#MDRklärt Warum Kinder und Jugendliche auch Leidtragende der Pandemie sind

Seit mehr als einem Jahr hat Corona auch die Welt der Kinder und Jugendlichen auf den Kopf gestellt. Geschlossene Schulen, keine Freizeitaktivitäten und wenig Treffen mit Freunden. Stück für Stück soll in Sachsen-Anhalt aber wieder Normalität einkehren – mit Impfangeboten und mehr Rechten für Geimpfte. Doch dabei sollten die Kinder und Jugendlichen nicht vergessen werden, sagt der Kinder- und Jugendbeauftragte des Landes.

Kinder spielen auf ihren Ipads das Open-World-Computerspiel Minecraft.
Welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf die Jüngsten der Gesellschaft hat, ist heute kaum abzusehen. Bildrechte: dpa

Der Kinder- und Jugendbeauftragte Sachsen-Anhalts, Holger Paech, fordert, Kinder und Jugendliche in der Corona-Pandemie nicht aus dem Blick zu verlieren. Für diese große Bevölkerungsgruppe gebe es noch keinen Zugang zu Impfstoffen. Sie hätten somit auch keine Chance, sich aktiv selbst zu schützen, sagte Paech MDR SACHSEN-ANHALT. Er sehe auch die Gefahr, dass die Unter-Sechzehnjährigen von der Politik in der Grundrechtsdebatte nicht bedacht würden.

Paech sprach sich für einen Interessensausgleich aus. So hat er in Sachsen-Anhalt ein Sonderprogramm für Kinder und Jugendliche gefordert. Jugendsport und Jugendfreizeiten sollen trotz der Pandemie wieder in nennenswertem Umfang stattfinden können.

Corona-Impfung erst ab 16 Jahren

Holger Peach - Kinder- und Jugendbeauftragter Sachsen-Anhalt: Ein Mann mit kurzen Haaren und buntem Hemd.
Holger Paech, Kinder- und Jugendbeauftragter Sachsen-Anhalt, wünscht sich mehr Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche während der Pandemie. Bildrechte: MDR/ Ministerium Sachsen-Anhalt

Seit ungefähr 14 Monaten sind durch Corona die Grundrechte der Kinder und Jugendlichen massiv eingeschränkt. Diese Zeit, mit einem Wechselspiel aus Präsenzunterricht, Digitalunterricht und Hybridangeboten, haben die Kinder und Jugendlichen bis jetzt mit viel Durchhaltevermögen gemeistert, so Holger Peach.

Durch die Corona-Impfungen und den damit eingeräumten Rechten für Geimpfte, sieht Peach allerdings eine Gefahr: "Es freut mich natürlich, wenn wir in Deutschland nach gut einem Jahr Corona-Pandemie ernsthaft darüber nachdenken können, Grundrechte wieder der Bevölkerung zurückzugeben. Aber nichtsdestotrotz darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine sehr große Bevölkerungsgruppe aktuell gar keine Chance darauf hat, sich impfen zu lassen."

Denn momentan sind Corona-Schutzimpfungen erst ab 16 Jahren erlaubt. Während den Erwachsenen nach und nach ihre Grundrechte zurückgegeben werden, würden die Unter-18-Jährigen vergessen, so Peach weiter.

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Es darf keine Zweiklassengesellschaft entstehen

Aktuell gibt es noch keinen Impfstoff für Kinder und Jugendliche. Deshalb sollte der Staat andere Instrumentarien bedienen, um Kindern und Jugendlichen gleichermaßen ein Stück mehr Normalität einzuräumen, so der Kinder- und Jugendbeauftragte.

Die große Herausforderung ist jetzt alles dafür zu tun, dass es zu keiner Zweiklassengesellschaft kommt. Es dürfen keine Gräben zwischen Alt und Jung entstehen.

Holger Peach Kinder-und Jugendbeauftrager Sacsen-Anhalt

Kinder und Jugendliche sind mehr als nur Schülerinnen und Schüler, Kita-Kinder, Studierende oder Auszubildende. Die Kinder und Jugendlichen haben genauso ein Bedürfnis nach Kultur, Sport und Geselligkeit, wie die Erwachsenen, erklärt Peach..

Der Kinder- und Jugendbeauftragte sieht große Probleme vor allem bei denjenigen, die den Übergang in die Schule oder eine andere Schulform meistern müssen, da sei die Gefahr von Vereinsamung oder psychischen Schäden am größten. Das seien Phasen, bei denen Kindern ein Großteil ihrer Entwicklungsmöglichkeiten genommen worden seien.

Kinder wollen die Möglichkeit haben, Sport zu treiben oder Kultur zu genießen. Das ist ein großer Wunsch, den Kinder und Jugendliche haben, genauso wie Erwachsene.

Holger Peach Kinder-und Jugendbeauftragter Sachsen-Anhalt

Freiräume für Kinder und Jugendliche auch ohne Impfung

Um einen Ausgleich zu schaffen, müsse die Politik deutlich zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen in dieser Zeit nicht vergessen werden. Vor allem Sport und Jugendfreizeit dürfe nicht zu kurz kommen.

Die Politik müsse dafür Geld in die Hand nehmen, damit Vereine corona-gerechte Rahmenbedingungen schaffen können. Dies müsse, so Peach, umgehend geschehen.

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Nach mehr als einem Jahr Corona sind Zoomparties nur noch schwer zu ertragen. Wenn sie denn jemals gut waren (Symbolbild). Bildrechte: dpa

MDR/ Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Mai 2021 | 10:00 Uhr

6 Kommentare

Ursa20 vor 1 Wochen

Kinder und Jugendliche sind die Leidtragenden der Maßnahmen - seit Beginn der Pandemie sind sie besonders stark von den Einschränkungen betroffen. Es wäre eine Geste, einmal danke zu sagen - doch stattdessen werden sie auch nun, wenn es um Lockerungen geht vergessen. Die Zukunft des Landes liegt in den Jüngeren, doch wie diese nun aussehen wird nach den Schäden, die Kindern und Jugendlichen zugefügt wurden, das ist mehr als fraglich. Sport zuerst für Ältere - während Kinder und Jugendliche weiter zu Hause sitzen, ähnlich bei anderen Aktivitäten. Schulen sind eh am besten geschlossen zu halten - Hauptsache, alles andere wird geöffnet. Ob das der richtige Weg ist, bleibt zu bezweifeln.

Nie wieder Sklaverei vor 1 Wochen

Die einen sagen so die anderen sagen es so.
Die einen sind froh, dass sie nicht in die Schulde dürfen die anderen sind froh, dass sie zu Hause bleiben können.

wer auch immer vor 1 Wochen

Kinder und Jugendliche, eine Generation deren Zukunft in der "Ferne" liegt.
So unbeschwert wird diese Generation nicht mehr durch das Leben gehen, alles genießen und erleben, wie wir. Wir werden es auch nicht mehr so erleben, das alles möglich ist. Uns bleibt aber immerhin die Erinnerung das es mal etwas gab.
Einerseits ist es für die Umwelt besser, anderer Seitz fehlen viele selber gemachten Erfahrungen die wichtig für die eigenen Entwicklung sind.


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