. Die Formel lautet: Einheitswert x Steuermesszahl x Hebesatz. Entscheidend ist dabei vor allem der Hebesatz, denn der wird von der Stadt oder Gemeinde festgelegt – anders als zum Beispiel die Steuermesszahl, die vom Gesetzgeber festgelegt wird (und wegen der Reform gesenkt wird).

Auf den folgenden Karten können Sie sehen, wie hoch der Hebesatz in Ihrer Gemeinde ist. Grundsteuer A steht dabei für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft, Grundsteuer B umfasst zum Beispiel Grundstücke, auf denen Wohnhäuser stehen. Als Faustformel gilt: Je höher der Hebesatz in Ihrer Gemeinde, desto mehr Grundsteuer zahlen Sie.

Wozu wird die Grundsteuer eigentlich genutzt?

Die Grundsteuer zahlen wir alle. Entweder, weil wir Haus und Grund besitzen – und deshalb Grundsteuer zahlen. Oder als Mieterinnen und Mieter, die wir über die Betriebskosten-Abrechnung an der Grundsteuer beteiligt werden. Für Kommunen zählt die Grundsteuer zu den wichtigsten Einnahmequellen überhaupt.

Vor Ausbruch der Corona-Krise deckten sie etwa 15 Prozent ihrer Steuereinnahmen mit der Grundsteuer ab. Damit werden dann zum Beispiel Straßen, Schwimmbäder oder Theater finanziert.

Die beiden folgenden Grafiken zeigen Ihnen, wie viel Geld Ihre Gemeinde zuletzt aus der Grundsteuer eingenommen hat.

Steigen jetzt die Mieten?

Das ist eher unwahrscheinlich – und wenn doch, dürfte die teurer werdende Miete kaum mit der Reform der Grundsteuer begründet werden. Denn was jetzt an Grundstücken bewertet wird, wird ganz konkret erst zum 1. Januar 2025 umgesetzt und abgerechnet. Ab diesem Datum erheben die Städte und Gemeinden auf Basis der neuen Berechnung die Grundsteuer. Dann können Hauseigentümer die höhere Steuer über die Betriebskosten-Abrechnung auch auf Mieterinnen und Mieter umlegen.

Wird es für Grundbesitzer teurer?

Das kann sein, muss es aber nicht. Denn Ziel der Reform ist nach dem Gerichtsurteil in erster Linie, die Grundsteuer gerechter zu machen. Um die Steuer nicht nach oben explodieren zu lassen, senkt der Gesetzgeber im Zuge der Reform die sogenannte Steuermesszahl.

Wo kann ich Hilfe bekommen?

MDR (Luca Deutschländer, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. Juli 2022 | 12:00 Uhr

11 Kommentare

schwarzinger vor 20 Wochen

Das ist Falsch.
1. wenn man vergleicht, sollten man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, denn Villenbesitzer und Vermieter großer Mehrfamilienhäuser hatten schon mehr Ausgaben vor und während der Bauphase, drückten MwSt ab, sicherten dadurch Arbeitsplätze und werden dann bei eventuellen Einnahmen mit anderen Steuern beglückt.
2. Gerichte urteilen auf Grund von Gesetzen, die die Regierungen und Abgeordnete beschlossen haben. Übrigens: Ich nehme an, Sie haben schon mal etwas von Bodenrichtwerten gehört, die auch regionale und örtliche Unterschiede berücksichtigen (können).
3. was Sie in Punkto Löhnen und Renten als Quark bezeichnen, ist jedoch Realität und hat mit dem Hebesatz nichts zu tun, sondern gilt allgemein.
4. Angebliche Benachteiligung? Vergleichen Sie z.B. mal die Energiepreise Ost und West und die Einkommen dazu!
5. Der Verwaltungsaufwand wäre viel geringer und gerechter, wenn man nur den Bodenrichtwert x Hebesatz zu Grunde legt, ansonsten kommt es zu Doppelbesteuerungen!

Mischka vor 20 Wochen

Also Leute, was regt ihr Euch hier so auf. Ist doch nicht das Einzige was auf uns zu kommt, vor Allem im Osten zum Nachteil. Da gibt es das Im Jahr 2020 beschlossene neue Lastenausgleichsgesetz, welches am 01.01.2024 in Kraft tritt. Hat der BRD in den 50igern schon ne Menge Geld in die Kassen gespühlt. Damals ging es um den Ausgleich der Folgen des 2. WK mit der danach stattgefundenen Bevölkerungszuwanderung in der BRD. Diesmal geht es um den sozialen Ausgleich z.B. durch die Coronafolgen in den staatlichen Kassen. Damals wurden Alle die mehr als 5.000,- DM hatten zur Kasse gebeten, diesmal ist die Freigrenze noch nicht bekannt. Aber Häuslebesitzer durften ihr Haus ein zweitesmal bezahlen und zwar innerhalb von 30 Jahren.
Da ist die Grundsteueranpassung nur ein kleines Übel, aber hängt Alles zusammen.

Peter vor 20 Wochen

Burgfalke: Auch die 1840 gebauten Häuser sind seit ewigen Zeiten fein säuberlich in den Katasterplänen eingezeichnet.
Wenn Sie mir nicht glauben, können Sie das alles online abrufen. Kein "Prinzip Orwell". Deutsche Gründlichkeit.

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