Henriette Quade: Die jüngste Linke ist 35

Henriette Quade ist derzeit die jüngste Landtagsabgeordnete der Linken. Sie ist 35 Jahre alt. In den Landtag kam sie 2011 – da war die Hallenserin fast 27. Sie sagt: "Ich habe mich nie als die Kandidatin für die Jugend gesehen. Das war auch bei uns innerparteilich nie das Ticket, auf dem ich gefahren bin." Für Quade war das Thema Nazis der entscheidende Politisierungsmoment. "1998, als die DVU in den Landtag einzog, war das ein Wachrüttelmoment." Da war Quade 14. Auch mit 35 könne sie noch angemessen auf die Anliegen junger Leute reagieren, sagt die Linken-Politikerin.

Das Entscheidende ist ja schon, was man sagt und ob man zuhört. Und das kann man mit 25 genauso gut wie mit 35 oder mit 45 Jahren. Ich gebe mir zumindest immer Mühe, auch für Leute, die deutlich jünger sind als ich, irgendwie ansprechbar zu sein und eine Sprache zu finden.

Henriette Quade, 35, jüngste Landtagsabgeordnete der Linken

Sie widerspricht der Meinung, dass eine Generation nur durch Gleichaltrige vertreten werden könne. Das jüngste Wahlergebnis zeige, dass junge Leute sich nicht überdimensional von der AfD vertreten fühlten, obgleich diese besonders viele junge Abgeordnete habe.

Junge Leute brauchen eine Lobby

Doch Quade findet auch, es könne eine Botschaft an junge Leute sein, wenn Gleichaltrige in politische Verantwortung kämen – zum Beispiel als Kandidatin. "Das ist schon ein wichtiges Signal, das den gesamten Laden interessant macht für junge Leute."   

Alter sei einer von mehreren Faktoren bei der Listenaufstellung einer Partei. Man müsse halt eine Lobby in der Partei haben und zum Beispiel einen Jugendverband hinter sich wissen. "Wenn es einen 22-jährigen Menschen gibt, von dem die Partei der Auffassung ist, der sollte uns im Landtag vertreten, der sollte unser Gesicht werden, dann kann der das auch werden. Da habe ich keinen Zweifel." Die Unterrepräsentanz von jungen Menschen in Entscheidungsgremien sei ein wichtiger Punkt. "Man muss darüber nachdenken, ob eine Quote sinnvoll ist. Aber ich bin da nicht sicher."

Ungerechtigkeiten gegenüber jungen Leuten

Schüler und verkleideter Eisbär demonstrieren mit Schildern vor Magdeburger Landtag
Jugendliche Demonstranten bei den "Fridays for Future" in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Es müssten sich alle Parteien darüber Gedanken machen, wie man auch sehr junge Leute bekommt. Und es gebe dabei auch Ungerechtigkeiten, räumt Quade ein. Jungen Leuten werde Erfahrung abgesprochen, und gelegentlich würden an junge Menschen andere Maßstäbe angelegt als an ältere. Zudem sei die Frage, inwiefern junge Menschen zum Beispiel ehrenamtliche Stadtratsarbeit überhaupt in ihren Lebenslauf integrieren könnten. Studenten könnten das eher organisieren, findet Quade. "Als Azubi, der im Altenpflegeheim im Schichtbetrieb arbeitet, hat man die Chance schlichtweg nicht. Das ist eine tiefe Ungerechtigkeit. Und natürlich ist das auch eine Aufgabe für die Politik, darüber nachzudenken, wie Menschen politische Arbeit möglich gemacht wird."

Kommunikationslücke zwischen Politik und der Jugend

Die "Fridays for Future" Bewegung zeige, dass das Argument nicht stimme, dass junge Leute andere Sachen im Kopf hätten als Politik. Sie nähmen Politik nur anders wahr und seien weniger bereit, sich auf eingefahrene Strukturen einzulassen, sagt die Linken-Abgeordnete. Es gebe eine "unglaublich große Kommunikationslücke" zwischen Politik und jungen Leuten, die etwas nicht mit "nicht ernstnehmen" zu tun habe. Quade findet "Fridays For Future" gut. Und bemängelt: Darauf werde von der Politik nicht adäquat reagiert. Ihre Linke gehe mit der neuen Jugendbewegung aber besser um.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Juni 2019 | 12:00 Uhr

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