Repräsentative Umfrage Mehrheit für Corona-Impfpflicht und SPD in Sachsen-Anhalt im Aufwind

Knapp neun Monate sind seit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vergangen. Die Corona-Lage hat sich zwischenzeitlich verschärft, noch immer wird über eine Impfpflicht diskutiert. Wenn diesen Sonntag schon wieder gewählt würde, würde all das kaum Veränderungen beim Wahlergebnis bringen. Allerdings: Eine Partei würde einen gehörigen Sprung nach oben machen.

Das Logo der SPD
Die SPD in Sachsen-Anhalt profitiert offenbar vom Bundestrend: Würde diesen Sonntag erneut gewählt, könnte sie ihr Ergebnis in Sachsen-Anhalt fast verdoppeln. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Die SPD in Sachsen-Anhalt hat bei den Wählerinnen und Wählern deutlich an Beliebtheit gewonnen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des MDR. Wenn am kommenden Sonntag die Wahl eines neuen Landtags anstehen würde, kämen die Sozialdemokraten demnach auf 16 Prozent. Damit würden sie ihr Ergebnis der Landtagswahl am 6. Juni vorigen Jahres nahezu verdoppeln. Seinerzeit war die SPD auf 8,4 Prozent gekommen.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Partei vom Bundestrend und Kanzler Olaf Scholz profitiert. Denn: Auch in Sachsen und Thüringen wären die Sozialdemokraten deutlich im Aufwind. Allerdings: Trotz des Zuwachses würden noch immer deutlich weniger Menschen die SPD wählen als zum Beispiel noch 2006. Damals waren die Sozialdemokraten noch auf mehr als 20 Prozent gekommen.

CDU weiter stärkste Kraft – mit Verlusten

Leichte Verluste würde der aktuellen Umfrage zufolge dagegen die CDU einfahren. Die Christdemokraten blieben aber die stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl im Sommer waren sie auf 37,1 Prozent gekommen, nun würden rund 33 Prozent der Menschen zwischen Arendsee und Zeitz ihr Kreuz bei der Partei von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) machen. Nahezu unverändert kämen AfD, Linke und Grüne ins Ziel. Die FDP dagegen würde an Zustimmung verlieren und den Einzug in den Landtag nur knapp schaffen.

Insgesamt schneidet die Regierung von Ministerpräsident Haseloff positiv in der Gunst der Wahlberechtigten ab. Etwas mehr als die Hälfte der Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter – in Zahlen: 54 Prozent – sind nach eigenem Bekunden zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung. 43 Prozent sagen, dass sie weniger oder gar nicht zufrieden sind. Hohe Zustimmungswerte für die bisherige Arbeit der Regierung gibt es erwartungsgemäß unter den Wählerinnen und Wählern, die CDU und SPD nahestehen. Immerhin regieren beide Parteien mit.

FDP-Anhänger besonders unzufrieden

Umso aufälliger: Anhängerinnen und Anhänger der FDP bewerten die Arbeit der Landesregierung deutlich schlechter. Von ihnen gaben etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) an, "weniger zufrieden" mit der Arbeit der Koalition zu sein. Das ist weitaus schlechter, als zum Beispiel Anhängerinnen und Anhänger der Grünen die Arbeit der Landesregierung bewerten. Obwohl die Grünen inzwischen in der Opposition sitzen, sagen nur 35 Prozent ihrer Anhänger, dass sie "weniger zufrieden" mit den Leistungen von CDU, SPD und FDP sind.

Zum Vergleich: Sowohl in Sachsen als auch in Thüringen sind die Menschen weitaus weniger zufrieden mit der Arbeit der jeweiligen Landesregierung. In beiden Ländern erklärten nur 43 Prozent der Wahlberechtigten, zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit der Regierung zu sein.

Über die Erhebung: 1.161 Menschen befragt

Für den Sachsen-Anhalt-Trend hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap insgesamt 1.161 Frauen und Männer aus Sachsen-Anhalt befragt. Die Befragungen fanden zwischen dem 17. und 22. Februar 2022 statt und wurden zu einem großen Teil per Telefon geführt. In das Ergebnis flossen aber auch sogenannte Online-Interviews ein. Die Befragten waren zuvor zufällig ausgewählt worden.

Im Auftrag des MDR hatte Infratest Dimap auch abgefragt, wie die Menschen im Land zu den Protesten gegen die Corona-Politik stehen. Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der Menschen im Land haben nur wenig oder gar kein Verständnis für die Proteste gegen die Corona-Politik. Vor allem diejenigen, die in der jüngeren Vergangenheit FDP, Grüne, CDU, Linke oder SPD nahegestanden hatten, können wenig bis gar nichts mit den Protesten anfangen. Besonders Anhängerinnen und Anhänger der AfD sagten der Umfrage zufolge dagegen, dass sie großes oder sehr großes Verständnis für die Protestierenden haben.

In den vergangenen Wochen und Monaten waren auch in Sachsen-Anhalt Woche für Woche teilweise Tausende Menschen auf die Straße gegangen.

In Thüringen ist das Verständnis für die Proteste ähnlich niedrig. Anders in Sachsen: Dort sagt rund jeder Dritte, dass er oder sie großes oder sehr großes Verständnis für die Proteste hat.

Über Infratest Dimap

Das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap gibt es in seiner jetzigen Form seit Mitte der 1990er Jahre. Es hat seinen Sitz in Berlin und erhebt Meinungsforschung unter anderem für die Rundfunkanstalten der ARD, also auch den MDR. Infratest Dimap ist aber kein Teil der ARD, sondern ein unabhängiges Institut. Wenn vor Landtags- oder Bundestagswahlen die politische Stimmung erhoben und darüber berichtet wird, geschieht das meist auf Basis von Daten von Infratest. Dasselbe gilt für die Prognose und Hochrechnungen am Wahlabend. Infratest Dimap beliefert nach eigenen Angaben aber auch mehrere Tages- und Wochenzeitungen mit Umfragen.

Zwiegespalten sind die Menschen in Sachsen-Anhalt bei der Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht für alle ab 18 Jahren. Der repräsentativen Erhebung zufolge sind 55 Prozent der Menschen im Land für die Einführung dieser Impflpflicht. 42 Prozent lehnen sie ab.

Auch hier offenbaren sich Unterschiede zu den Nachbarländern: In Thüringen etwa sind 51 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für die Impfpflicht – in Sachsen nur 44 Prozent. Dort gab mehr als die Hälfte der Menschen an, gegen die Einführung einer Impfpflicht für alle ab 18 zu sein.

Eine Karte aus den drei Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigt Zustimmungswerte zur Einführung einer Corona-Impfpflicht.
In Mitteldeutschland fallen die Meinungen zu einer allgemeinen Corona-Impfpflicht unterschiedlich aus. Bildrechte: #MDRklärt / Maximilian Fürstenberg

Große Mehrheit für Lockerung der Corona-Regeln

Ungeachtet der Debatte über Impfpflicht und Co. sind auch in Sachsen-Anhalt die meisten Menschen für eine Lockerung der Corona-Maßnahmen. 66 Prozent der Menschen im Land halten die geplante Aufhebung eines großen Teils der Regeln zum 20. März für angemessen. Ähnlich hoch ist der Wert bundesweit. Auf besonderes große Zustimmung treffen die Öffnungspläne bei den Anhängerinnen und Anhängern von AfD (79 Prozent) und FDP (74 Prozent). Eher skeptisch sind dagegen Wahlberechtigte, die zuletzt ihr Kreuz bei den Grünen gesetzt hatten.

MDR (Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Februar 2022 | 05:00 Uhr

10 Kommentare

Eulenspiegel vor 39 Wochen

Knappe Mehrheit ist richtiger da haben sie Recht.
Und das sie das Ergebnis diese Umfrage anzweifeln verstehe ich. Es passt ja nicht in ihr ideologisches Weltbild.
Ich wette wäre das Ergebnis das 57 % gegen eine Impfung wären dann würden sie das Ergebnis nicht anzweifeln.
Sie sind ja so leicht zu durchschauen.

Eulenspiegel vor 39 Wochen

Also ich denke wenn es eine Mehrheit für die Impfpflicht gibt dann ist das so. Da gibt es immer irgendwelche Leute denen die Ergebnisse der Meinungsumfragen nicht passen. Die müssen einfach mal kapieren das sie nicht das Volk sind.
"Man sollte deutlich mehr Leute befragen, um ein halbwegs repräsentatives Ergebnis zu erhalten."
Ich denke diese Forderung ist Blödsinn.
In der Empirischen Sozialforschung gibt es den Begriff des Microzensus. Der kommt z.B. bei Wahlen zum Einsatz. Darum haben wir schon 5 Minuten nach Schließung der Wahllokale die ersten Hochrechnungen auf dem Tisch die meistens ziemlich dicht am Endergebnis sind.
Aber wenn einem das Ergebnis der Befragung nicht passt dann ist es natürlich das einfachste die Befragung in Frage zu stellen.
Na ja Demokratie so wie ihr sie versteht.

ule vor 39 Wochen

@hilflos __ "will das Volk befragen"

Besser bei medizinischen Dingen auf keinen Fall das Volk und schon gar nicht die Politiker befragen.
Sicherer wäre es, wenn man in solch einem Fall, einzig den Arzt seines Vertrauens aufsucht. Die Impfung ist ein medizinischer und kein politischer Eingriff. . . (auch wenn es Menschen gibt, die etwas anderes propagieren).

Die Aufgabe der Politiker sollte es sein, dafür sorge zu tragen, dass die Krankenkassen auch weiterhin leistungsfähig bleiben und dass die Krankenhäuser in vollem Umfang ihren Versorungsauftrag erfüllen können.

Das Argument, dass man mit der gesetzlichen Impfpflicht dabei Geld einsparen könnte, ist ein Akt, welcher den Menschen zu einer Sache werden ließe und die Menschenwürde angreifen würde.

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