Grünen-Parteitag: Neuer Landesvorsitz gewählt und künftige Bundesumweltministerin stellt sich vor

Auf dem digitalen Landesparteitag der Grünen sind Madeleine Linke und Dennis Helmich zur neuen Doppelspitze gewählt worden. Zuvor hatten Sebastian Striegel und Susann Sziborra-Seidlitz wie angekündigt ihre Ämter abgegeben. Außerdem hat sich auf dem Parteitag die künftige Bundesumweltministerin Steffi Lemke für den Koalitionsvertrag stark gemacht.

John Liebau, Madeleine Linke und Dennis Helmich
Madeleine Linke und Dennis Helmich sind die neuen Vorsitzenden der Grünen in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

Die Magdeburgerin Madeleine Linke und Dennis Helmich aus Halle sind die neuen Landesvorsitzenden der Grünen in Sachsen-Anhalt. Linke bekam bei der Wahl auf dem digitalen Parteitag am Nachmittag 87 Prozent der Stimmen. Ihr Co-Vorsitzender Helmich wurde mit 63 Prozent gewählt. Das teilte die Landespartei bei Twitter mit.

Linke ist 29 Jahre alt und Fraktionschefin der Grünen im Stadtrat von Magdeburg. Der 30-jährige Helmich ist Mitglied des Stadtrats von Halle und war unter anderem schon Sprecher der Grünen Jugend in Sachsen-Anhalt. Außerdem war John Liebau zur Wahl für den Landesvorsitz angetreten.

Sziborra-Seidlitz und Striegel geben Grünen-Landesvorsitz ab

Die bisherigen Vorsitzenden Sebastian Striegel und Susann Sziborra-Seidlitz traten nicht nochmal an.

Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT betonten Sziborra-Seidlitz und Striegel im Vorfeld des Parteitages, dass der Rückzug von ihren Ämtern schon länger geplant war. "Ich habe von Anfang an gesagt, dass das kein Job für die Ewigkeit ist", sagte Sziborra-Seidlitz. Striegel lobte außerdem die starke Riege ihrer möglichen Nachfolger. "Wir haben jetzt die Situation, dass wir wirklich ein sehr gutes KandidatInnen-Tableau für den Bereich der Landesvorsitzenden haben." 

Breites grünes Themenspektrum muss im ländlichen Raum sichtbarer werden

Sziborra-Seidlitz und Striegel machten klar, dass auf die neue Parteispitze wichtige Aufgaben warten würden. Mittlerweile seien die Grünen nicht mehr nur Umwelt- und Klimaschutzpartei, sondern thematisch viel breiter aufgestellt, so Sziborra-Seidlitz. In den nächsten Jahren müsse die Landespartei daran arbeiten, die Bereiche sichtbarer zu machen "wo wir gute Ideen haben und wo wir auch Menschen haben, die diese Ideen nicht nur entwickeln, sondern sie auch gut verkörpern." Vor allem im ländlichen Bereich müsse das noch stärker gelingen.

Steffi Lemke wirbt für Koalitionsvertrag und Strukturwandel

Die künftige Bundesumweltministerin Steffi Lemke ist während einer Liveschalte auf einem Bildschirm
Die künftige Bundesumweltministerin Steffi Lemke warb auf dem digitalen Parteitag für den Ampel-Koalitionsvertrag. Bildrechte: dpa

Zum Auftakt des Parteitags hatte die voraussichtliche neue grüne Bundesumweltministerin, Steffi Lemke aus Dessau, um Zustimmung zum Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien geworben. Dabei hob sie auch die Bedeutung für den Osten hervor. Die Ampel-Koalition will mehr Führungspositionen mit Menschen aus dem Osten besetzen. Außerdem soll die Ansiedlung von Bundes-Institutionen forciert und ein Programm zur Altschulden-Entlastung von Kommunen aufgelegt werden, sagte Lemke.

Die Grünen-Politikerin rief die schwarz-rot-gelbe Landesregierung in Sachsen-Anhalt auf, beim vorzeitigen Kohleausstieg nicht in eine "Blockadehaltung" zu verfallen. Gemeinsam mit Berlin müsse man den Strukturwandel gestalten, sagte Lemke. "Der Strukturwandel ist notwendig, wir machen das ja nicht aus Jux und Tollerei."

dpa/MDR (Ronald Neuschulz, Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 27. November 2021 | 12:00 Uhr

3 Kommentare

hinter-dem-Regenbogen vor 7 Wochen

@ ___" Breites grünes Themenspektrum . . . . "

Ja, das stimmt, die GRÜNEN allgemein haben viel vor - das meiste was vor der GRÜNEN Zeit war, ist falsch gewesen und muß verändert werden. Eigentlich muß alles, muß die ganze Welt verändert werden.

So schallt es aus der PR-Mühle einer Partei, die im Land Magdeburg über 5,4% Wählergunst auf sich ziehen konnte.

Mit anderen Worten, und das ist im Text auch dargestellt - gemeinsam mit Berlin (die Zentrale oder dem Zentralrat) werden "wir den ländlichen Raum schon schaffen", genauso wie die GRÜNEN es die vergangenen 30 Jahre auch schon geschafft haben.
Von allem "Mehr" bei dem, was die Menschen nicht haben und von allem weniger, was die Menschen einst ihr Eigen nannten, am besten noch Fleischlos.
Der Glaube an die Zukunft kann alle Menschen hierzulande zwar nicht satt machen - das ist aber auch niemals das Ziel grüner Ideologie gewesen.

Nicht die Heimat, sondern die Welt soll es sein . . . . Zentralität und Globalität . . . .

DermbacherIn vor 7 Wochen

Die Grünen sind für mich die Partei, die keine Überzeugungen mehr aufgeben muss, weil sie keine Überzeugungen mehr hat, Überzeugung ist das, was im aktuellen jeweiligen Koalitionsvertrag steht.
Überzeugend ist es für mich nicht, dass man in Sachsen-Anhalt bei den Grünen nur nebulös davon spricht: " "wo wir gute Ideen haben und wo wir auch Menschen haben, die diese Ideen nicht nur entwickeln, sondern sie auch gut verkörpern." ".
Die Grünen Sachsen-Anhalts hätten sich schon die letzten 30 Jahre für Menschen jenseits der Großstädte einsetzen können, haben dies aber unterlassen.
Die Krone wird dem ganzen noch dadurch aufgesetzt, dass die beiden ParteisprecherInnen aus Großstädten kommen.

Anni22 vor 7 Wochen

Frau Lemke, wir sollten uns die nächsten 3-5 Monate um die Coronabekämpfung kümmern und zwar bitte mit aller Kraft. Die Bevölkerung ist lagsam am Limit und es braucht Perspektiven. Das will keiner noch jahrelang mitmachen. Die Ampel sollte hier mal alle Energie reinstecken. Sollte Sie hier Erfolg vorweisen können, wird das auch das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der neuen Regierung erhöhen. Schaffen Sie das nicht, können Sie die "Rest" dann wohl auch vergessen....

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