Wiederherstellung offenbar möglich LKA: 42.000 Datensätze zu Straftätern aus Sachsen-Anhalt gelöscht

Sie enthielten Fingerabdrücke, Porträtaufnahmen oder besondere Eigenschaften von Straftätern: Bei der Polizei in Sachsen-Anhalt sind versehentlich rund 42.000 Datensätze über Straftäter gelöscht worden. Das Landeskriminalamt beruhigt: Die Daten ließen sich wahrscheinlich wieder herstellen. Erste Stimmen aus dem Landtag verlangen Aufklärung.

Ein Mann sitzt vor verschiedenen Computern und Monitoren
Aus einer Datenbank der Polizei in Sachsen-Anhalt sind versehentlich zehntausende Datensätze über Straftäter gelöscht worden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Aus einer Datenbank der Polizei ist versehentlich mehr als die Hälfte der rund 60.000 Datensätzen über Straftäter aus Sachsen-Anhalt gelöscht worden. Das bestätigte ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) am Sonnabend. Demnach wurden knapp 42.000 Datensätze gelöscht. Zuvor hatte die Volksstimme über die Panne berichtet. Die Datensätze hätten Fingerabdrücke, Porträtaufnahmen sowie Besonderheiten wie Tätowierungen und Narben von Tätern enthalten, hieß es.

Eine Fehlerkette habe zur Löschung geführt. Betroffen ist demnach der erkennungsdienstliche Teil des Polizeilichen Informationssystems. Er war kürzlich vom Bundeskriminalamt an die Länder rückübertragen worden. Das LKA betonte in der Volksstimme jedoch, dass eine Wiederherstellung der Daten wahrscheinlich ist. Im Bundeskriminalamt existiere eine Datenbanksicherung, aus der die gelöschten Daten voraussichtlich wiederhergestellt werden könnten.

Landespolitik dringt auf Aufklärung der Panne

Politikerinnen und Politiker von Linken und SPD drangen am Sonnabend via Presseerklärungen auf Aufklärung. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Henriette Quade, teilte mit, der Vorgang sei auf mehreren Ebenen "unfassbar" und werfe Fragen auf. So müsse beispielsweise geklärt werden, wie genau es zur Löschung gekommen sei. Kritik äußerte Quade auch an der Kommunikation der Behörden: Bei der jüngsten Sitzung des Innenausschusses im Landtag habe die Panne keine Rolle gespielt.

Keine Frage: Der Vorgang ist peinlich. Er ist aber vor allem besorgniserregend: Wenn ein solch schwerer Fehler in einem Bereich passieren kann, der eigentlich Routine ist, dann besteht umso mehr die Frage, wie Polizei aufgestellt ist.

Henriette Quade, Die Linke Innenpolitische Sprecherin

Wie Quade hält auch SPD-Innenpolitiker Rüdiger Erben nun eine Sondersitzung des Ausschusses für notwendig. Zudem müsse nun alles getan werden, um die Daten wiederherzustellen, teilte Erben am Sonnabend mit. Nur dann könne der Schaden für die Verbrechensbekämpfung eingegrenzt werden, sagte Erben.

dpa, MDR/Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Februar 2021 | 10:00 Uhr

11 Kommentare

erict vor 6 Wochen

Was passiert, wenn ich meine Stromrechnung scanne:
- Verteilung an mehrere Rechner im Netzwerk
- jede Nacht verschlüsseltes Backup in die Cloud
- regelmäßige verschlüsselte Archivierung und Lagerung außer Haus

Kosten: 3€ / Monat Strom + eine Spindel Blu-Rays im Quartal (skalierbar)
Kenntnisse: Informatik Grundstudium
Zeitaufwand: unter 30 Minuten pro Woche

Unsere Polizei währenddessen:
"Eine Stelle, die uns die Daten vor Kurzem zurückübertragen hat, besitzt bestimmt ein Backup." Dass es für Mitarbeiter offenbar einen Button mit der Beschriftung "Alles löschen" gibt, ist noch ein kleines Problem im Angesicht der Tatsachen.

pepe79 vor 6 Wochen

In Behörden arbeitet seit jeher der Teil der Gesellschaft die einen besseren Bildungsabschluss haben aber nix damit anzufangen wissen da die nie Verantwortlich sein wollen. Ein Verständnis für Neuerungen und Digitalisierung existiert kaum. Siehe Coronakrise. Hier dauert der Aufbau digitaler Strukturen lange, auch mit der Begründung über die Pflicht zur Europaweiten Ausschreibung. Es geht um einen schnelle und effiziente Aufbau sicherer Strukturen, wenn Grundrechte überall eingeschränkt werden wieso wird dann nicht einfach auch diese Ausschreibungspflicht ausgesetzt? Furmen kommen ggf. wegen der Reisebeschränkungen weniger vor Ort wenn sie aus dem Ausland stammen was ebenfalls ein Risikofaktor für den Strukturausbau in der Krise ist.

Matthi vor 6 Wochen

Wenn man sowas liest muss sich das LKA schon fragen lassen was für schlecht ausgebildete Beamte in der Behörde arbeiten. Läuft das unter Digital Offensive bei der Polizei da freut sich jeder Kriminelle. Vielleicht sollte der Beamte lieber Akten entstauben da kann er keinen Schaden mehr anrichten.

Mehr Politik in Sachsen-Anhalt