Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Auch die Straßenbahn in Halle könnte mit dem Ticket genutzt werden. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Nahverkehr365-Tage-Ticket für Sachsen-Anhalt für kommendes Jahr geplant

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 29. April 2022, 07:45 Uhr

Die schwarz-rot-gelbe Koalition von Sachsen-Anhalt hat Modellprojekte auf den Weg gebracht, um vergünstigte Jahreskarten für den öffentlichen Nahverkehr zu erproben. Der Landtag beschloss am Donnerstag den Test von 365-Tage-Tickets. Die ÖPNV-Nutzung für umgerechnet einen Euro am Tag soll in zwei Regionen des Landes ausprobiert werden.

In Sachsen-Anhalt soll teilweise ein verbilligtes 365-Tage-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eingeführt werden. Das hat der Landtag am Donnerstag auf Antrag von CDU, SPD und FDP beschlossen. In einer Probephase soll es jetzt in einer kreisfreien Stadt und im ländlichen Raum getestet werden.

"365-Tage-Ticket, nicht 365-Euro-Ticket"

Die Landesregierung soll deshalb für das Jahr 2023 zwei Modellprojekte entwickeln. Vorerst soll das Ticket ein Jahr lang einen Euro pro Tag kosten. "Der Name des Projekts ist aber bewusst 365-Tage-Ticket, nicht 365-Euro-Ticket", sagte Kathrin Tarricone (FDP). Das Ticket könnte langfristig also teurer werden.

Auch sei das Modellvorhaben kein "Einstieg in einen kostenfreien ÖPNV". Letzteren forderte perspektivisch die Linke. In Sachsen-Anhalt kann man derzeit mancherorts auch billigere Zeitkarten als das geplante Ticket bekommen. Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) sagte, man habe nicht vor, die betroffenen Verkehrsbetriebe zu "höheren Preisen zu nötigen".

Azubi-Ticket soll überprüft werden

Hüskens begrüßte, dass die Koalition mit ihrem Antrag auch das 2020 eingeführte Azubi-Ticket evaluieren will. Wichtig sei dabei, herauszufinden, ob das Ticket auch außerhalb der Großstädte angenommen werde, so die Ministerin. Andernfalls sei eine Anpassung nötig.

Käme das 365-Tage-Ticket, dann würden viele Leute ihr Auto in der Garage stehen lassen, sagte auch Daniel Rausch (AfD). Seine Fraktion unterstütze das Projekt aber nur, weil Menschen auf einen bezahlbaren ÖPNV angewiesen seien. Damit verbundene Klimaziele lehne man aber ab.

Grüne und Linke üben Kritik

Kritik kam von den Grünen und der Linksfraktion. "Ein solches Ticket trifft auf eine unvorbereitete Infrastruktur", sagte Cornelia Lüddemann (Grüne). Zunächst müsse das Angebot an Bussen und Bahnen deutlich ausgebaut werden, sonst drohe eine "wirklich gute Idee" verbrannt zu werden. Schließlich sei der Preis niemals der einzige Beweggrund, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen.

Als Kandidaten für die beiden Modellprojekte gelten einerseits der Burgenlandkreis, andererseits eine der drei kreisfreien Städte Dessau, Halle und Magdeburg.

dpa, MDR (Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. April 2022 | 18:00 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen