Lehrermangel Rufe nach Wiederausbau der Lehrerausbildung in Magdeburg werden lauter

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Einst wurde die Lehrerausbildung an der Uni Magdeburg stark zusammengekürzt. Nun fordert auch die CDU-Fraktion im Landtag, den Schritt rückgängig zu machen. An der Uni selbst zeigt man sich dafür gesprächsbereit. Laut Wissenschaftsminister Armin Willingmann ist der Ort der Ausbildung aber nicht das entscheidende Problem.

Eine Fahne mit dem Porträt des Physikers Otto von Guericke weht vor dem Campustower der Otto von Guericke Universität.
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In Sachsen-Anhalt kann man sowohl an der Universität Halle und wie auch an der Universität Magdeburg Medizin studieren. Das Flächenland benötige zwei Standorte, so ist immer wieder zu hören. In der Pädagogik hingegen sind Möglichkeiten deutlich eingeschränkter.

So ist es zwanzig Jahre her, dass der damalige Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz verfügte, die Lehrerausbildung von Magdeburg nach Halle zu verlagern. Olbertz, vor der Übernahme des Ministeramts selbst als Professor für Erziehungswissenschaften der halleschen Universität tätig gewesen, verwies auf notwendige Kosteneinsparungen.

Nach Reform: Nur noch ein Lehramtszweig

Vom breiten Spektrum der Lehrerausbildung mit den Fächern Deutsch, Musik oder Geschichte blieb in Magdeburg nach der Reform nur ein einziger Lehramtszweig übrig: die Ausbildung von Berufsschullehrern. Dass diese Entscheidung den Hochschulstandort Magdeburg schwächen würde, galt seinerzeit als rückwärtsgewandtes Lamento engstirniger Magdeburger Lokalpolitiker.

Doch seit Jahren gibt es Kritik an dieser Entscheidung, und unter dem Eindruck andauernden Lehrermangels zeigen sich die Probleme der damaligen Zusammenlegung immer deutlicher.

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Wanrstreiks in Belrin
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Lehrermangel vor allem im Norden

Carsten Borchert ist bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Magdeburger Landtag. Vor seiner politischen Karriere war er vierzig Jahre im Schuldienst tätig, zuletzt als Schulleiter im Salzwedel. Beim Thema Lehrermangel gebe es ein regionales Gefälle in Sachsen-Anhalt, sagt Borchert: "Wie die aktuellen Zahlen zeigen, ist vor allem der Norden betroffen."

Das sich allerdings kaum noch Bewerberinnen und Bewerber in Salzwedel, Stendal oder Seehausen finden lassen, habe auch etwas mit der Lehrerausbildung im Land zu tun. Von der Martin-Luther-Universität in Halle ist man in dreißig Minuten Zugfahrt mitten in Weißenfels. Nach Salzwedel braucht man mehr als zwei Stunden. Schulen im Norden sind so nicht gerade attraktiv für Praktikum und Referendariat.

Die Linke im Magdeburger Landtag fordert schon länger, die Lehrerausbildung an der Magdeburger Universität wieder auszubauen. Die CDU sieht das nun ähnlich: "Wir haben den Vorschlag gemacht, die Ausbildung in Magdeburg auszubauen, weil wir ein Flächenland sind", sagt Carsten Borchert.

Wissenschaftsminister sieht keinen Handlungsbedarf

Forderungen aus der CDU kann Sachsen-Anhalts Hochschulminister Armin Willingmann mit einer gewissen Gelassenheit zur Kenntnis nehmen, er ist Vertreter der SPD. Doch die CDU ist der größere Koalitionspartner. So zeigt sich Willingmann auch diplomatisch bei seiner Ablehnung des Vorschlags: Man habe in Sachsen-Anhalt 5.500 Abiturienten pro Jahr. Denen böten sich 1.000 Studienplätze auf Lehramt, 800 in Halle und 200 in Magdeburg. "Und diese Studiengänge sind schon jetzt nicht ausgelastet", sagt der Minister.

Es wäre also unsinnig, so der Wissenschaftsminister Willingmann, in Magdeburg das Angebot zusätzlich aufzubauen. Das würde die Nachfrage kaum ankurbeln. Nicht nur Attraktivität des Studienplatzes spiele eine Rolle, sondern auch die Attraktivität des Lehrerberufs: "Wenn wir eine begrenzte Zahl von Abiturientinnen und Abiturienten haben und wenn wir zugleich akzeptieren, dass aus diesem Pool auch unsere Nachwuchsmediziner gewonnen werden sollen, oder unsere Ingenieurinnen und Juristen, dann sind das einfach zu wenige, um daraus zusätzliche Lehrkräfte zu gewinnen."

Von einer Erhöhung der Abiturientenquote in Sachsen-Anhalt hält Minister Willingmann dennoch nichts. Schon jetzt würden die Kammern von Industrie und Handwerk zurecht fehlenden Nachwuchs beklagen. Ganz offensichtlich zeigen sich die Probleme des demografischen Wandels in Sachsen-Anhalt immer deutlicher.

Uni Magdeburg könnte mehr Lehrer ausbilden

Vor sechs Wochen hat das Bildungsministerium erneut 916 Lehrerstellen ausgeschrieben. Darauf meldeten sich allerdings nur 385 Lehrkräfte und Seiteneinsteiger und für 330 Stellen gab es überhaupt keine Bewerbung. Dabei engagiert man für die Suche nach Lehrpersonal mittlerweile sogar Headhunter.

An der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität verfolgt man die Debatte aufmerksam. Aus Sicht von Rektor Jens Strackeljan könnte die Lehrerausbildung in Magdeburg wieder hochgefahren werden. So könnte der Beruf auch wieder interessanter werden für junge Menschen aus Sachsen-Anhalts Norden.

Dafür, so der Rektor, müsste das Land aber die Zielvereinbarung für die Uni anpassen. Er zeigt sich gesprächsbereit. "Man hört ja auch die Signale aus der Politik und das quer durch die Parteien", sagt Strackeljan.

Problem der Finanzierung

Allerdings sind auch an der Uni Magdeburg zusätzliche Studiengänge ohne zusätzliches Geld nicht möglich. Und somit sind wir wieder an jenem Punkt, wo die Landesregierung schon mal vor zwanzig Jahren stand: bei der Debatte um die Hochschulfinanzierung.

Tragisch ist, dass der damalige Versuch, die Universität Halle auf eine feste Basis zu stellen, offenbar gescheitert ist. Das machen die jüngsten Sparpläne der Uni deutlich.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, kein Blatt der Bildungsferne, schreibt mit Blick auf die Situation an der Martin-Luther-Universität: "Die Hochschulleitung gab weiter munter Geld aus, das sie nicht hatte." Anstatt Strukturen zu straffen, habe das Rektorat vor allem die Verwaltung "kräftig wachsen" lassen.

Dass nun an der Uni Halle auch diskutiert wurde, aus Kostengründen weniger Lehramtsstudenten ausbilden zu wollen, klingt vor diesem Hintergrund wie ein Eingeständnis des Scheiterns.

MDR (Uli Wittstock)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. April 2022 | 12:00 Uhr

2 Kommentare

Altlehrer vor 31 Wochen

Mehr Studienplätze nützen gar nichts, wenn man nicht den Beruf des Sekundarschullehrers gesellschaftlich aufwertet; besonders auf dem flachen Land. Schon jetzt sind die bestehenden Studiengänge nicht ausgelastet, weil das Lehramt am Gymnasium bevorzugt wird.

geradeaus vor 31 Wochen

Guter Einwand. Nur, wie macht man das ?

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