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Jens Bullerjahn war von 2006 bis 2016 Finanzminister in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

Ehemaliger FinanzministerKumpel, Arbeitstier, Sturkopf: Ein Nachruf auf Jens Bullerjahn

von Ronald Neuschulz, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 27. November 2022, 09:57 Uhr

Jens Bullerjahn ist tot. Sachsen-Anhalts ehemaliger Finanzminister und SPD-Spitzenpolitiker starb am Samstag an den Folgen von ALS, einer unheilbaren Krankheit des Nervensystems. Bullerjahn war verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Mitte des Jahres hatte er seine Erkrankung öffentlich gemacht. Ein Nachruf von MDR-Reporter Ronald Neuschulz.

"Wir sehen uns", das waren die Abschiedsworte nach unserem letzten Treffen Mitte des Jahres. Damals sprach Jens Bullerjahn erstmals in einem Radiointerview öffentlich über seine unheilbare Krankheit. Auf den Füßen bereits langsamer unterwegs, stimmlich schon arg eingeschränkt, aber im Kopf noch hellwach sah er das für sich Unausweichliche kommen:

Ich habe tolle Ärzte, tolle Therapeuten, die Familie, meine Freunde, alle ziehen mit. Das ist bewundernswert. Aber am Ende muss ich mit der Krankheit umgehen, so lange, wie es geht.

Jens Bullerjahn

Strippenzieher der SPD

Kaum einer hat den Politikbetrieb in Sachsen-Anhalt seit 1990 so mitgeprägt wie der Mansfelder. Der gelernte Elektroingenieur aus dem Mansfeld Kombinat wurde der Strippenzieher der SPD im Land. Er arbeitete sich im Laufe der Jahre hoch zum Finanzminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten und kritisierte den eigenen Laden auch mit klaren Worten, wenn der an den selbstgesteckten Sparzielen vorbeischrammte:

Eine Regierung, die das nicht stemmt, wird über kurz oder lang auch hinterfragt werden. Wer das nicht schafft, der hat auch keinen Anspruch, das dann weiter zu machen.  

Jens Bullerjahn

Bullerjahn litt an der Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). ALS ist eine degenerative Erkrankung des Nervensystems.  Bildrechte: dpa

Ein Mansfelder Vulkan

Wenn ihm etwas zu langsam, zu behäbig ging, konnte Bullerjahn schon mal aus der Haut fahren. Aus seinem Umfeld im Ministerium hieß es dann gelegentlich, der Mansfelder Vulkan sei wieder aktiv gewesen.

Bullerjahn, das war ein Kumpel, Arbeitstier, Sturkopf, der sich und seinen engsten Mitarbeiter einiges abverlangte. Immer getrieben von der Idee Sachsen-Anhalt finanziell und generell auf einen guten Kurs zu bringen:

Ich möchte, dass wir Politik aus einem Guss anbieten. Ohne dass wir uns dem Vorwurf aussetzen, wir würden mit dem Rasenmäher oder mit der Axt sanieren. Dann ist eine Regierung in der Lage, gänzlich ohne neue Schulden auszukommen.

Jens Bullerjahn

Bullerjahn war von 1990 bis 2016 Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

Autorschaft als Anker

Seit seinem Abschied aus der aktiven Politik im Jahr 2016 war Jens Bullerjahn als Berater und Buchautor unterwegs. Gerade die Arbeit an seinem letzten Buch sei für ihn eine Art Anker gewesen, trotz Krankheit etwas Sinnvolles zu machen, sagte Jens Bullerjahn bei unserem letzten Interview. Er wisse nicht, wie weit ihn seine Beine noch tragen werden.

Am 26.11.2022 starb Jens Bullerjahn im Alter von 60 Jahren.

MDR (Ronald Neuschulz, Moritz Arand)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. November 2022 | 06:00 Uhr