Verweis auf Umfragewerte Sachsen-Anhalts CDU rückt von Laschet ab

Nach Ministerpräsident Haseloff hat sich auch die CDU-Führung in Sachsen-Anhalt dafür ausgesprochen, die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der Union auch von Umfragewerten abhängig zu machen. Damit übernimmt die Landes-CDU Söders Hauptargument für seine Kanzlerkandidatur.

Markus Söder (CSU, hinten), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, kommt neben Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
Markus Söder (CSU, hinten), oder Armin Laschet (CDU) – wer wird Kanzlerkandidat der Union? Bildrechte: dpa

Die CDU-Führung in Sachsen-Anhalt hat sich dafür ausgesprochen, die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der Union auch von Umfragewerten abhängig zu machen. Parteivize Marco Tullner sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man solle auf den Kandidaten setzen, der die besten Chancen habe, die Wahl zu gewinnen. Angesichts der derzeitigen Umfragewerte sehe er Markus Söder vorn.

Ähnlich äußerte sich André Schröder, ebenfalls CDU-Landesvize. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Union solle den Kandidaten nehmen, mit dem sie bei den Wahlen am erfolgreichsten sein könne. Ein wichtiges Kriterium seien dabei die Umfragewerte. Da liege Söder vorn. "Ich habe auch den Eindruck, dass weite Teile der Bevölkerung Söder mehr Führungsstärke zutrauen." CDU-Landeschef Sven Schulze betonte, man werde einer Entscheidung zwischen CSU-Chef Markus Söder und CDU-Chef Armin Laschet nicht vorgreifen. Man halte sich an das, was verabredet sei.

Haseloff: "Es geht um die harte Machtfrage"

Die CDU in Sachsen-Anhalt stellt sich damit hinter die Äußerung von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Er hatte sich am Donnerstag im Nachrichtenmagazin "Spiegel" dafür ausgesprochen, die Wahl des Kanzlerkandidaten von Popularitätswerten abhängig zu machen. Es gehe jetzt nur um die harte Machtfrage, mit wem man die besten Chancen habe. Es helfe nichts, wenn jemand absolut kanzlerfähig sei, aber dieses Amt nicht erreiche, weil die Wähler ihn nicht ließen. In den sozialen Netzwerken gab es scharfe Kritik an den Äußerungen des Ministerpräsidenten, der auch Präsidiumsmitglied im Bundesvorstand der CDU ist.

Bedeutung auch für Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Haseloff hatte auch die Bedeutung der Entscheidung für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Juni betont. Bei aller Anstrengung im Land könne der Bundestrend das Zünglein an der Waage sein. Haseloffs Regierungssprecher Matthias Schuppe sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Ministerpräsident wolle seine Äußerung nicht als Fürsprache für einen der beiden Kandidaten verstanden wissen.

CSU-Chef Markus Söder wirbt mit dem Argument seiner starken Umfragewerte für seine Ernennung zum Kanzlerkandidaten der Union. CDU-Chef Armin Laschet argumentiert hingegen, Umfragen seien kurzlebig. Die Kanzler-Frage müsse auch anhand anderer Kriterien entschieden werden. Laut aktuellem ARD-Deutschlandtrend sprachen sich 44 Prozent der Bundesbürger für den CSU-Chef aus. Dagegen erreichte CDU-Chef Armin Laschet in der Umfrage nur 15 Prozent. Aber: Rund ein Drittel der Befragten hält keinen der beiden Bewerber für geeignet.

MDR/Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. April 2021 | 20:00 Uhr

24 Kommentare

DER Beobachter vor 15 Wochen

Entschuldigung, "Realist", in Bayern hat man keinen Blick für den Osten und ein Söder gleich gar nicht. Der hat nicht mal einen Blick für "den Rest des Westens", und was hat Bayern mit KuK zu tun und wo hat Söder (oder Bayern) je mit R zu schaffen gehabt? Okay, Gott sei Dank nicht viel, aber das ist bei Laschet auch nicht anders...

Der Matthias vor 15 Wochen

@ Thommi Tulpe

Ich teile Ihre Einschätzung zu 100%! Wie auch immer geartete Bündnisse mit der AFD (die u.a. einen EU-Austritt Deutschlands will) und andere als 'Volksverräter' diffamiert, wäre ein Verrat der CDU an sich selbst und all dessen, für das diese Partei seit ihrem Bestehen steht. Das käme einer politischen Selbstverleugnung und Selbstaufgabe gleich. Ihre ihr noch verbliebenen gemäßigten Mitte-Wähler (die Rechtskonservativen Ex-CDU-Wähler sind 2017 ja eh schon zur AFD abgewandert) würden ihr dann auch noch abhanden kommen und in Scharen vor allem zu den GRÜNEN, zur FDP und den Freien Wählern und im geringeren Umfang vlt. auch zur SPD abwandern.

Der Matthias vor 15 Wochen

@ Brinky

"Mit Merz an der CDU Spitze wären die Fronten schon längst geklärt."

Fragt sich nur, wen das am Ende mehr gefreut hätte! Man stelle sich nur einmal vor: Die Inkarnation des (buchstäblich, siehe den Hobby-Piloten Merz)!) abgehobenen Lobbyismus als Kanzler-Kandidaten einer Partei, die gerade massiv mit Lobbyismus-Vorwürfen zu kämpfen hat. Das wäre ein Späßchen geworden!

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