Pähle vs. Stöcker SPD startet in Vorwahlkampf – Spitzenkandidaten stellen sich vor

Als erste Partei in Sachsen-Anhalt haben die Sozialdemokraten am Montag ihren Vorwahlkampf begonnen. Auf einer Regionalkonferenz in der Altmark stellten sich die beiden Spitzenkandidaten Katja Pähle und Roger Stöcker der Basis vor. Die rund 3.500 SPD-Mitglieder im Land müssen dann bis Mitte Juli entscheiden, wen sie ins Rennen für die Landtagswahl im Juni 2021 schicken wollen.

Katja Pähle, 2016
Katja Pähle und Roger Stöcker bewerben sich um die SPD-Spitzenkandiatur in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: IMAGO/Josie Reuter

Knapp ein Jahr vor dem Wahltermin ist die SPD am Montag mit ihrer Vorbereitung auf die Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt gestartet. In Apenburg-Winterfeld im Altmarkkreis Salzwedel stellten sich am Abend die beiden Bewerber auf die Spitzenkandidatur, Fraktionschefin Katja Pähle und der Politologe Roger Stöcker, der Basis vor. Die Veranstaltung war die erste von fünf geplanten sogenannten Regionalkonferenzen, auf denen sich die beiden Anwärter den Fragen der Genossen stellen sollen.

Mitglieder entscheiden über Spitzenkandidaten

Die rund 3.500 Sozialdemokraten im Land sollen dann zwischen dem 27. Juni und dem 10. Juli per Brief abstimmen, wer sie in die Landtagswahl führt. Der Landesverband entscheidet somit erstmals per Mitgliederbefragung über den Spitzenkandidaten oder die Spitzenkandidatin. Eine Entscheidung durch Befragung der Basis ist für die Sozialdemokraten nicht neu: Die Landes-SPD hatte bereits ihre neue Doppelspitze, Juliane Kleemann und Andreas Schmidt, auf diesem Weg ermittelt.

Allerdings hängt die Messlatte für das Wahlergebnis tief: Bei der Wahl 2016 halbierte die SPD ihr Ergebnis. Mit der damaligen Partei- und Fraktionsvorsitzenden Katrin Budde fuhr die Partei mit gut 10 Prozent der Stimmen ein historisch schlechtes Ergebnis ein. In einer am Freitag vom MDR veröffentlichten Umfrage konnte die Regierungspartei aber um knapp 3 Prozentpunkte zulegen und profitierte dabei auch von der hohen Zufriedenheit der Wähler mit der Arbeit der Landesregierung.

Balkendiagramm mit den Umfragewerten für die Parteien in Sachsen-Anhalt: CDU 34 Prozent, AFD 19 Prozent, Linke 16 Prozent, Grüne 8 Prozent, FDP 4 Prozent, Sonstige 6 Prozent
Die Ergebnisse der Sonntagsfrage im Juni 2020 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Katja Pähle sitzt seit 2011 für die SPD im Landtag und führt die sozialdemokratische Fraktion seit 2016 an. Roger Stöcker ist Vorsitzender des SPD-Kreisverbands im Salzlandkreis und Politikwissenschaftler an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Die Landtagswahl soll am 6. Juni 2021 stattfinden.

Weitere SPD-Regionalkonferenzen

  • 12. Juni in Schönebeck
  • 13. Juni Dessau-Roßlau
  • 17. Juni Ilsenburg
  • 19. Juni Merseburg

Spitzenkandidaten bei meisten Parteien noch unklar

Ein Jahr vor der Landtagswahl ist die SPD die erste Partei, die ihre Spitzenkandidaten nominiert. Die CDU will ihren Spitzenkandidaten auf einer Landesvertreterversammlung im November in Dessau-Roßlau bestimmen. Sollte Ministerpräsident Reiner Haseloff nicht mehr antreten wollen, stünde Innenminister und Parteichef Holger Stahlknecht bereit. Die Grünen und die FDP wollen ebenfalls im Herbst nominieren. AfD, Linke und Freie Wähler peilen dafür den Jahreswechsel an.

Umfrage Ein Jahr bis zur Wahl: Das denken Sachsen-Anhalter

Ein Mann steht auf dem Marktplatz von Halle und blickt in die Kamera.
Mit Sorge beobachtet Robert Felsch die enormen öffentlichen Ausgaben, die momentan wegen der Coronakrise getätigt werden. "Da frage ich mich schon, woher das ganze Geld kommen soll." Auch zuvor sah er die Ausgabenpolitik in Stadt und Land bereits kritisch. "Halle hat riesige Schulden, das Land ebenso. Aber irgendwann muss das auch alles bezahlt werden. Ich hoffe, dass das die künftige Landesregierung stärker in den Blick nimmt."

Doch zumindest bei Bildung und Schulinfrastruktur sollte nicht gespart werden, fordert der Familienvater. Denn die Ausstattung der Schule seiner Tochter etwa erinnert ihn an die eigene Schulzeit. "Da hat sich nichts getan."
Bildrechte: MDR/Oliver Leiste
Ein Mann steht auf dem Marktplatz von Halle und blickt in die Kamera.
Mit Sorge beobachtet Robert Felsch die enormen öffentlichen Ausgaben, die momentan wegen der Coronakrise getätigt werden. "Da frage ich mich schon, woher das ganze Geld kommen soll." Auch zuvor sah er die Ausgabenpolitik in Stadt und Land bereits kritisch. "Halle hat riesige Schulden, das Land ebenso. Aber irgendwann muss das auch alles bezahlt werden. Ich hoffe, dass das die künftige Landesregierung stärker in den Blick nimmt."

Doch zumindest bei Bildung und Schulinfrastruktur sollte nicht gespart werden, fordert der Familienvater. Denn die Ausstattung der Schule seiner Tochter etwa erinnert ihn an die eigene Schulzeit. "Da hat sich nichts getan."
Bildrechte: MDR/Oliver Leiste
Eine junge Frau steht in Stendal vor einer Hecke und lächelt in die Kamera.
Nour Aleid kommt gebürtig aus Syrien – und lebt in Stendal. Sie hofft, dass bis zur Wahl und auch danach mehr gegen Rassismus unternommen wird. Den hat sie auf den Straßen in Stendal nämlich auch schon erlebt.

Außerdem hofft sie, dass mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen werden. In Stendal seien die Mangelware, hat Aleid beobachtet. Um einen Platz zu finden, müsse sie sich in Magdeburg und Umgebung umsehen, sagt sie.
Bildrechte: MDR/Anne Gehn-Zeller
Zwei junge Männer stehen auf dem Marktplatz von Halle und blicken in die Kamera.
Fragt man Ebi (links) und Jason, welche Themen in Sachsen-Anhalt sofort vom Landtag angegangen werden sollte, müssen die beiden nicht lange überlegen: "Rassismus ist ein großes Problem. Um den zu bekämpfen, müsste man viel mehr in Bildung investieren", sagt Jason. Auch das Klima ist für beide ein wichtiges Thema.

Der öffentliche Nahverkehr sollte viel besser ausgebaut werden, fordern sie. "Natürlich kann man das nicht alles in einem Jahr lösen. Aber man könnte bis zur Wahl noch vieles auf den Weg bringen", glaubt Jason.
Bildrechte: MDR/Oliver Leiste
Eine Frau steht vor einem Lokal in Naumburg.
Doreen Uhlemann aus Naumburg sagt: "Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden. Der Laden läuft gut." Uhlemann arbeitet in einem kleinen Café in der Domstadt.

Sie findet: "Es müsste gar nicht viel geändert werden. Außer für die Kinder, etwa bei Spielplätzen. Da könnte immer mehr gemacht werden."
Bildrechte: MDR/Oliver Leiste
Eine Frau lehnt an einem Marktstand in Stendal und lacht in die Kamera.
"Mir gehen so viele Fragen durch den Kopf", sagt Diana Gottschling aus Heinrichsberg in der Börde. Schuld daran ist die Corona-Krise. "Wie geht es mit der Wirtschaft weiter, wie für meine Enkelchen?" Das sind die Fragen, die Gottschling beschäftigen.

Jeden Mittwoch steht sie auf dem Stendaler Markt – und sieht, dass es Rentner gibt, die sich nicht mal ein Brot leisten können. Deshalb ist Diana Gottschling dafür, bei der Zuwanderung Augenmaß an den Tag zu legen. "Wenn es uns allen gut geht, können wir gerne abgeben", sagt sie.
Bildrechte: MDR/Anne Gehn-Zeller
Ein Mann steht vor einem Busch in Stendal und lächelt in die Kamera.
Rund 40 Jahre hat Günter Heine als Lehrer gearbeitet. Vor zwei Jahren zog er aus Wust im Landkreis Stendal in die Kreisstadt – weil Dörfer wie Wust nach seiner Beobachtung immer weiter veröden. "Schulen werden geschlossen, es gibt keine Dienstleistungen mehr. Die Dörfer werden eines Tages tot sein", fürchtet Günter Heine – und hofft, dass die Regierung etwas dagegen unternimmt.

Als pensionierter Lehrer ist er außerdem dafür, dass in Sachsen-Anhalt keine weiteren Schulen geschlossen werden.
Bildrechte: MDR/Anne Gehn-Zeller
Zwei Frauen stehen in einer Fleischerei hinter der Theke und lächeln in die Kamera.
Jeniffer Krull aus Stendal (links) und Solveig Melchor aus Parchen im Jerichower Land verkaufen Fleisch auf dem Wochenmarkt in Stendal. Beiden ist wichtig, dass mehr für junge Menschen getan wird. Dass sie sich in Jugendclubs treffen können. Dass die Radwege gut ausgebaut sind, um erst einmal sicher zum Jugendclub zu kommen. Und: Dass die Schulen modernisiert werden – äußerlich wie auch das Schulsystem selbst. Bildrechte: MDR/Anne Gehn-Zeller
Eine junge Frau lächelt bei einem Selfie in die Kamera.
Laura Prüfer kommt eigentlich aus Sachsen, lebt seit Oktober vergangenen Jahres aber in Magdeburg. Dort studiert sie an der Fachhochschule. Besonders wichtig ist ihr Bildung. "Da ist bei den politischen Entscheidungen noch Luft nach oben", sagt Prüfer. Für Bildung werde zu wenig Geld ausgegeben. "Dabei ist Bildung die Grundlage von allem."

Gerade die Corona-Krise habe doch gezeigt, dass es allein bei der Ausstattung der Schulen Nachholbedarf gebe. Prüfer findet, dass die Lernbedingungen ins Hier und Jetzt angepasst werden sollten. Das ist ihr wichtig. Das, so hofft sie, wird bis zur Landtagswahl und auch danach stärker in den Blick genommen.
Bildrechte: Laura Prüfer
Eine junge Frau steht vor einem Haus in Halle und hat die Hände in den Hosentaschen.
Katharina Kühne aus Halle beschäftigen aktuell vor allem die rassistischen Vorfälle in den USA. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es Rassismus. Dagegen wünscht sie sich mehr Einsatz von der Politik – auch schon vor der Wahl.

Auch Umweltthemen sind ihr wichtig. Spätestens nach der Landtagswahl sollte sich die Politik viel entschlossener der Schaffung von Radwegen widmen, findet sie.  
Bildrechte: MDR/Oliver Leiste
Zwei Frauen mit Schürze stehen vor einem Geschäft im Zentrum von Naumburg.
Die beiden Verkäuferinnen Monika Lorenz (links) und Dagmar Allstedt aus Naumburg wünschen sich, dass es mehr Unterstützung für die Region gibt. "Auch abseits der großen Städte, etwa für Geschäfte mit regionalen Angeboten oder für kulturelle Angebote in Kleinstädten", sagen sie.

Ein konkretes Anliegen ist für sie der Busverkehr. "Wenn ich abends zu einer Veranstaltung ins Zentrum von Naumburg möchte, fährt aus den Randgebieten kein Bus mehr", sagt Monika Lorenz.
Bildrechte: MDR/Oliver Leiste
Eine Frau steht im Grünen und blickt in die Kamera.
Die Folgen der Corona-Pandemie werden den Wahlkampf und den Ausgang der Landtagswahl in jedem Fall bestimmen. Davon ist Celine Leib überzeugt, die gebürtig aus Hamburg kommt und fürs Studium vor einigen Jahren nach Magdeburg kam. "Das wird enormen Einfluss auf die Wahl haben", sagt sie und betont, dass alle anderen Themen nun zurückstecken müssten. "Wir können nicht davon ausgehen, dass viel anderes passiert außer der Diskussion rund um Corona."

Unabhängig von der Pandemie sind der Studentin vor allem der Umweltschutz und eine Politik gegen Extremismus und Rassismus wichtig. "Mir ist wichtig, dass eine klare Anti-Rassismus- und Anti-Faschismus-Regierung am Start ist", sagt sie.
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eine Frau steht mit Mundschutz auf einer Straße in Naumburg.
Anja Gorges aus Naumburg meint, dass die aktuelle Situation gute Ansätze für die Zeit nach der Corona-Krise aufgezeigt hat. "Die Zahlung für Kinder finde ich zum Beispiel gut. Aber generell sollten die besser gestellt werden, die arbeiten. Viele hier bekommen nur ein paar Euro mehr als Flüchtlinge oder Hartz IV-Empfänger."

Die Steuern und Lohnnebenkosten seien zu hoch, sagt Gorges. Ihr ist aber klar, dass das Sache des Bundes ist. Trotzdem meint sie, dass auch auf Seite der Länder da mehr kommen könnte. 
Bildrechte: MDR/Oliver Leiste
Ein Mann steht vor einem Busch in Stendal und lächelt in die Kamera.
Ob die AfD auch weiter so hohe Zustimmungswerte bekommt? Das ist eine Frage, die Christoph Scheel aus Stendal ein Jahr vor der Landtagswahl beschäftigt. Er sei gespannt darauf, wie die Partei abschneide – hofft nach eigenen Worten aber, dass in einem Jahr weniger Menschen die Partei wählen als noch 2016.

Christoph Scheel ist wichtig, dass sich die Regierung bis zur Wahl und auch danach mit Umwelt- und Tierschutz auseinandersetzt. "Es ist nicht gut, wie wir Umwelt und Tiere ausbeuten, um unsere Interessen durchzusetzen", sagt Scheel. Wichtig ist ihm für den Norden von Sachsen-Anhalt auch, dass die Autobahn 14 zeitig fertig wird.
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Ein Mann steht auf dem Marktplatz von Halle und blickt in die Kamera.
Mit Sorge beobachtet Robert Felsch die enormen öffentlichen Ausgaben, die momentan wegen der Coronakrise getätigt werden. "Da frage ich mich schon, woher das ganze Geld kommen soll." Auch zuvor sah er die Ausgabenpolitik in Stadt und Land bereits kritisch. "Halle hat riesige Schulden, das Land ebenso. Aber irgendwann muss das auch alles bezahlt werden. Ich hoffe, dass das die künftige Landesregierung stärker in den Blick nimmt."

Doch zumindest bei Bildung und Schulinfrastruktur sollte nicht gespart werden, fordert der Familienvater. Denn die Ausstattung der Schule seiner Tochter etwa erinnert ihn an die eigene Schulzeit. "Da hat sich nichts getan."
Bildrechte: MDR/Oliver Leiste

Quelle: dpa, MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. Juni 2020 | 22:00 Uhr

21 Kommentare

Erichs Rache vor 47 Wochen

@W.Merseburger

Jetzt malen Sie aber ein wenig schwarz. Dr. Stöcker ist gedanklich schon viel weiter als Sie sich das vielleicht denken. Insbesondere seine Ansichten über die Bildungsmisere in Sachsen-Anhalt beschäftigt ihn, vor allem weil es dort so viele Schulabbrecher gibt.

nie wieder cdu vor 47 Wochen

Der SPD-Gesundheitsexperte, Karl Lauterbach, hat sich im Interview mit dem "Tagesspiegel" für strengere Regeln für große Protestaktionen gefordert, wie sie am Wochenende bundesweit gegen Rassismus stattgefunden hatten.

"Viel zu viele Leute, zu wenige Masken, zu wenig Abstand - das ideale Super-Spreading-Event", betonte Lauterbach. Gerade durch Sprechchöre würden Unmengen an Aerosolen - also kleinste flüssige oder feste Schwebeteilchen - auf engstem Raum verteilt. Daher bezeichnete der SPD-Politiker die Demos als "Sargnagel für die noch bestehenden Regeln" gegen die Ausbreitung des Coronavirus. "Für den Kampf gegen das Virus wäre es besser, nur mit Plakaten und Bannern zu demonstrieren", so Lauterbach.
Sprechchöre sind mir lieber als Angriffe auf die Polizei, aber toll das er sich mal wieder meldet.

nie wieder cdu vor 47 Wochen

Mit 70 Jahren gibt es mehr als saufen, gemütlich zusammen sitzen und einfach unterhalten. Mein Sohn konnte leider auch nicht dabei sein, dass sind Tage mit einer erhöhten Einsatzlage.

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Die Spitzenkandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl, von links nach rechts: Eva von Angern (Die Linke), Cornelia Lüddemann (Grüne), Katja Pähle (SPD), Reiner Haseloff (CDU), Lydia Hüskens (FDP), Oliver Kirchner (AfD) mit Video
Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK