Eine Hand steckt Sachsen-Anhalt-Karten in eine Wahlurne. Diese zeigen die Hochburgen bei der Kommunalwahl.
Von absoluter Mehrheit bis fast gar keine Stimme: Die Partei-Hochburgen in Sachsen-Anhalt sind äußerst vielfältig gestreut. Bildrechte: MDR/MDR Data

Kommunalwahl 2024 Hochburgen, Verluste, Exoten: Diese Wahlergebnisse überraschen in Sachsen-Anhalt

12. Juni 2024, 14:43 Uhr

In jeder zehnten Gemeinde ist eine Wählergruppe abseits der etablierten Parteien stärkste Kraft bei der Kommunalwahl geworden. Was die Wahlergebnisse der Kreistags- und Stadtratswahlen über Sachsen-Anhalt verraten.

Hier liegen die Hochburgen und Trauertäler der Parteien

Die Gunst der Wählerschaft in Sachsen-Anhalt unterscheidet sich zwischen dicht besiedelten Städten und dünn besiedelten ländlichen Räumen. Besonders groß sind diese Unterschiede bei AfD und Grünen. Für die AfD – und etwas weniger deutlich für die CDU – stimmen in den dicht besiedelten Städten Halle und Magdeburg verhältnismäßig weniger Menschen.

Die AfD hat hier zusammengerechnet 6,1 Prozentpunkte weniger Stimmen als im landesweiten Gesamtergebnis. Bei den Grünen ist es genau umgekehrt: Sie sind in den beiden Städten mit 5,9 Prozentpunkten über ihrem Landesergebnis besonders stark. In den dünn besiedelten Gemeinden verlieren sie dagegen mehr Stimmen, während die AfD hier stärker abschneidet.

Im Einzelnen konnten die Parteien in folgenden Gemeinden ihr jeweils bestes und ihr schlechtestes Ergebnis bei den Kreistags- bzw. Stadtratswahlen erreichen:

Fast 80 Prozent Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalts Süden

Die Wählerinnen und Wähler der Gemeinde Schnaudertal (Burgenlandkreis) machten am meisten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalts südlichster Gemeinde lag laut vorläufigem Endergebnis bei 78,2 Prozent – landesweiter Spitzenwert. Bereits bei der vergangenen Kommunalwahl im Jahr 2019 gehörte Schnaudertal (damals 70,0 Prozent) zu den Orten mit der höchsten Wahlbeteiligung.

Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich in der Gemeinde Eichstedt im Landkreis Stendal. Mit 77,4 Prozent gehörte der Ort bei den diesjährigen Kommunalwahlen – wie auch schon 2019 – zu den Gemeinden mit den höchsten Wahlbeteiligungen.

Die insgesamt höhere Wahlbeteiligung bei der diesjährigen Kommunalwahl in Sachsen-Anhalt wird aber nicht nur an Schnaudertal oder Eichstedt sichtbar, sondern auch an der Tatsache, dass dieses Mal in keiner Gemeinde die Wahlbeteiligung bei unter 50 Prozent lag. Damaliges Schlusslicht war Aken (Anhalt-Bitterfeld) mit lediglich 34 Prozent Wahlbeteiligung.

In den dünn besiedelten Regionen sind mehr Menschen zur Wahlurne gegangen als in mittleren und großstädtischen Orten. Hier lag die Wahlbeteiligung bei 64,8 Prozent und damit 4 Prozentpunkte höher als im Landesschnitt.

Starke Gewinne, empfindliche Verluste

Die AfD gewinnt in allen Regionen Stimmen hinzu. Am stärksten ist ihr Zugewinn mit 15,3 Prozentpunkten im Landkreis Stendal. Dort stellt sie bald fast ein Drittel der Kreistagsmitglieder. Aber auch in den kreisfreien Städten kann sie ihre Anteile ausbauen. In Halle verbessert sie sich am wenigsten, aber immer noch um 7,2 Prozentpunkte. Die CDU ist die kleine Gewinnerin bei den Kommunalwahlen. Sie hat ihre Stimmanteile erhöht – allerdings nicht in allen Kreistagen. Während sie in Magdeburg um 5,2 Prozentpunkte zulegt, verliert sie im Altmarkkreis Salzwedel 1,5 Prozentpunkte.

Im Altmarkkreis Salzwedel scheinen die Wählerinnen und Wähler der SPD gegenüber noch relativ wohlgesonnen zu sein. Zumindest kann sie hier ihr Ergebnis um 2,2 Prozentpunkte verbessern. Dennoch fällt sie hinter die AfD zurück und verliert auch in den meisten anderen Wahlkreisen. Im Vergleich zu den anderen etablierten Parteien sind ihre Verluste in Sachsen-Anhalt am geringsten. Vor allem Die Linke muss dafür einstecken. Sie wird in allen Kreisen von der AfD überholt. Zweistellig ist die Linke nur noch in den Großstädten Halle und Magdeburg. Doch auch hier verliert sie zwischen 5 und 6 Prozentpunkten.

Außerhalb der Städte hatten es die Grünen noch nie leicht. Bei der Wahl 2019 konnten sie trotzdem neben den drei kreisfreien Städten auch im Harz ein zweistelliges Ergebnis erzielen. Bei dieser Wahl verliert die Partei vor allem dort, wo sie zuvor gut abgeschnitten hatte. Im Landkreis Harz und in Dessau-Roßlau halbiert sich ihr Anteil in etwa. Auch in Halle verliert sie besonders viele Stimmen, die Stadt bleibt aber mit 11,4 Prozent ihre Hochburg.

Die FDP verliert wie ihr Ampel-Partner Grüne in allen Kreistagen und Stadträten Stimmen. Im Salzlandkreis schneidet sie mit 6,6 Prozent am besten ab. Überall sonst würde sie bei der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, wenn es die bei der Kommunalwahl gebe. Besonders in Magdeburg entscheiden sich viele für eine andere Partei und bescheren der FDP 6 Prozentpunkte weniger.

Freiwillige Feuerwehr stärkste Kraft im Ort

Bei den Kreistags- und Stadtratswahlen erreichte die AfD zwar in keinem der 218 Orte Sachsen-Anhalts die absolute Mehrheit – also mehr als 50 Prozent der Stimmen – aber in 102 Orten wurden sie stärkste Kraft und konnte die meisten aller Stimmen auf sich vereinen. Die CDU ging in 85 Gemeinden als stärkste Partei hervor und konnte dabei nach vorläufigen Angaben in vier Orten auch die absolute Mehrheit erreichen. Die SPD erhielt in neun Orten die meisten Stimmen, FDP und Grünen gelang dies in keiner Gemeinde.

In jeder zehnten Gemeinde war eine Partei oder eine Wählergruppe stärkste Kraft, die im Landtag aktuell weder in der Regierung noch in der Opposition vertreten ist. Im Einzelnen waren das:

Freie Bürger Saale-Wipper


Freie Liste Altmarkkreis Salzwedel


Freie Wähler


Freie Wählervereinigung Burgenland e.V.


Freiwillige Feuerwehr Mansfelder Land


Pro Altmark


Südharzer Liste


Unabhängige Bürgervereinigung e.V.


Unabhängige Wählergemeinschaft Landkreis Börde


Wählerinitiative "Die Aschersleber Bürger"


Wählervereinigung Bürger unseres Kreises ohne Parteibuch e.V.

Über vier Prozent aller Stimmen ungültig im Salzlandkreis

Landesweit waren bei den Kreistags- und Stadtratswahlen zwei Prozent aller abgegebenen Stimmzettel ungültig. Im Vergleich zur Kommunalwahl (2,3 Prozent ungültige Stimmen) hat sich der Anteil damit leicht verbessert. Allerdings: In der Gemeinde Ilberstedt im Salzlandkreis und zwei weiteren Orten waren mehr als vier Prozent aller Stimmzettel ungültig.

Die anteilig wenigsten ungültigen Stimmzettel gaben die Wählerinnen und Wähler in folgenden Gemeinden ab:

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MDR (Leonhard Eckwert, Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Juni 2024 | 19:00 Uhr

24 Kommentare

DER Beobachter vor 4 Wochen

Naja, Shantuma, was passiert, wenn man realitätsferne Politik allein für sein tumbes Wahlvieh machen will, haben die Briten kürzlich binnen weniger Jahre zum zweiten Mal anschaulich schmerzhaft und teuer vor allem für eben dieses tumbe Wahlvieh vor Augen geführt.

Wagner vor 4 Wochen

Wer Politik als Experiment versteht und nicht als ordentliche Arbeit am und mit dem Bürger,der bekommt die Quittung. Da helfen auch keine Brandmauern,die lösen sich von selbst auf. Brandmauer nach links ,nach rechts —ja auf welchen mittelastigen Stühlen will man denn sitzen und regieren. Es ist doch so,dass gerade die sog.Altparteien der Demokratie den Bärendienst erweisen. Die ungeliebten Ergebnisse wurden doch von ihnen geschaffen.

Maria A. vor 4 Wochen

Da stellt sich die Frage, warum die Grünen immer weniger Stimmen bekommen haben? Denen läuft offensichtlich die hochgebildete Wählerschaft weg. Bloß wohin, zur SPD ja auch nicht, die leidet ja auch unter Stimmenverlust.

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