Förderung wird verändert Weniger Geld für Ökolandbau: Biolandwirte geraten in Existenznot

In Sachsen-Anhalt plant Landwirtschaftsminister Sven Schulze deutliche Kürzungen in der Förderung des Ökolandbaus. Dabei war der in den vergangenen Jahren deutlich nach vorn gebracht worden. Ab 2025 müssen sich die Biobauern im Land nun aber auf hohe Verluste einstellen. Einer von ihnen ist Klaus Feick.

Blick von oben auf ein Feld. Ein Landwirt fährt mit seinem Trecker über ein Hanffeld und striegelt dieses, um das Unkraut mechanisch zu regulieren
In Sachsen-Anhalt soll die Förderung von Ökolandbau verändert werden. Den Landwirten gefallen die Pläne gar nicht. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Klaus Feick steht auf seinem Hof in Greifenhagen. Kurz nach der Wende ist er hergekommen, hat in dem kleinen Dorf, das zur Stadt Arnstein im Landkreis Mansfeld-Südharz gehört, einen Biobetrieb aufgebaut. "Ökolandbau ist für mich die einzige Form der nachhaltigen Landwirtschaft, die eine Zukunft hat", erzählt er.

Neben der Landwirtschaft betreibt Klaus Feick auch noch eine Molkerei, einen kleinen Laden und einen Lieferservice – alles auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. 28 Menschen aus der Umgebung beschäftigt er inzwischen. Doch als Ökolandwirt ist auch er auf die Unterstützung der Politik angewiesen. Und da beginnt das Problem.

Drohen-Aufnahme eines landwirtschaftlichen Betriebes.
Die Fläche für Ökolandbau wie den auf dem Hof von Klaus Feick ist in Sachsen-Anhalt stark gestiegen. Bildrechte: MDR/Claus-Michael Peters

Unter der ehemaligen Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) wurde Ökolandbau enorm gefördert. Zahlen belegen: In fünf Jahren hat sich die Fläche, die in Sachsen-Anhalt ökologisch bewirtschaftet wird, fast verdoppelt. Ende 2020 waren es 108.684 Hektar, wie aus Zahlen des Ministeriums hervorgeht. Das entspricht 9,4 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche.

Für jeden Hektar bekommen die Biolandwirte 273 Euro pro Jahr. Es ist der Ausgleich, um den konventionellen Betrieben wirtschaftlich gleichgestellt zu sein.

Ökobetriebe müssen Verluste hinnehmen

Der jetzige Landwirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) wird diese Ökoprämie kürzen. Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT spricht er von etwa 200 Euro, die die Landwirte in der nächsten Förderperiode pro Hektar und Jahr bekommen werden. Er betont aber auch: "Wir werden schauen, ob es an der einen oder anderen Stelle noch Möglichkeit gibt."

Landwirt Klaus Feick spricht von einem jährlichen Verlust von bis zu 50.000 Euro, der damit auf seinen Betrieb zukäme: "Wenn jetzt tatsächlich die Situation käme, dass die Ökoförderung auf 200 Euro pro Hektar reduziert würde, würden uns rund 50 Euro pro Hektar fehlen, um wirtschaftlich mit den konventionellen Landwirtschaftsbetrieben mithalten zu können. Das geht schon an die Existenz."

Ein Landwirt steht vor seinem Hof, im Hintergrund stehen Kühe.
Klaus Feick ist Landwirt in Greifenhagen im Landkreis Mansfeld-Südharz. Bildrechte: MDR/Engin Haupt

Dabei sieht auch Minister Schulze die Notwendigkeit, Ökolandbauern zu unterstützen, "denn die haben an mancher Stelle größere Herausforderungen als der konventionelle Landbau." Aus den Mitteln der EU stehen für die nächste fünfjährige Förderperiode insgesamt 100 Millionen Euro für die Ökoförderung zur Verfügung – bei deutlich mehr Ökofläche im Land als noch vor einigen Jahren. Die 273 Euro pro Hektar hätte es auch unter Claudia Dalbert nicht mehr gegeben, sagt Schulze: "Dann hätten wir etwas mehr als 300 Millionen Euro gebraucht."

Grüne fordern mehr Geld für Ökolandbau

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat dazu bereits im Januar einen Antrag in den Landtag eingebracht. "Darin machen wir Vorschläge, wie wir diesen Fördertopf erhöhen können", erklärt die Abgeordnete Dorothea Frederking im Gespräch mit dem MDR. Der Vorschlag: Die EU-Gelder, die es zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) gibt, aber in anderen Bereichen nicht genutzt werden, sollen dem Ökolandbau zugeführt werden. So soll der Fördertopf nach Vorstellung der Grünen auf insgesamt 172 Millionen Euro vergrößert werden.

Hintergrund des Vorschlags ist, dass Gelder aus der aktuellen Förderperiode, die bis Ende 2025 nicht ausgegeben wurden, an die Europäische Union zurückgehen – und damit für Sachsen-Anhalt dauerhaft verloren wären. Eine Umwidmung der Gelder für die Förderung der Ökobetriebe im Land würde das verhindern.

Feld wird geerntet
Über die finanzielle Förderung des Ökolandbaus ist in Sachsen-Anhalt ein Streit entbrannt. (Symbolbild) Bildrechte: Plusminus

Biolandwirte bräuchten 260 Euro pro Hektar

Dirk Werner ist Sprecher des Agrarpolitischen Arbeitskreises Ökologischer Landbau (APÖL), der politischen Interessensvertretung aller Ökoanbauverbände in Sachsen-Anhalt. Von MDR SACHSEN-ANHALT auf die notwendige Förderung der Biobetriebe angesprochen sagt er: "Ich gehe davon aus, dass unter den Standortbedingungen in Sachsen-Anhalt die Ökobetriebe mit einer Prämie von ungefähr 260 Euro pro Hektar den konventionellen Betrieben gleichgestellt wären. Wenn es weniger als 240 Euro pro Hektar gibt, wird es für viele Betriebe ökonomisch schwierig."

Wenn es weniger als 240 Euro pro Hektar gibt, wird es für viele Betriebe ökonomisch schwierig.

Dirk Werner Agrarpolitischer Arbeitskreis Ökologischer Landbau

Für das Jahr 2023 und voraussichtlich auch für 2024 wird noch die jetzige Förderhöhe von 273 Euro pro Hektar und Jahr ausgezahlt. Die folgenden Einbußen betreffen im Fall des Biobauern Klaus Feick auch die Verarbeitungen seiner Erzeugnisse: "Wenn der Landwirtschaftsbetrieb in Existenznot gerät, dann geraten auch die nachfolgenden Betriebe in der Wertschöpfungskette in Existenznot."

Politische Ziele von Bund und EU werden verfehlt

Der von EU und Bund angestrebte Ausbau der Ökolandflächen auf 25 bis 30 Prozent ist damit nicht mehr möglich, das betont auch Landwirtschaftsminister Schulze: "Wenn Brüssel und Berlin mehr Ökofläche fordern, dann muss das auch finanziert werden. Wir können nur mit dem Geld umgehen, was uns zur Verfügung steht." In Sachsen-Anhalt werde der Anteil der Fläche, die ökologisch bewirtschaftet wird, in den nächsten Jahren bei etwa zehn Prozent liegen, sagt er – sich also kaum verändern.

Sven Schulze (CDU), Landwirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, steht im Betreuungsforstamt Annaburg bei der Eröffnung der Waldbrandzentrale.
Bildrechte: dpa

Wenn Brüssel und Berlin mehr Ökofläche fordern, dann muss das auch finanziert werden. Wir können nur mit dem Geld umgehen, was uns zur Verfügung steht.

Sven Schulze, CDU Minister für Landwirtschaft

APÖL-Sprecher Werner geht davon aus, dass einige Landwirte, die ihre Betriebe nur aufgrund der Prämien in den letzten Jahren umgestellt haben, nun wieder aus dem ökologischen Landbau aussteigen werden: "Ob das nun zehn- oder dreißigtausend Hektar sein werden, weiß ich nicht." Bevor mit neuen Betrieben und Flächen gearbeitet werde, müsse man die bestehenden absichern: "Die 190 oder 200 Euro pro Hektar, die der Minister derzeit in seinem Portfolio hat, sind viel zu wenig für die bestehenden Betriebe."

Auswirkungen auf die Biopreise

Die Kundinnen und Kunden werden von den bevorstehenden finanziellen Herausforderungen der Ökobauern aber wohl nichts merken, vermutet Landwirt Klaus Feick. "Die Bioprodukte aus den Supermärkten und Bioläden kommen aus ganz Deutschland oder werden importiert. Das heißt, im Endeffekt werden die Biobetriebe aus Sachsen-Anhalt aus dem Markt gedrängt", erklärt er. Und das in einem zu großen Teilen landwirtschaftlich geprägten Bundesland.

MDR (Engin Haupt)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. März 2022 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

AlexLeipzig vor 37 Wochen

Nach der guten Nachricht letzte Woche, der Intel-Ansiedlung in Magdeburg, nun schlechte Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, anstatt auch im Agrarsektor in die Zukunft zu investieren, nun zurück zur überkommenen konventionellen, d.h. industriellen Landwirtschaft - schade.

Denkschnecke vor 37 Wochen

Aha. Das mit den schädlichen Subventionen sollten Sie dann auch den landwirtschaftlichen Großbetrieben hierzulande mitteilen. Die konventionelle Landwirtschaft lebt schließlich schon seit vielen Jahrzehnten zur Hälfte von Flächenprämien, und zwar egal, wie sie darauf wirtschaften. Subventionen sind dann sinnvoll, wenn gesellschaftlich eine Umorientierung gewünscht ist, und das ist nachhaltige Landwirtschaft ohne Frage.

zeig_auch_charakter_nicht_nur_maske vor 37 Wochen

Mal eine gute Nachricht von der Landesregierung!

Subventionen können - ausnahmsweise - als Anschubfinanzierung für neue Entwicklungen eine gute Sache sein; auf Dauer richten sie Schaden an. Auch und gerade in den Wirtschaftsbereichen, die sie angeblich fördern sollen. -
Wo Subventionen Effizienssteigerungen wirtschaftlich unnötig erscheinen lassen oder gar - wie z.B. in vielen Fällen der "energetischen Häusersanierung", aber auch in der Landwirtschaft - (betriebswirtschaftlich) unwirtschaftlich machen, BEHINDERN sie die Entwicklung. -
Daher ist die Nachricht aus SA eine GUTE Nachricht!
Und ein bisschen tröstlich an einem Tage, wo in den Medien die Eröffnung eines "GIGA"-Steuergeldverbrennungsbetriebes in Brandenburg GEFEIERT statt DURCHLEUCHTET wird. -

Mehr Politik in Sachsen-Anhalt