Corona-Pandemie Verkehrsgesellschaften: Kontrolle der 3G-Regel in Bus und Bahn schwierig

Die 3G-Regeln in Bus und Bahn stellen die Betriebe des öffentlichen Nahverkehrs in Sachsen-Anhalt vor große Herausforderungen. Ihnen fehlt es nach eigenen Angaben an Personal und vor allem an Zeit, die Nachweise vor der Abfahrt zu kontrollieren.

Ein Mann mit FFP2-Maske im öffentlichen Nahverkehr
Unternehmen fürchten Verspätungen, wenn in Bus und Bahn auf 3G kontrolliert wird. Bildrechte: imago images / photosteinmaurer.com

Bus- und Bahn-Unternehmen in Sachsen-Anhalt sehen die geplante 3G-Regel in ihren Fahrzeugen kritisch. So sind die Harzer Verkehrsbetriebe (HVB) nach eigenen Angaben nicht in der Lage, die Maßnahmen umzusetzen. Die HVB-Geschäftsführer Christian Fischer teilte MDR SACHSEN-ANHALT am Mittwoch mit, sein Unternehmen habe in der Spitzenlast bis zu 130 Fahrzeuge im Einsatz und bediene ein Streckennetz von 1.400 Kilometern. "Daher könnten allenfalls stichprobenartige Kontrollen realistisch erfolgen", sagt Fischer.

Nach Fischers Worten dürfte es bei Kontrollen einerseits Akzeptanzprobleme unter den Fahrgästen geben und andererseits einen größeren Zeitaufwand. Die Folge seien Verspätungen. "Auch die schon absehbare Umsetzung der 3G-Pflicht am Arbeitsplatz könnte im Lichte einer Impfquote von 70 Prozent im Unternehmen zu Verzögerungen im Betriebsablauf führen", so der HVB-Geschäftsführer.

Für punktuelle Kontrollen müsste laut Fischer Fremdpersonal von Sicherheitsfirmen eingeplant werden. Rein vorsorglich hätten die HVB ein Amtshilfeersuchen an das Ordnungsamt des Landkreises Harz gesandt mit der Bitte, das Ersuchen auch an die Landespolizei weiterzuleiten.

Magdeburger Verkehrsbetriebe fürchten erhöhte Haltezeiten

Ähnlich wie die HVB argumentieren die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB): "Die Kontrolle einer 3G-Regelung im ÖPNV durchzuführen, ist für uns nicht praktikabel und auch nicht leistbar, erst recht nicht lückenlos. Unsere Fahrzeuge halten alle ein bis zwei Minuten an einer Haltestelle, an der neue Fahrgäste zu und andere wieder aussteigen. Theoretisch müssten an jeder Tür Kontrollpersonal bereitstehen und die Kontrolle vornehmen."

Damit würden sich die Haltezeiten enorm erhöhen, sodass der Fahrplan nicht mehr funktionieren würde. Zudem verfügten die MVB nicht über so viel Kontrollpersonal, hieß es auf Anfrage.

Fahrgäste müssen Nachweise bereithalten

Bei der Kreisverkehrsgesellschaft Salzland blickt man vor allem besorgt auf die Einhaltung des Fahrplans. Das Unternehmen teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit: "Bei einer Einführung der 3G-Regelung für unsere Fahrgäste wird das eigene Personal die vorzulegenden Nachweise kontrollieren." Zu beachten sei jedoch, dass eine Kontrolle durch die Fahrer eine deutlich erhöhte Aufenthaltszeit an den Haltestellen und somit Verspätungen nach sich ziehen könne.

Von der Kreisverkehrsgesellschaft Salzland heißt es daher weiter: "Deshalb bitten wir die Fahrgäste im Sinne eines vernünftigen Miteinanders darum, die Nachweise schon bereit zu halten bzw. ungefragt vorzulegen." Das habe auch etwas mit der Akzeptanz des Gegenübers zu tun.

Auch Stendaler Verkehrsbetriebe fürchten Verspätungen

Die Stendaler Verkehrsbetriebe erklärten: "Grundsätzlich stehen wir der geplanten Gesetzesinitiative offen gegenüber und verstehen und unterstützen den politischen Wunsch, Menschenleben zu schützen, auch wenn der ÖPNV bisher hinsichtlich dem Infektionsgeschehen nicht als Treiber der Pandemie aufgetreten ist."

Bedenken gebe es aber in der Praxis. Eine Kontrolle könne nur durch das Fahrpersonal beim Einstieg erfolgen. Als Folge werde es massive Verspätungen geben. Auch könnten dann Anschlüsse zu anderen Verkehrsunternehmen nicht gehalten werden. Hinzu kommen mögliche Auseinandersetzungen mit Fahrgästen, die der 3G-Regel nicht nachkommen möchten. "Solchen Auseinandersetzungen sind unsere Fahrpersonale heute schon in Bezug auf die Maskenpflicht immer wieder ausgesetzt."

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Bürgerpolizist Jens Martin und eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts des Landkreises besprechen das Vorgehen bei einer 2G-Kontrolle in der Bautzener Innenstadt.
Bürgerpolizist Jens Martin und eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts des Landkreises besprechen das Vorgehen bei einer 2G-Kontrolle in der Bautzener Innenstadt. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

MDR/Matthias Lindner, Max Schörm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. November 2021 | 06:10 Uhr

11 Kommentare

Felix vor 8 Wochen

Das heißt, Ihnen sind die Kollateralschäden egal? Egal, wie viele gesundheitliche oder existenzielle Schäden durch die Maßnahmen erleiden? Egal, wie viele Schäden durch Behandlungsfehler oder Behandlungsabsage aufgrund des aktuellen Narratives erleiden? Egal, wie viele Schäden durch die Impfungen erleiden, zu denen sie durch extremen gesellschaftlichen etc. Druck genötigt wurden und werden? Und können Sie mir bitte einmal genau aufzeigen, welche Notsituation wir gerade haben, die solch ein panikhaftes Handeln erfordert?

Magdeburger Jung vor 8 Wochen

Ja genau,es geht um Gesundheit um jeden Preis! Möchten sie an einem Herzinfarkt sterben,nur weil ein unbelehrbarer Idiot schwer erkrankt und ihr Bett auf der Intensivstation belegt? Impfpflicht für alle. Wir haben nun mal eine Notsituation.

Horst_ vor 8 Wochen

Mal ganz davon abgesehen, dass 3G und 2G (am Arbeitsplatz, im ÖPNV oder wo auch immer) ein Gefährdungspotential darstellt, weil positive (nicht getestete), geimpfte Mitmenschen andere Geimpfte/Ungeimpfte/Genesene anstecken können, ist doch die Kontrollierbarkeit nicht das einzige Problem.

Wurde von den Verantwortlichen dieses Beschlusses schon mal daran gedacht, wie schwierig es für ÖPNV-Nutzer sein kann, sich frühmorgens einen anerkannten Test zu besorgen bzw. ohne ÖPNV ins Testzentrum zu gelangen?? Oder wird in dem Fall auf selbst durchgeführte Tests vertraut? (die >natürlich< jeder jeden Tag aufs Neue ausführt)

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