Forstschäden in Millionenhöhe Landesrechnungshof bemängelt: Zu wenige Rehe, Hirsche und Wildschweine erlegt

Wenn der Landesrechnungshof die Presse einlädt, bedeutet das für Ministerien für gewöhnlich nichts Gutes: Denn die Rechnungsprüfer schauen sich Jahr für Jahr an, ob Ministerien und Behörden in Sachsen-Anhalt ordentlich gewirtschaftet haben. Auch in diesem Jahr war das nicht immer der Fall. So kritisiert der Rechnungshof unter anderem, dass in Sachsen-Anhalt zu wenig gegen den (zu) hohen Bestand von Rehen, Hirschen und Wildschweinen getan wird.

Zwei Rehe im Wald.
Putzig, in zu hoher Zahl aber eine Gefahr für den Wald: In Sachsen-Anhalt müsste Schalenwild nach Meinung des Landesrechnungshofs häufiger erlegt werden. (Symbolbild) Bildrechte: imageBROKER/Horst Jegen

(Zu) hoher Bestand von Schalenwild verursacht Forstschäden in Millionenhöhe

In Sachsen-Anhalts Wäldern werden zu wenige Rehe, Hirsche und Wildschweine erlegt. Das bemängelt der Landesrechnungshof und verweist auf Forstschäden in Millionenhöhe. Aus dem am Freitag vorgestellten Jahresbericht der Behörde geht hervor, dass der Bestand von sogenanntem Schalenwild in den vergangenen Jahren deutlich angewachsen ist. Und das hat Folgen: Wie die Rechnungsprüfer schreiben, fressen die Tiere ihre eigene Lebensgrundlage auf und verursachen "enorme Forstschäden".

In dem Bericht ist von Schäden von zuletzt 74 Millionen Euro allein auf den staatlichen Jagdflächen die Rede. Die Summe bezieht sich auf die vergangenen Jahre. Die staatlichen Jagdflächen machen allerdings gerade einmal acht Prozent der 1,9 Millionen Hektar Jagdfläche im Land aus. Das Problem dürfte also weitaus größer sein, die Schäden weitaus höher.

Rechnungshof: Reviere sind zu groß

Eine Ursache seien die großen Reviere mit teilweise bis zu 3.000 Hektar Jagdfläche pro Förster. Das ist nach Ansicht des Rechnungshofs zu viel, um das Revier ohne Hilfe von privaten Jägern zu pflegen. Hinzu kämen milde Winter und längere Schonzeiten für das Wild.

Der Rechnungshof verlangt nun, dass das Umweltministerium handelt. Die überhöhten Bestände von Reh, Hirsch und Wildschwein müssten auf ein Maß reduziert werden, das ökologisch und ökonomisch verträglich sei, hieß es. Dafür müsse zunächst ermittelt werden, wie viel Wild es genau gebe. Daran, so der Vorschlag des Rechnungshofs, müssten dann die "Abschussplanungen" ausgerichtet werden.

Der Landesrechnungshof Der Landesrechnungshof sitzt in Dessau. Seine Aufgabe ist, die Finanzen der Landesbehörden in Sachsen-Anhalt zu überprüfen – und auf gegebenenfalls auftretende Mängel hinzuweisen. Präsident der Behörde ist Kay Barthel.

Vergabefehler beim Landeskriminalamt

In seinem neuen Jahresbericht bemängelt der Landesrechnungshof auch die Vergabe von Untersuchungsaufträgen beim Landeskriminalamt (LKA). Dabei geht es konkret um die Analyse von DNA-Proben zur Aufklärung von Verbrechen. In mindestens zwei Fällen hätten diese Aufträge nach Einschätzung der Prüfer europaweit ausgeschrieben werden müssen – das LKA vergab sie aber an externe Labore, mit denen schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet worden war. Grund, unter anderem: die Dringlichkeit von Untersuchungen.

Der Rechnungshof lässt dieses Argument nicht gelten. Er verweist darauf, dass lange vorher bekannt ist, wenn ein Vertrag ausläuft. Dann könne er auch rechtzeitig europaweit ausgeschrieben werden – zumal nicht auszuschließen sei, dass dem Land Sachsen-Anhalt ein finanzieller Schaden entstanden ist.

Was der Landesrechnungshof außerdem bemängelt

  • Man kennt das von Baustellen in Deutschland: Vieles wird teurer, vieles dauert länger. So auch beim Umbau der Polizeiinspektion in Magdeburg. Hier, kritisieren die Rechnungsprüfer, seien die Verzögerungen und höheren Kosten (150 Millionen Euro statt 115 Millionen) hausgemacht – weil das Land keinen "rechtsverbindlichen Bebauungsplan" geschaffen hat.
  • Am Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg gibt es unter anderem einen hochmodernen Kernspintomograf – der auch von Dritten zu Forschungszwecken genutzt werden kann. Das passiert laut Rechnungshof auch regelmäßig. Problem: Das Leibniz-Institut verlangt dafür meist keine Gebühren. Nicht zulässig, sagen die Prüfer.
  • Zu hohe Baukosten bei zu wenig Geld im Landeshaushalt: Der Rechnungshof findet es erschreckend, dass die Landesstraßen in Sachsen-Anhalt in immer schlechterem Zustand sind. Um wenigstens den aktuellen Zustand der Straßen zu erhalten, wären laut Verkehrsministerium in den vergangenen fünf Jahren jährlich 88 Millionen Euro nötig gewesen. Oft wurde aber weniger Geld bereitgestellt. Der Landesrechnungshof spricht von einer fatalen Entwicklung: "Wenn wir den Verfall der Landesstraßen jetzt nicht aufhalten, werden die Folgekosten für eine grundhafte Erneuerung umso drastischer zu Buche schlagen."
  • Kritik gibt es auch am MDR, dessen Finanzen als öffentlich-rechtliche Anstalt ebenfalls vom Landesrechnungshof geprüft werden: Bei der Vergabe von Bau-, Liefer- und Dienstleistungen seien Beschaffungen teilweise ohne öffentlichen Wettbewerb gemacht worden. Das berge erhebliche Risiken und widerspreche einem sparsamen Umgang mit Gebührengeld, so die Prüfer.

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Kay Barthel
Der Präsident des Rechnungshofes, Kay Bartel, sieht den umstrittenen Zins-Erlass kritisch. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Dezember 2020 | 10:00 Uhr

6 Kommentare

Harri vor 17 Wochen

Da seh ich den Wolf als idealen Partner. In den letzten Jahren hab ich sehr viel Reh und Wildschweine vorgefunden die vom Wolf gerissen worden. Die Medien fixieren sich leider nur auf spektakuläre Schafsrisse. Der Wolf reguliert solche menschengemachten Überbestände. 2015 hatte ich meine erste Wolfsbegegnung und habe regelmäßig Spuren und Losungen gefunden, selbst am Waldkindergarten streifen sie seit Jahren umher. Meine Skepsis ist über die Jahre gewichen. Probleme mit freilaufenden Hunden hab ich regelmäßig. Da seh ich aber auch ein menschengemachtes Problem. Die Natur reguliert sich immer allein, wenn man sie läßt und diese brauch den Menschen überhaupt nicht. Biogasanlagen haben Maisüberproduktion angeregt, jede zweite Ackerfläche ist mit Mais angebaut, daß sich da die Wildschweine verdreifachen ist klar und so muß man nur mal nach der Ursache suchen. Der Mensch ist fast immer der Verursacher solcher Ungleichgewichte und sucht immer die Schuld beim Schwachen,der Natur,dem Tier.

Steffen Kayser vor 17 Wochen

Die Jäger würden ja gern mehr erlegen. Und was dann? Wohin mit den toten Tieren. Solange minderwertiges Wildfleisch um den halben Erdball gekarrt wird, werden die Jäger das Wildbrett nicht los. Und der Handel und die Fleischindustrie hat ja an echten Biotieren aus Deutschland kein Interesse. Weder vom Bauern noch vom Jäger

Torsten W vor 17 Wochen

Die Schuld den Jägern in die Schuhe zu schieben ist schon arg. Schuld ist die vergrünlichte Politik mit ihren Biogasreaktoren! Der Landwirt baut zum größten Teil an, was in den Reaktoren zu Geld gemacht werden kann. Weiterhin werden politische Kräfte (Aktivisten) bestärkt, Jagdeinrichtungen zu beschädigen oder gar nieder zu brennen! Ein Menschenleben wird billigend in Kauf genommen! Über Waffengesetze welche Sportschützen und Jäger treffen aber nie gewaltbereite Verbrecher, gar nicht darüber reden...

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