Auflösung der Stasi-Unterlagenbehörde Die Stasiakten bekommen ein neues Archiv in Halle

30 Jahre nach ihrer Gründung wird die Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin geschlossen. Die Akten werden in das Bundesarchiv in Koblenz überführt. Das Recht auf Einsicht in die Unterlagen bleibt aber weiter bestehen. Für alle Akten, die in Sachsen-Anhalt noch gelagert sind, wird ein neues Archiv in Halle entstehen.

 Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, geht in einem Aktenraum der ehemaligen Stasi-Zentrale, Campus für Demokratie, zwischen Regalen
Der scheidende Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, sieht die DDR-Aufarbeitung auch nach Auflösung der Unterlagenbehörde gesichert. Bildrechte: dpa

In Halle lagern derzeit rund sieben Kilometer Stasiakten, in Magdeburg sind es neun Kilometer. Mit der Auflösung der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin werden alle Akten aus Sachsen-Anhalt künftig in einem neuen Archiv in Halle zusammengefasst. Dort können sie weiterhin eingesehen werden. Wenn das neue Archiv gebaut ist, verlieren die ehemaligen Stasibezirksdienststellen in Magdeburg und Halle ihre Bedeutung.

Online-Karte mit allen Einrichtungen der Stasi in Sachsen-Anhalt geplant

Sachsen-Anhalts Aufarbeitungsbeauftragte Birgit Neumann-Becker hofft aber, dass diese Orte nicht in Vergessenheit geraten: "Man sollte eine Möglichkeit finden, diese Orte zu markieren. Hier war die Bezirksverwaltung der Staatssicherheit. Auch die Kreisdienststellen sind im Grunde nicht gekennzeichnet, also sozusagen dieses ganze System. All das fällt dann dem Vergessen anheim." Noch in diesem Jahr will Neumann-Becker eine Online-Karte mit allen Einrichtungen der Stasi in Sachsen-Anhalt präsentieren.

Mehr als 4.000 Anträge auf Akteneinsicht

Die Nachfrage zur Akteneinsicht gehe zwar zurück, doch im vergangenen Jahr hätten mehr als 4.000 Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter einen entsprechenden Antrag gestellt. "Das ist also immer noch eine ganze Ortschaft, die gesagt hat, wir wollen gerne wissen, was bei uns in der Vergangenheit los gewesen ist. Und auch Anträge für verstorbene Angehörige sind damit dabei", so Neumann-Becker.

"Ich hoffe, dass die Erschließung der Unterlagen besser voranschreitet"

Mit der Auslösung der Stasi-Unterlagenbehörde werden die Akten in das Bundesarchiv in Koblenz überführt. Neumann-Becker begrüßt diese Entscheidung: "Die große Erwartung, die ich damit verbinde, ist, dass die Akten fachgerecht gelagert werden. Das ist derzeit nicht der Fall. Und ich hoffe, dass die Erschließung der Unterlagen besser voranschreitet. Das haben wir ja in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt, dass mit einem tieferen Blick in die Akten plötzlich Unterlagen zum Vorschein kamen, von denen man gar nichts ahnte."

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Quelle: MDR/Uli Wittstock, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR um 11 | 17. Juni 2021 | 11:00 Uhr

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