Bericht des Innenministeriums Munition bei Sachsen-Anhalts Polizei verschwunden

Seit Jahren verschwindet bei der Polizei in Sachsen-Anhalt immer wieder Munition. Einem Bericht des Innenministeriums zufolge haben die Beamten in den letzten fünf Jahren zeitweise über 100 Schuss Munition vermisst. Ein Großteil ist zwar wieder aufgetaucht, über ein Dutzend der Patronen bleibt aber verschwunden.

Munition Pistole 9mm
Bei der Polizei in Sachsen-Anhalt sind mehrere Schuss Munition verschwunden. Bildrechte: imago/Frank Müller

Sachsen-Anhalts Polizeibeamte verlieren immer wieder Munition für ihre Dienstwaffen. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Antwort des Inenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt.

Dem Bericht zufolge sind seit 2016 insgesamt 119 Schuss Munition zumindest zeitweise verschwunden. Ein Großteil davon konnte nach der Verlustmeldung zwar wieder gefunden werden. Ein komplettes Pistolenmagazin mit acht Schuss Munition das im Sommer 2019 von der Polizeiinsepktion in Stendal als Verlust gemeldet wurde, bleibt jedoch weiterhin verschwunden. Auch acht weitere Patronen die von anderen Polizeidienststellen vermisst werden, sind bislang noch nicht wieder aufgetaucht.

Sieben Dienststellen betroffen

Nach Angaben des Innenministeriums ging bei Sachsen-Anhalts Polizei im Jahr 2016, 2017, 2018 und 2020 je eine Patrone Pistolenmunition dauerhaft verloren. Im Jahr 2019 waren es insgesamt zwölf Schuss Pistolenmunition. Das betrifft neben der Polizeiinspektion in Stendal fünf Dienststellen, darunter die Polizeidirektion Ost, Polizeidirektion Süd, die Landespolizeiinspektion Dessau-Roßlau, die Polizeiinspektion Magdeburg und die Zentralen Dienste.

Die Abgeordnete Henriette Quade (Die Linke) spricht im Plenarsaal des Landtages.
Henriette Quade Bildrechte: dpa

Das allermeiste ist ja zum Glück wieder aufgetaucht. Aber die Frage, wie man mit Waffen und Munition umgegeangen wird, die ist immer heikel.

Henriette Quade | Die Linke Landtagsabgeordnete

Linken-Abgeordnete Henriette Quade, die die parlamentarische Anfrage an das Innenministerium gestellt hatte, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass sie zwar grundsätzlich froh darüber sei, dass bei der Polizei in Sachsen-Anhalt nicht so viel Munition verschwunden ist wie bei anderen Behörden. Es sei nun aber wichtig zu erfahren, unter welchen Umständen Munition verschwunden und dann wieder aufgetaucht ist und wie man in der Polizei grundsätzlich mit solchen Fällen umgehe.

Kaum Verfahren gegen Polizeibeamte

Ernste Konsequenzen für diejenigen Beamten, die die Munition mutmaßlich verloren haben, gab es nach Angaben des Innenministeriums bislang kaum. Es seien lediglich ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren und zwei Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Zwei der Verfahren seien inzwischen eingestellt. Ein Disziplinarverfahren dauert noch an, heißt es in der Antwort vom Innenministerium.

In den vergangenen Monaten ist sowohl bei der Bundeswehr als auch bei zahlreichen Polizeibehörden immer wieder Munition und auch Sprengstoff verschwunden. Zuletzt machte ein Fall aus Sachsen bundesweit Schlagzeilen. Beamte einer inzwischen aufgelösten Sondereinheit in Dresden sollen dabei 7.000 Schuss Munition entwendet haben. Das sächsische Innenministerium hatte deshalb den Präsidenten des Landeskriminalamtes in Sachsen entlassen.

MDR, Manuel Mohr, Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 09. April 2021 | 16:00 Uhr

24 Kommentare

MiSt vor 3 Wochen

@ Ines W. Mediator

Ja, hallo, jetzt laufen Sie zur Höchstform auf! Frei nach der EAV '... das Böse ist immer und überall'. Ganz, ganz schlimm, nicht? Aber jetzt mal jenseits der Aluhüte.
So zu tun, als gäbe es bei der Polizei nur Verbrecher, Rassisten und Rechtsextremisten mag zwar einem vom Ersten, vom Dritten, vom Ersten, vom Zweiten geprägtes Weltbild bauchpinseln, entspricht aber nicht der Realität. Wenn Sie überall, wo Sie hinsehen kriminelle und ihrem Berufsbild nicht gerecht werdende Polizisten sehen, ist dieser Kommentarbereich nicht der richtige Ort für Hilfe.

Maria A. vor 3 Wochen

Ihre Überlegungen sind sicherlich im ersten Moment begrüßenswert. Doch befürchte ich, dass auf der anderen Seite bei Ihnen und vielen anderen um diese Munition Besorgten eine enorme Naivität vorhanden ist, was das Vorhandensein zahlloser illegaler Waffen mit Munition dazu in Deutschlands großen Städten betrifft. Wie die nach und nach ihren Weg hierher fanden, dürfte klar sein. Ein kleiner Teil dieser illegalen Gefahrenquellen ist jedoch durch Abverkäufe beim Abzug der Russen erworben worden. Das sollen vorwiegend Maschinenpistolen gewesen sein... Eigentlich makaber, wenn Medien zwar tagelang über den Verlust von einigen Schuss Munition salbadern, Linke eifrig Aufklärung und Konsequenzen fordern, aber einfach ignorieren, dass in diesem Land in der Realität, nicht nur in Krimis, Clan-Mitglieder und andere Kriminelle mittlerweile "bestens" bewaffnet sind. Wenn man damit bloß keine schlafenden Hunde wecken will, dann ändert es nichts daran, dass längst lauernde Bestien vorhanden sind.

MiSt vor 3 Wochen

@ Mediator aka. Ines W.

Im Artikel wird lediglich von Verlust, in den überwiegenden Fällen sogar nur zeitweiligem, gesprochen. Im Berichtszeitraum von 5 Jahren sind ein Straf- und zwei Disziplinarverfahren eingeleitet worden, wovon je ein Straf- und ein Disziplinarverfahren eingestellt wurden. Strafverfahren werden eingeleitet, wenn der Anfangsverdacht auf eine Straftat, wie z.B. Diebstahl besteht. Ein Disziplinarverfahren wird bei bei pflichwidrigem Verhalten, wie z.B. unachtsames Verlieren, eingeleitet.
Ist es lediglich reines Unvermögen beim verstehenden Lesen oder doch ureigene Böswilligkeit gegenüber Polizisten, die Sie solche Horrorvisionen schreiben lässt?
Belegen Sie mal Ihre Phantasterei. Wenn Patronen die Spitze sind, von welchen Diebstählen durch "Innentäter" wissen Sie zu berichten? Wo wurde die "Papierlage" frisiert für die Ausschleusung ganzer Munitionspakete?
Ihre bisher unbelegten Tatsachenbehauptungen sollten Sie jetzt mit Beispielen untermauern, ich bin gespannt.

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