Bekämpfung von Antisemitismus Sachsen-Anhalt plant Einsetzung eines Antisemitismusbeauftragten

CDU, SPD und FDP wollen den Kampf gegen Antisemitismus ausbauen. Das geht aus dem Entwurf des Koalitionsvertrags hervor. Darin heißt es, die Stärkung jüdischen Lebens müsse in dieser Legislaturperiode an Bedeutung gewinnen. Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit dürften keinen Platz in der Gesellschaft haben.

Collage zum Thema "Jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt"
Im Jahr 2020 gab es laut Innenministerium 87 antisemitische Straftaten in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Konkret sehen die Pläne vor, die Stelle des Ansprechpartners für jüdisches Leben aufzuwerten und zur Funktion eines Antisemitismusbeauftragten weiterzuentwickeln. Der oder die Antisemitismusbeauftragte solle dabei weisungsunabhängig arbeiten. Zudem werde das Landesprogramm gegen Antisemitismus mit Fördermöglichkeiten unterlegt, die die Präventionsarbeit stärken sollen.

Der Anschlag in Halle vom 9. Oktober 2019 stellt eine Zäsur in der Geschichte Sachsen-Anhalts dar und hat uns in entsetzlicher Weise spüren lassen, welche tödliche Gefahr immer noch mit Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus verbunden ist.

Auszug aus dem Entwurf des Koalitionsvertrags

CDU, SPD und FDP verpflichten sich in dem Entwurf außerdem dazu, jüdisches Erbe zu pflegen und zu entwickeln. So solle die Arbeit des Berend-Lehmann-Museums in Halberstadt und des Museums Synagoge Gröbzig ausgebaut werden. Die Durchführung landesweiter jüdischer Kulturtage solle dauerhaft unterstützt werden.

Kriminalstatistik: 87 antisemitische Straftaten im Jahr 2020

Außerdem bekennen sich die Koalitionspartner zur Unterstützung der bundesweiten Beratungsstelle für Betroffene antisemitischer Gewalt und Diskriminierung (OFEK) sowie der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Sachsen-Anhalt (RIAS). Die Informationsstelle hatte im April 2021 in Halle ihre Arbeit aufgenommen. Sie soll antisemitische Vorfälle im Land dokumentieren und Betroffene unterstützen.

Im Jahr 2020 sind laut Innenministerium 87 antisemitische Straftaten in Sachsen-Anhalt verzeichnet worden. Überwiegend handelte es sich dabei um Volksverhetzungen, Propagandadelikte und Sachbeschädigungen.

MDR/epd/ges

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 11. August 2021 | 14:00 Uhr

10 Kommentare

goffman vor 9 Wochen

Ich denke Sie haben beide recht.
Ich weiß nicht genau, wie umfangreich man sich in den Schulen der DDR mit den Inhalten der Religionen auseinandergesetzt hat, aber ich habe den Eindruck, dass bei vielen Erwachsenen und auch Kindern hier Lücken sind.

Mir fehlt leider auch der Vergleich, wie groß in anderen Bundesländern der Anteil an geisteswissenschaftlicher oder auch kultureller Bildung in den Lehrplänen ist, aber schon allein wenn Kinder entweder Religion oder Ethik haben finde ich das falsch. Jedes Kind sollte nicht nur von bestimmten Philosophen und Religionen gehört haben, sondern die zugrundeliegenden Inhalte und Ansichten auch verstanden haben. (Ich würde sogar weitergehen und behaupten, dass schon viele mit der Philosophie des Christentums sich nicht auskennen.)

Rassismus und auch Antisemitismus nährt sich aus der Angst vor dem Unbekannten, aus der Differenzierung zwischen "so wie ich/ mir bekannt" und "anders als ich/ fremd/ unbekannt".

BerndG. vor 9 Wochen

Dieser Antisemitismusbeauftragter wird keinen einzigen auf den Weg der Tugenden bringen .Das einzige wird sein ,das es eine mehr geben wird der vom Steuerzahler sein Leben finaziert bekommt , nebst Gefolge denn dieser Beaugtragte wird ja nicht allein arbeiten.

Thommi Tulpe vor 9 Wochen

"Ulkigerweise" weiß auch ich mehr über das Christentum und den Islam als über das Judentum. Und schon über Christentum/ Islam weiß ich nicht wirklich viel.
Ich ("Baujahr 1965, "Kind der DDR") wurde nie religiös geschult, geschweige denn erzogen.
Auch durch wenige Kontakte, welche ich zu Muslimen habe, beobachte ich aber mitunter das, was ich schon in meiner Kindheit/ Jugend beobachtete - und damals wusste ich nicht einmal, dass es den Islam gibt:
Das Judentum ist für relativ viele Menschen schlichtweg das Symbol des Bösen, ohne dass jene, die dieses Symbol verwenden. einen einzigen Juden kennen.
Sicher basiert vieles auf blanker Unwissenheit, aus Vorurteilen, aber auch Hass. Und das alles empfand und empfinde ich "einfach" als schwachsinnig.
Für mich sind wir alle auf diesem Planeten "einfach nur" Menschen.
Und Glaube ist eben Glaube. Es gibt ganz sicher Sinnloseres, als wenn ein Mensch einen Glauben haben kann!?
Alles könnte ganz "einfach" sein!

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