Parteitag in Aschersleben Nach Rücktritt von Gebhardt: Lange neuer Co-Vorsitzender der Linken in Sachsen-Anhalt

MDR AKTUELL Mitarbeiter Felix Fahnert
Bildrechte: MDR/punctum.Fotografie/Alexander Schmidt

Mehr als ein Jahr nach dem Rücktritt von Parteichef Stefan Gebhardt wählt Sachsen-Anhalts Linke am Samstag einen neuen Co-Vorsitzenden. Der Hallenser Hendrik Lange soll künftig gemeinsam mit Janina Böttger die Geschicke der Partei lenken. Böttger kommt ebenfalls aus Halle. Von einer Spaltung der Linken will Kandidat Lange nichts wissen – und in der Landtagsfraktion sieht man die Stimmung mittlerweile deutlich verbessert.

Bei einem Parteitag der Linkenwerden per Handzeichen Tagespunkte gewählt
Sachsen-Anhalts Linkspartei kommt am Samstag in Aschersleben zu einem Parteitag zusammen. Bildrechte: dpa

Die Vorwürfe von Stefan Gebhardt gegen seine eigene Partei vor gut einem Jahr hatten es in sich. "Gräben" gebe es innerhalb der Linken, eine "Kluft" zwischen Fraktion und Partei, die Wahlkampfleitung habe gar gegen das eigene Spitzenpersonal gearbeitet, erklärte Gebhardt. Der damalige Co-Vorsitzende trat überraschend zurück – und das nur eine Woche nach seiner Wahl. Seither besteht die Doppelspitze in Sachsen-Anhalts Linkspartei nur noch aus der Ein-Frau-Führung von Janina Böttger.

Lange: Linke ist attraktiv, wenn sie mitregiert

Hendrik Lange (Die Linke), Landtagsabgeordneter
Hendrik Lange, Landtagsabgeordneter der Linken Bildrechte: dpa

An diesem Samstag soll sich das ändern: Nach mehr als 14 Monaten will die Linke auf dem Parteitag in Aschersleben einen neuen Co-Vorsitzenden wählen. Dafür kandidiert Hendrik Lange aus Halle – und der sieht die "Kluft" zwischen Partei und Landtagsfraktion mittlerweile deutlich verkleinert. "Es gibt einen guten Austausch", sagt Lange im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Als Vorsitzender wolle er diesen Prozess fortsetzen.

Seit 2006 im Landtag Hendrik Lange wurde 1977 in Quedlinburg geboren, 2005 absolvierte er seinen Abschluss zum Diplom-Biologen an der Uni Halle. Seit 2004 ist er für die Linkspartei Stadtratsmitglied in Halle, seit 2006 auch Mitglied des Landtags in Magdeburg. 2019 unterlag Lange bei der Oberbürgermeisterwahl in Halle dem gewählten Amtsinhaber Bernd Wiegand erst in der Stichwahl.

Doch wohin steuert Sachsen-Anhalts Linke in einer Zeit, in der die Partei bundesweit in einer existenziellen Krise steckt? Man brauche ein "klares Profil", sagt Lange, dadurch werde man für die Wählerschaft attraktiv. Heißt: Konkrete Politik für die Menschen vor Ort machen. "In den Ländern, in denen wir mitregiert haben, wird unsere Politik gewürdigt." Er verweist auf gute Wahlergebnisse in Berlin und Bremen sowie die Zustimmungswerte für den linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow in Thüringen.

Fraktionschefin von Angern: Haben Vertrauen zurückgewonnen

Die Partei sollte "im Hier und Jetzt arbeiten", findet Lange – auch wenn es natürlich stets Visionen für die Zukunft brauche. Von Diskussionen um eine Spaltung der Partei hält er gar nichts. Heißt: Weniger Selbstbeschäftigung, mehr inhaltliche Arbeit. Als Hochschulpolitiker wolle er soziale Gerechtigkeit mit gerechter Bildungs- und Klimapolitik verbinden, sagt er.

Unterdessen sieht auch die Landtagsfraktion die Stimmung innerhalb der Linkspartei deutlich verbessert. Fraktionsvorsitzende Eva von Angern sagt im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT, sie teile das, was Stefan Gebhardt vor gut einem Jahr gesagt hat. Seither habe man sich aber der Probleme angenommen – und Vertrauen zurückgewonnen. So organisiere man fast alles gemeinsam mit der Parteibasis und den Mandatsträgern in den Kommunen. Die "Kluft" zwischen Partei und Fraktion sei "vielen gar nicht mehr bewusst", sagt von Angern.

Vorbereitung auf Kommunalwahlen 2024

Sie räumt ein, dass die Linke insgesamt in "schwierigem Fahrwasser" sei. Dass es über ein Jahr lang keine Doppelspitze gegeben habe, spiele angesichts der vielen anderen Probleme kaum eine Rolle, sagt von Angern. Es gelte jetzt, "geschlossen nach außen" aufzutreten, um bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr erfolgreich abzuschneiden. Auf dem Parteitag will die Linkspartei dazu einen Leitantrag beschließen, sich für die politische Arbeit vor Ort, für Daseinsfürsorge, Bildungsgerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt starkmachen.

Dass Hendrik Lange als neuer Co-Vorsitzender neben Janina Böttger dabei mithelfen will, freut Fraktionschefin Eva von Angern. Wird er am Samstag gewählt, bestünde die Doppelspitze der Linken in Sachsen-Anhalt aus einem Hallenser und einer Hallenserin. Für von Angern ist das nebensächlich. Lange sei "ein leidenschaftlicher Hochschulpolitiker", da könne man sowohl an der Uni Halle als auch der Uni Magdeburg nachfragen. Regionale Streitigkeiten spielten keine Rolle, sagt von Angern. "Und das sage ich als Magdeburgerin!"

Mehr zum Thema

MDR (Felix Fahnert)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. Juni 2023 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

Hallebewohner vor 15 Wochen

Herr Lange sollte nun endlich seinen Sitz im Vorstand des BBZ Lebensart niederlegen. Bei der Arbeit die nun zusätzlich auf ihn zukommt, kann er mit Sicherheit keine vernünftige Vereinsarbeit für Lesben/Schwule/Bisexuelle/Transsexuelle/Transgender etc. leisten! Zudem ist die queere Szene in Mitteldeutschland viel zu politisch linkslastig und steht unter der Kuratel von LINKEN, SPD und GRÜNEN. Ein deutlicher struktureller Abstand von linken Politikern zu queeren Vereinen einschließlich der AIDS-Hilfe ist endlich notwendig.

Erichs Rache vor 15 Wochen

„Nicht jene Industriestaaten haben die niedrigsten Kinderzahlen, in denen die Frauen besonders selbstbewusst sind, sondern jene, in denen der Grad der Emanzipation von Frauen und Gesellschaft am weitesten auseinander klafft. Wo die gesamte Gesellschaft liberal eingestellt ist und etwa die Berufstätigkeit von Frauen akzeptiert, wo sich auch Väter um Kleinkinder kümmern, wo Beziehungen ohne Trauschein und Kinder aus diesen Beziehungen als normal gelten, liegen die Kinderzahlen deutlich höher als in Ländern, in denen dies nicht der Fall ist"

Vgl. Inga Kröger, Nienke van Olst, Reiner Klingholz, „Das Ende der Aufklärung. Der internationale Widerstand gegen das Recht auf Familienplanung“,

Erichs Rache vor 15 Wochen

Das, was in Sachsen-Anhalt passiert ist für mich NICHT Realpolitik, sondern REALSATIRE!!!

Wenn trotzt permanter Zu- und Einwanderung die Einwohnerzahl schrumpft, dann sollte sich die Landesregierung mal "an die Nase fassen" und überlegen, warum das so ist!

Mehr Politik in Sachsen-Anhalt