Landeszentrum Wald Weniger Waldbrände in diesem Frühjahr in Sachsen-Anhalt

Die ergiebigen Schneefälle in diesem Jahr haben in Sachsen-Anhalt für feuchtere Böden gesorgt als im Vorjahr. Das ist ein Grund, warum das Landeszentrum Wald bisher weniger Waldbrände registriert hat als im Vorjahreszeitraum. Prognosen für das gesamte Jahr lassen sich davon aber nicht ableiten.

Karte von Mitteldeutschland, Wald im Hintergrund 1 min
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In Mitteldeutschland brennt es in Sachsen und Sachsen-Anhalt am häufigsten. Immer früher beginnt die Brandsaison. Zwischen Januar und Mai 2020 gab es enorm viele Waldbrände.

MDR FERNSEHEN Mo 06.07.2020 09:49Uhr 00:31 min

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In Sachsen-Anhalt hat es in den ersten vier Monaten deutlich weniger Waldbrände gegeben als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Wie das Landeszentrum Wald mitteilte, sind bis zum 30. April sechs Waldbrände im Land registriert worden. Im Vorjahreszeitraum waren es 15. Allerdings war die Fläche, die in diesem Jahr bisher gebrannt hat, ähnlich groß wie die im Vorjahreszeitraum. 2021 waren es etwa 2,3 Hektar, 2020 rund 2,7 Hektar.

Keine Prognose für Sommer möglich

Das Landeszentrum Wald sieht einen möglichen Grund für die gesunkene Zahl der Waldbrände in den ergiebigen Schneefällen zum Jahresbeginn. Die Monate März und April seien zwar trocken gewesen, die Böden hätten aber im Winter Feuchtigkeit speichern können.

Eine Prognose, wie viele Waldbrände im Sommer ausbrechen könnten, sei nicht möglich, hieß es vom Landeszentrum Wald. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab. Einer davon sei der Mensch. Viele Brände würden durch Menschen verursacht, etwa durch weggeworfene Glasflaschen und Zigarettenkippen oder auch Brandstiftung.

Ein Schild weist die Waldbrandgefahrenstufe 5 aus.
Die Gefahrenlage für Waldbrände bleibt auch in diesem Jahr im Norden und Osten Sachsen-Anhalts hoch. Bildrechte: dpa

Aktuell gilt nur in Anhalt-Bitterfeld nördlich und südlich der Elbe und in Dessau-Roßlau die Waldbrandgefahrenstufe 2. Ansonsten gilt im Land die Warnstufe 1. Die Waldbrandgefährdung ist besonders im Norden und Osten Sachsen-Anhalts hoch. Das sei eine Folge der sehr geringen Jahresniederschläge, wasserdurchlässigen Sandböden und den weit verbreiteten und sehr zündbereiten Kiefernwäldern in diesen Gebieten, heißt es von Landeszentrum Wald. 

Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt

Das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt (LZW) ist mit seinen dazugehörigen Forstämtern für den vorbeugenden Waldbrandschutz in Sachsen-Anhalt zuständig. Der Waldbrandschutz umfasst nach eigenen Angaben alle vorbeugenden Maßnahmen, die die Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden verhindern sollen. Dazu zählen insbesondere die Festlegung von Waldbrandgefahrenstufen, das Anlegen von Wundstreifen sowie die Überwachung der Wälder bei Waldbrandgefahr.

Waldbrandschutz mit "Fire Watch"

Um Waldbrände früher erkennen zu kennen, setzt Sachsen-Anhalt bei der Überwachung der Wälder auf technische Unterstützung aus der Raumfahrt. Das sogenannte automatisierte Waldbrandschutzfrühwarnsystems (AWFS), auch "Fire Watch" genannt, kommt bereits in Arnsdorf bei Jessen zum Einsatz. Seit Mitte 2019 sind nach Angaben des Umweltministeriums in Sachsen-Anhalt 1,2 Millionen Euro Landesmittel in das Früherkennungssystem geflossen.

Kleinste Rauchwolken in großer Entfernung erkennen

Modere Waldbrandüberwachungstechnik auf einem Feuerwachturm
Der Feuerwachturm bei Jessen hat spezielle Sensoren, die Waldbrände erkennen sollen. Diese Technik kam schon bei einer Marsmission zum Einsatz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Fire Watch" arbeitet mit optischen Sensorsystemen, die auf ehemaligen Feuerwachtürmen, Funkmasten und anderen hohen Objekten installiert sind. Sie beobachten jeweils eine Waldfläche von bis zu 700 Quadratkilometer. Das System erkennt automatisiert Rauchentwicklungen und leitet diese an die Waldbrandzentralen in Annaburg, Genthin und Klötze weiter. Dort wird das Datenmaterial am Computer ausgeweret. Bei einem Waldbrand verständigen sie umgehend die Einsatzleitstelle der Feuerwehr und können dank des Systems die geografischen Koordinaten des mutmaßlichen Brandortes genau benennen. Für die Zeit der Waldbrandgefährdung ist durch das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt ein Waldbrandbereitschaftssystem mit Diensthabenden organisiert.

Das Waldbrandschutzfrühwarnsystem "Fire Watch"

Die Technologie für "Fire Watch" kommt aus der Luft- und Raumfahrttechnik. Die Sensorelektronik und die Bildverarbeitungssoftware wurden im Rahmen der Weltraummission "Rosetta" entwickelt. Die optischen Sensoren sind auf ehemaligen Feuerwachtürmen, Mobilfunkmasten oder hohen Gebäuden montiert. Die Sensoren arbeiten im Radius von bis zu 15 Kilometern. Rein rechnerisch kann mit einem Sensor eine Fläche von 700 km² überwacht werden. Das System erkennt Rauchentwicklungen ab einer Flächenausdehnung von 10x10 Meter. Das System kann kleinste Rauchwolken in der Atmosphäre anzeigen und den Ursprungsort mit bis zu 100 Meter Genauigkeit in 10 Kilometer Entfernung in einer elektronischen Karte darstellen. "Fire Watch" arbeitet im Verbund mit den benachbarten Bundesländern grenzübergreifend zur Waldbrandfrüherkennung zusammen.

Quelle: MDR/Susanne Ahrens, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Mai 2021 | 13:00 Uhr

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