Sozialausschuss Wie es mit den Kliniken in Gardelegen, Salzwedel, Genthin und Havelberg weitergeht

Krankenhäuser in allen Regionen – diese Zeiten sind in Sachsen-Anhalt lange vorbei. Spardruck und fehlende Nachfrage haben zu Schließungen geführt. So haben in den vergangenen Jahren die Kliniken in Genthin und Havelberg dichtgemacht. Hier gibt es aber Ideen für eine alternative Versorgung. Die Kliniken Salzwedel und Gardelegen hingegen bangen noch um ihre Zukunft. Über den Stand der Kliniklandschaft wurde am Mittwoch im Sozialausschuss des Landtags Sachsen-Anhalt informiert.

Kran neben Krankenhaus
Nach der Schließung der Krankenhäuser in Genthin und Havelberg gibt es neue Ideen für die medizinische Versorgung. In der Westaltmark droht weiter der Rotstift. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Die großen Klinikbetreiber im Norden Sachsen-Anhalts sind die Salus-Holding und die Johanniter. Doch in der dünn besiedelten Region mussten in den vergangenen Jahren, begründet durch hohe Kosten, Kliniken oder Klinikteile geschlossen werden. Erledigt ist die Sache gesundheitspolitisch damit nicht. Land, Kreise und Gemeinden suchen nach alternativen Konzepten. Wie es mit der Gesundheitsversorgung in der westlichen Altmark, in Salzwedel und Gardelegen weitergeht und wie der Stand der Verhandlungen für die geschlossenen Standorte in Havelberg und Genthin ist, dazu kamen am Mittwoch im Sozialausschuss des Landtags Sachsen-Anhalt die Karten auf den Tisch.

Genthin: Kein Konzept, aber bald Gespräche

Seit dem Wegfall des Johanniter-Krankenhauses 2017 ist die medizinische Versorgung in Genthin stark eingeschränkt. Das Sozialministerium will nun das Gespräch mit der Stadt und dem zuständigen Landkreis suchen. Das sagte Staatssekretär Wolfgang Beck am Mittwoch im Sozialausschuss des Landtags. Land, Kommune und Johanniter hatten sich bislang gegenseitig die Verantwortung zugeschoben, wer ein Konzept für die zukünftige Versorgung vor Ort erarbeiten soll. Die Stadtverwaltung, die vom Ministerium bislang in der Verantwortung gesehen wird, sei dazu nicht in der Lage, sagte der parteilose Bürgermeister Matthias Günther.

Krankenhaus Genthin
2002 fusionierten die Johanniter-Häuser in Stendal und Genthin – der Standort im Jerichower land schloss 15 Jahre später. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Angestrebt wird die Schaffung eines intersektionalen Versorgungszentrums in Genthin. Die Johanniter lehnten diese Lösung bislang ab. Laut Günther gibt es aber neben dem ehemaligen Krankenhaus auch weitere potenzielle Standorte.

Staatssekretär Beck sagte, sollte ein Konzept vorliegen, könne auch die Salus Altmark Holding den Prozess unterstützen. Die Salus betreibt im Norden Sachsen-Anhalts mehrere Krankenhäuser, betreibt und entwickelt gerade ein Versorgungszentrum für Havelberg, wo ebenfalls ein Krankenhaus geschlossen wurde.

Havelberg: Konzept ist da, aber noch keine Ärzte

Der Aufbau des intersektionalen Versorgungszentrums in Havelberg kommt aktuell nur schleppend voran. Immerhin laufen nun Gespräche mit einer internistischen Praxis, so Salus-Geschäftsführer Jürgen Richter am Mittwoch im Sozialausschuss des Landtags. Vor einem Jahr hatte die Salus Altmark Holding erstmals ein Konzept vorgestellt, wie das 2020 geschlossene Krankenhaus vor Ort ersetzt werden soll. Zunächst sollen drei Arztstellen besetzt werden. Eine davon wäre ein Kassensitz, die anderen beiden finanziert das Land in einem Modellprojekt. Bislang wurde allerdings keine einzige besetzt. Dennoch werde das Konzept weiterverfolgt: "Wir geben nicht auf", so Richter.

Ein gestellter Wagen mit einem Mann im Krankenbettt und einer gestellten Krankschwester vor ihm sowie der Aufschrift "Symbolisch stehen wir hier für unsere ländliche Region" auf einem Banner.
In Havelberg wurde über Jahre demonstriert – erst gegen die Schließung des Krankenhauses, dann für eine medizinische Mindestversorgung. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Laut dem Manager wird auch das Gespräch mit geflüchteten ukrainischen Medizinerinnen und Medizinern gesucht. Einen schnellen Aufbau des Zentrums mit Honorarärzten lehnt die Salus hingegen ab. Damit sei erfahrungsgemäß keine kontinuierliche Versorgung vor Ort gewährleistbar, sagte Richter. Den Einsatz von Honorarkräften hatte zuletzt die AfD im Landtag beantragt – ohne Erfolg.

Trotz einzelner Berichte über Probleme in der Notfallversorgung sei diese insgesamt gesichert, sagte der Stendaler Landrat Patrick Puhlmann (SPD). Es sei allerdings "unbefriedigend", dass der Fahrplan der Salus für das Versorgungszentrum bislang kaum vorangekommen sei, so Puhlmann. Lothar Schulz vom Verein "Pro Krankenhaus Havelberg" kritisierte in diesem Zusammenhang die Kassenärztliche Vereinigung. Diese würde die Suche nach einem Arzt bislang nicht unterstützen.

Nach der letzten Beratung im Sozialausschuss Anfang Januar hat die Salus zudem ihr Werbekonzept für die freien Stellen überdacht. Man wolle nun stärker "mit der lebenswerten Umgebung" des Standorts werben, sagte Geschäftsführer Richter. Die entsprechende Kampagne sei allerdings noch nicht fertig.

Gardelegen und Salzwedel: Gutachten über Zukunft beider Standorte

Thema der Anhörung im Sozialausschuss war auch die Zukunft des Altmark-Klinikums in Gardelegen und Salzwedel. In Gardelegen wurde zuletzt der Betrieb der Kinderklinik eingestellt. Weitere Krankenhausbereiche gelten ebenfalls als bedroht.

Altmark-Klinikum in Gardelegen
Auch nach Schließung der Kinderklinik ist die Zukunft des Krankenhauses Gardelegen noch ungewiss. Bildrechte: IMAGO / Steffen Schellhorn

Laut Salus-Geschäftsführer Jürgen Richter befasst sich ein aktuelles Gutachten mit zwei Varianten für die Zukunft der Krankenhäuser in Gardelegen und Salzwedel. "Unternehmerisch leichter" sei dabei die Konsolidierung an einem einzigen Standort. Das hätte aber zur Folge, dass ein halber Landkreis ohne medizinische Notversorgung in unmittelbarer Nähe bliebe. Das zweite Szenario würde zwar ebenfalls "harte Veränderungen" bedeuten, aber die Notversorgung an beiden Standorten erhalten.

Das Gutachten soll nun noch einmal nachgeschärft werden, bevor man es dem Aufsichtsrat der Holding vorlege. Er lobte währenddessen die bisherige Zusammenarbeit mit dem Klinikum Magdeburg und dem Uniklinikum Magdeburg. Ärzte sollen künftig für mehrere Standorte arbeiten. Bei der Frauenheilkunde und der Geburtshilfe schaue sich die Salus derweil noch in anderen ländlichen Krankenhäusern nach potenziellen Lösungen um.

MDR (Thomas Vorreyer, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Mai 2022 | 16:30 Uhr

11 Kommentare

ElBuffo vor 1 Wochen

Dito. Auch mit viel Geld lockt man keine Kapazitäten hinter dem Ofen vor. In einer Klinik, wo alle zwei Jahre an der Bauchspeicheldrüse operiert wird, kann man als Patient schon mal den Nachlass klären. Ein Team mit Erfahrungen in Hunderten dieser OPs wird man da nicht finden. Die bleiben da, wo sie sind.

pwsksk vor 1 Wochen

Herr Lauterbach ist aber für diesen Zustand jetzt ein Hauptverantwortlicher. Als Gesundheitökonom hat er das Gesundheitssystem vor 20 Jahren angefangen, auf Profit auszurichten. Genau dasselbe findet im Bildungswesen und der Infrastruktur, hauptsächlich Bahn statt. Somit werden immer mehr flächenmäßig nutzbare Strukturen, die einmal gut funktionierten, zerschlagen. Und natürlich erreichen wir damit eine immer größere Spaltung der Geselkschaft. Auf der anderen Seite werden eben mal schnell Milliarden für Sachen geopfert, die vollkommen überholt oder irrelevant sind.

Shantuma vor 1 Wochen

Wir sind ja mit unserer Fehlpolitik ja nicht allein.

Die Blödokraten in den USA bekommen ja noch weniger hin.
Weder eine Gesundheitsversorgung für alle, noch bekommen sie mit einer Mehrheit in beiden Häusern hin die Abtreibungen weiterhin als legal zu klassifizieren.
Die Gründe dafür sind ebenso klar ... man braucht ein Thema, damit die Schäfchen ein Kreuz (elektronisch) bei den richtigen Schlächtern machen.

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