Nahverkehr 365-Tage-Ticket für Sachsen-Anhalt für kommendes Jahr geplant

Die schwarz-rot-gelbe Koalition von Sachsen-Anhalt hat Modellprojekte auf den Weg gebracht, um vergünstigte Jahreskarten für den öffentlichen Nahverkehr zu erproben. Der Landtag beschloss am Donnerstag den Test von 365-Tage-Tickets. Die ÖPNV-Nutzung für umgerechnet einen Euro am Tag soll in zwei Regionen des Landes ausprobiert werden.

Straßenbahn in Halle
Auch die Straßenbahn in Halle könnte mit dem Ticket genutzt werden. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

In Sachsen-Anhalt soll teilweise ein verbilligtes 365-Tage-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eingeführt werden. Das hat der Landtag am Donnerstag auf Antrag von CDU, SPD und FDP beschlossen. In einer Probephase soll es jetzt in einer kreisfreien Stadt und im ländlichen Raum getestet werden.

"365-Tage-Ticket, nicht 365-Euro-Ticket"

Die Landesregierung soll deshalb für das Jahr 2023 zwei Modellprojekte entwickeln. Vorerst soll das Ticket ein Jahr lang einen Euro pro Tag kosten. "Der Name des Projekts ist aber bewusst 365-Tage-Ticket, nicht 365-Euro-Ticket", sagte Kathrin Tarricone (FDP). Das Ticket könnte langfristig also teurer werden.

Auch sei das Modellvorhaben kein "Einstieg in einen kostenfreien ÖPNV". Letzteren forderte perspektivisch die Linke. In Sachsen-Anhalt kann man derzeit mancherorts auch billigere Zeitkarten als das geplante Ticket bekommen. Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) sagte, man habe nicht vor, die betroffenen Verkehrsbetriebe zu "höheren Preisen zu nötigen".

Azubi-Ticket soll überprüft werden

Hüskens begrüßte, dass die Koalition mit ihrem Antrag auch das 2020 eingeführte Azubi-Ticket evaluieren will. Wichtig sei dabei, herauszufinden, ob das Ticket auch außerhalb der Großstädte angenommen werde, so die Ministerin. Andernfalls sei eine Anpassung nötig.

Käme das 365-Tage-Ticket, dann würden viele Leute ihr Auto in der Garage stehen lassen, sagte auch Daniel Rausch (AfD). Seine Fraktion unterstütze das Projekt aber nur, weil Menschen auf einen bezahlbaren ÖPNV angewiesen seien. Damit verbundene Klimaziele lehne man aber ab.

Grüne und Linke üben Kritik

Kritik kam von den Grünen und der Linksfraktion. "Ein solches Ticket trifft auf eine unvorbereitete Infrastruktur", sagte Cornelia Lüddemann (Grüne). Zunächst müsse das Angebot an Bussen und Bahnen deutlich ausgebaut werden, sonst drohe eine "wirklich gute Idee" verbrannt zu werden. Schließlich sei der Preis niemals der einzige Beweggrund, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen.

Als Kandidaten für die beiden Modellprojekte gelten einerseits der Burgenlandkreis, andererseits eine der drei kreisfreien Städte Dessau, Halle und Magdeburg.

dpa, MDR (Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. April 2022 | 18:00 Uhr

6 Kommentare

RHQLB vor 21 Wochen

Also in meiner Gegend würde sich alles in einem ÖPNV Umkreis von bis zu nee Stunde Fahrzeit nicht rechnen.
Da sind Arbeitgebertickets oder die derzeitigen Jahresabos (ist ja nicht neu, heißt nur anders) viel günstiger. Ca 20€ bei mir 😀
Also welchen Sinn macht das eigendlich, wenn ich nicht die beruflichen Freiheiten habe etwa vom Harz nach Halle zu pendeln?

Basil Disco vor 21 Wochen

Solange im ländlichen Raum die Fahrtzeit mit dem ÖPNV, wenn er denn überhaupt zu einer brauchbaren Tageszeit fährt, zum Arbeitsplatz über eine Stunde länger ist als mit dem Pkw braucht man über dieses Ticket nicht zu diskutieren. Aber vielleicht ist das ja genau die Absicht, sagen zu können, dass es nicht angenommen werde und damit ein an sich gutes Projekt zu versenken.

Jedimeister Joda vor 21 Wochen

In Wien gibt es das Ticket für 365€ im Jahr schon mehrere Jahre. Jetzt wollt ihr das testen. Fragt in Österreich nach und führt ein. Aber noch immer ist das Problem mit dem ländlichen Raum nicht gelöst. Die dummen Dorfis haben keine Gleise für die Straba. Die Bahn hat 36000 Schienenkilometer stillgelegt und ein Bus am Tag in eine Richtung ist doch eine Verhöhnung der Landbevölkerung. Was soll man euch noch glauben? In den Großstädten gibts eine Einwohnerveredlung. Das ist unsolidarisch gegenüber der Menschen auf dem Land. Ich sage ausdrücklich auf dem Dorf leben Menschen keine Sklaven. Aber bis euer Zeug funktioniert läuft noch viel Wasser die Elbe runter. Ich hab wenig Hoffnung. Joda

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