Infektionszahlen spürbar gesunken Nach Pfingsten werden Corona-Maßnahmen deutlich gelockert

Weil die Corona-Infektionszahlen in Sachsen-Anhalt zuletzt deutlich gesunken sind, will die Landesregierung nun schneller die Maßnahmen lockern, als bisher geplant. Schon in wenigen Tagen können Fitness-Studios, Hotels und Kulturbetriebe wieder öffnen. Ein Überblick.

Der Marktplatz von Halle
Ab Dienstag soll in Sachsen-Anhalt in vielen Bereichen weiter gelockert werden. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/ Sarah-Maria Köpf

Die Corona-Infektionszahlen in Sachsen-Anhalt haben sich in der zurückliegenden Woche nahezu halbiert. Die 7-Tage-Inzidenz, die angibt, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche positiv auf Corona getestet wurden, sank nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von 114,8 auf 69,6.

Deswegen hat sich die Landesregierung zu einer Kehrtwende entschieden und will nun großflächig die Corona-Maßnahmen lockern. Das erklärte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Donnerstag auf der Landespressekonferenz. Eine etwa zweiwöchige Zwischenstufe, wie sie Haseloff noch am Dienstag ins Spiel gebracht hatte, ist vom Tisch.

Lockerungen bei Inzidenzwerten unter 100 und unter 50

Grundlage für die Lockerungen ist die 13. Corona-Eindämmungsverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt. Gelten soll sie bis zum 20. Juni. Dabei gibt es zwei Stufen: Bleibt eine Stadt oder ein Landkreis fünf Werktage lang unter einem Inzidenzwert von 100, fällt die Bundesnotbremse. Dann sind erste Lockerungen möglich.

Liegt der Inzidenzwert mindestens fünf Tage – Sonntage werden dabei mitgezählt – unter 50, sind weitere Lockerungen möglich. Voraussetzung sei in beiden Stufen, dass die Nachverfolgbarkeit der Infektionen gewährleistet wird und dass die Menschen geimpft, getestet oder genesen sind, so Haseloff.

Das sind die Lockerungen im Überblick:

Kultur

Kleinere Veranstaltungen im Außenbereich sind mancherorts schon jetzt möglich. Nach Pfingsten dürfen Kulturstätten dann auch die Innenbereiche öffen, wenn die Inzidenz im Landkreis oder in der Stadt mindestens fünf Werktage unter 100 liegt. Dabei könne die Hälfte der verfügbaren Plätze genutzt werden, maximal seien aber 50 Personen erlaubt und jeder zweite Platz müsse frei bleiben, erklärte Kulturminister Reiner Robra. Die Sitze sollen versetzt, wie auf einem Schachbrett, genutzt werden. Bei Außenveranstaltungen sind maximal 200 Gäste erlaubt.

Liegt die Inzidenz fünf Tage unter 50, können bis 200 zu Menschen eine Kulturveranstaltung besuchen, sofern dadurch nicht mehr als die Hälfte der Plätze belegt wird. Draußen sind dann bis zu 300 Gäste erlaubt. Bei einer dauerhaften Inzidenz unter 35 soll die Begrenzung weiter gelockert werden.

Gastronomie, Tourismus, Shopping

Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sprach auf der Pressekonferenz von einem "guten Tag für den Tourismus und die Gastronomie im Land". In allen kreisfreien Städten und Landkreisen, die fünf Werktage lang eine Inzidenz von unter 100 vorweisen, dürfen die Hotels laut Willingmann wieder öffnen. Sie müssen sich nicht mehr auf Geschäftsreisende begrenzen und dürfen auch wieder Touristen aufnehmen.

Dabei gelte aber immer die sogenannte 3-G-Regel. In den Genuss der Lockerungen kommen also vorerst nur auf Corona-Getestete (der Test darf nicht älter als 48 Stunden sein), Geimpfte mit einer Zweitimpfung, die mindestens 14 Tage her sein muss, sowie Genesene.

Auch Innengastronomie kann unter dieser Voraussetzung wieder angeboten werden. Der Test muss hier tagesaktuell sein. Einige Bedingungen sind dabei dennoch zu beachten:

  • Pro Gast ist eine Fläche von 2,5 Quadratmetern vorzusehen.
  • Tische müssen mit einem Abstand von mindestens 1,5 Metern aufgestellt werden.
  • Die Öffnungszeiten werden auf 6 bis 22 Uhr beschränkt.
  • Die Gäste müssen ihren Besuch dokumentieren.

Modellprojekte in der Gastronomie sind laut Willingmann weiterhin möglich. Da sich die Inzidenzzahlen aktuell aber im Tiefflug befinden, könnten die geforderten Voraussetzungen für diese Projekte bald hinfällig sein.

Weitere Angebote für Kinder und Jugendliche

Auch Jugendherbergen und Ferienlager können wieder aufmachen. Freizeitparks sollen weiter nur im Rahmen von Modellprojekten öffnen. Das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration hat außerdem schon vor einigen Tagen mit einem Erlass den Weg frei gemacht, damit Ferienfreizeiten für Kinder, Jugendliche und Familien modellhaft wieder stattfinden können.

"Click & Meet" könnte bald Geschichte sein

Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und der Arbeitsminister gingen auch kurz auf Betriebskantinen und Mensen ein. Hier gelte bei einer fünf Werktage anhaltenden Inzidenz unter 100, dass mit Kontaktnachverfolgungen und Tests eine Öffnung für Betriebsangehörige, Studierende und andere Mitarbeitende möglich sein werde.

Zum Thema Einkaufen sagte Willingmann: "Es wird viel einfacher." Die Grenze einer fünftägigen Inzidenz unter 100 gelte auch hier. Wenn diese Bedingung erfüllt sei, entfalle beispielsweise das Modell "Click & Meet". Eine Terminbuchung sei dann nicht mehr nötig.

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Schulen

Am Dienstag nach den Pfingstferien öffnen die Schulen in Sachsen-Anhalt wieder. "Für alle", betonte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) am Donnerstag. In den ersten beiden Wochen soll dieser Schritt mit mehreren Corona-Schnelltests der Schülerinnen und Schüler verbunden sein. Bis zu 500.000 Tests würden dafür eingesetzt. Die Grundschulen sollen dem Bildungsminister zufolge direkt wieder in den Regelbetrieb starten, sofern die Bundesnotbremse für den entsprechenden Landkreis nicht mehr greift. Spätestens am 31. Mai sollen alle Grundschulen in den Regelbetrieb zurückkehren, erklärte Tullner.

Für die weiterführenden Schulen gilt nach den Ferien zunächst das Wechselmodell aus Präsenz- und Distanzunterricht. Ab 7. Juni sollen dann auch diese Schulen in den Regelbetrieb wechseln. Dieser soll dann bis zu den Sommerferien, die am 22. Juli beginnen, aufrechterhalten werden. So sollen die Schulen laut Tullner Planungssicherheit bekommen. Das Ganze passiert nach Tullners Angaben losgelöst von bestimmten Inzidenzgrenzen. Die Präsenzpflicht werde jedoch wie schon in den zurückliegenden Monaten ausgesetzt.

Sport, Fitness-Studios und Schwimmbäder

Fitness- und Sportstudios sowie Anbieter von Reha-Sport werden ebenfalls geöffnet, sofern die Inzidenz im Kreis mindestens fünf Werktage unter 100 liegt. Gleiches gilt für kontaklosen Sport im Innenbereich. Bei Sportveranstaltungen draußen sollen nach der neuen Verordnung wieder bis zu 100 Zuschauer zugelassen werden.

Schwimmhallen werden laut Grimm-Benne für alle Geimpften, Getesteten oder Genesenen geöffnet. Allerdings sollen die Kapazitäten je nach Größe der Halle eingeschränkt werden. Auch Freibäder können ihre Öffnung planen. Je nach Größe soll eine Maximalzahl an Besuchenden festgelegt werden, um Mindestabstände einzuhalten.

Kontaktbeschränkungen und nächtliche Ausgangsbeschränkungen

Die Kontaktbeschränkungen bleiben zunächst bestehen: Treffen sind weiterhin mit fünf weiteren Menschen eines anderen Haushalts erlaubt, nächtliche Ausgangsbeschränkungen gibt es nicht. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Kalendertagen unter 50, dürfen weitere fünf Menschen aus weiteren Haushalten dazukommen.

MDR/Gero Hirschelmann, Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Mai 2021 | 14:00 Uhr

9 Kommentare

B. Hollstein vor 21 Wochen

Ich lese und höre nur noch von Getesteten, Geimpften, Genesenen. Was ist mit den ganz normal GESUNDEN?? Bis vor 1 Jahr war jemand, der ohne erkennbaren Grund zum Arzt ging, um nach irgend etwas suchen zu lassen, ein Hypochonder. Gesunde, die sich an die Regeln gehalten haben, um sich nicht zu infizieren, werden nun zum Testen genötigt, um irgendwo eine Tasse Kaffe trinken zu dürfen? Was soll das? Wie lange soll diese Testerei noch den Alltag bestimmen? Wahrsscheinlich ist es ählich, wie bei den Masken. Als genügend geordert waren, wurden diese zur Dauer-Pflicht. So befürchte ich das auch mit diesen unsäglichen Tests. Sie müssen unter das Volk gebracht werden, weil sie millionenfach vorhanden sind.

Warum nicht vor 21 Wochen

Hoffentlich geht dieses Wahlgeschenk an die Bürger gut. Schulen im Regelbetrieb ohne Relevanz der Infektionszahlen - ist im Interesse der Schüler sicher nachvollziehbar. Aber: auch die Landesregierung weiß, dass spätestens die Bundesnotbremse mit den dort festgelegten Zahlen dem ein Ende setzt. Und das ist wohl tatsächlich der Rettungsanker, wenn alle Experimente/Öffnungsschritte doch nicht funktionieren sollten. Hier werden Grenzen ausgetestet in der Hoffnung, dass die Bürger es belohnen und sicher auch, um schwer getroffenen Wirtschaftsbereichen wieder auf die Füße zu helfen. Ich würde mir dringend für den schulischen Bereich wünschen, dass auch effektiv an einer Aufholung des Versäumten gearbeitet wird. Was bisher vom Ministerium verlautbart wurde, scheint sich sehr an den angekündigten Bundesmitteln zu orientieren. Im Hinblick auf die eigene Verantwortung, kurz- und langfristige Pläne für Schüler aus allen Schichten zu entwickeln, scheint noch ziemliche Konzeptlosigkeit vorzuliegen

ElBuffo vor 21 Wochen

Wieso gehen vor anderen "Lockerungen" nicht alle Schulen in den Regelbetrieb? Wieso wird nur dort regelmäßig jeder getestet? Gibt es dafür irgendwelche haltbaren wissenschaftlichen Grundlagen?

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